Sexuelle Gewalt gegen Kinder: Das hört nicht einfach auf

Missbrauch ist ein Massenphänomen. Einen Anlass für mehr Prävention bieten die Ausgangsbeschränkungen.

Kindesmissbrauch findet innerhalb eines gewachsenen Sozialgefüges statt Illustration: Katja Gendikova

Seit die Kindergärten, Schulen, Spielplätze und Jugendfreizeiteinrichtungen coronabedingt geschlossen sind, melden sich immer wieder Menschen öffentlich zu Wort, die sich Sorgen um Kinder machen: PädagogInnen und JugendamtsmitarbeiterInnen befürchten, dass Kinder in der familiären Isolation vermehrt Gewalt erleben. Häusliche Enge, Partnerschaften unter Druck infolge wirtschaftlicher Unsicherheit – das sind Bedingungen, unter denen sich Aggressionen der Erwachsenen auf die Kleinsten und Schwächsten im Haushalt richten könnten, so die Befürchtung.

Die derzeitigen Kontaktrestriktionen bringen es zudem mit sich, dass zu vielen Familien, die sonst engmaschig vom Jugendamt oder durch soziale Einrichtungen betreut werden, der Kontakt abreißt. Kinder, für die der Besuch der Schule oder des Jugendzentrums sonst eine Atempause von der häuslichen Situation bedeutet, hört und sieht man nicht mehr, was vielerorts als Alarmzeichen gewertet wird. Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, fürchtet, dass durch den Wegfall externer Flucht-und Hilfemöglichkeiten noch mehr Kinder als sonst Opfer sexuellen Missbrauchs durch Familienangehörige werden. Rörig hat jetzt eine Kampagne gestartet, mit der NachbarInnen oder Bekannte zum Anruf bei einer Kinderschutzhotline animiert werden sollen.

Natürlich weiß noch niemand – weder Rörig noch die MitarbeiterInnen vom Elterntelefon „Nummer gegen Kummer“, bei denen gerade vermehrt Anrufe eingehen – verlässlich, ob seit Beginn des Corona-Lockdowns wirklich mehr Kinder sexueller Gewalt im familiären Umfeld ausgesetzt sind. Ob entsprechende Straftaten zunehmen oder ob dies nur eine Befürchtung von Fachleuten ist, wird sich frühestens an der Polizeilichen Kriminalstatistik im nächsten Jahr ablesen lassen. Und das auch nur zum Teil, da sexueller Kindesmissbrauch ein Delikt mit einem riesigen Dunkelfeld ist und die Polizeidaten nur den Bruchteil der Fälle erfassen, der überhaupt zur Anzeige gebracht wird. Es sind also nur Vermutungen.

Und es gibt auch Stimmen, die sagen, dass die eindringlichen öffentlichen Warnungen vor einer Zunahme häuslicher Gewalt gegen Kinder und Frauen überzogen sind. Thomas Fischer etwa, streitbarer Rechtskolumnist beim Spiegel, mokiert sich in seiner aktuellen Kolumne über eine „Dramatisierung der Opferperspektive“ und eine mit Macht herbeifantasierte Apokalypse, wo seiner Meinung nach derzeit alles normal läuft – wenn nicht sogar besser: Fischer stellt mit Blick auf die am 24. März veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik für 2019 fest: „Gewaltdelikte gesunken, sexueller Missbrauch erneut gesunken!“ Also warum die ganze Aufregung? Weil die Gutmenschen aus der Hilfsindustrie so gerne über Opfer sprechen?

Bagatellisierung von sexueller Gewalt

Corona ist ein Stresstest – auch für die Provinz. Wie ein ostdeutscher Landkreis die Krise meistert – in der taz am wochenende vom 18./19. April. Außerdem: Grünen Chefin Annalena Baerbock fordert ein „Corona-Kindergeld“. Und: Was haben wir in diesen Zeiten eigentlich noch zu lachen? Ein Gespräch mit Comedian Till Reiners. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

Fischers Polemik bewegt sich argumentativ auf unsicherem Boden: So ist zwar die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung insgesamt gesunken, nicht aber die Zahl der registrierten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern unter 14 Jahren. Diese lag mit 13.670 im vergangenen Jahr um fast 11 Prozent über der von 2018. Was die Verbreitung von Missbrauchsabbildungen, sogenannter Kinderpornografie, angeht, stieg die Zahl der polizeilichen Ermittlungsverfahren sogar um knapp 65 Prozent. Fischers bagatellisierender Text ist trotzdem aufschlussreich, denn er illustriert geradezu beispielhaft das größte Pro­blem, das wir in Deutschland im Umgang mit sexueller Gewalt gegen Kinder haben: Wir nehmen sie einfach nicht ernst genug.

Genau zehn Jahre ist es jetzt her, dass eine Serie von Missbrauchsskandalen die Öffentlichkeit erschütterte: Canisius-Kolleg, Kloster Ettal, Odenwaldschule. Hunderten von Kindern wurde Gewalt angetan durch Menschen, denen sie als Schutzbefohlene anvertraut waren. Und meist waren die sexuellen Übergriffe innerhalb der betreffenden Institutionen lange bekannt gewesen, bevor sie von außen aufgedeckt wurden. Als 2010 mehrere solcher Langzeitskandale enthüllt wurden, fragte sich das ganze Land: Wie kann es sein, dass das so lange ging? Dass niemand etwas gemerkt hat, keiner den Mund aufgemacht, niemand das abgestellt hat?

Das letzte Jahrzehnt, in dem so viel über Kindesmissbrauch berichtet und geforscht wurde wie nie zuvor, brachte einige neue Erkenntnisse: Dass „niemand etwas gemerkt“ hat, ist fast immer unwahr. Es handelt sich um Taten, die innerhalb eines gewachsenen Sozialgefüges stattfinden – ermöglicht durch KomplizInnen, gedeckt oder zumindest in Kauf genommen von MitwisserInnen.

Was man aus den Enthüllungen von 2010 auch lernen konnte, ist: Es gibt keinen Gesellschaftsbereich, kein Milieu, in dem Erwachsene sich nicht an Kindern vergreifen. Es ist eben kein „katholisches Problem“ oder eines der 1968er-Generation: Es geschieht in staatlichen Kinderheimen und christlichen Elite-Internaten, in grün-alternativen Wohngemeinschaften wie in Moscheegemeinden, in Kitas wie auf Kinderkrebsstationen. Am weitaus häufigsten finden sexuelle Übergriffe im familiären Nahbereich statt – nicht nur in sogenannten Risikohaushalten, sondern ebenso häufig seitens betuchter, gebildeter Eltern.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist ein Massenphänomen mit dem Verbreitungsgrad einer Volkskrankheit

Meist schaffen es die aufsehenerregenden Fälle in die Medien, wie der des Jungen aus Staufen, der von seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten im Internet zur Vergewaltigung verkauft wurde, oder der Pädosexuellenring auf dem Campingplatz in Lügde. Doch hinter diesen besonders krassen Fällen stehen sehr viele mehr, die seit Jahrzehnten bundesdeutscher Alltag sind: Der ganz normale Missbrauch findet an allen Orten statt, an denen Kinder unterwegs sind, und das heißt auch zunehmend im Internet. Mehr als die Hälfte der Täter (und Täterinnen) sind übrigens keine triebgesteuerten Pädophilen, sondern „normal veranlagte“ Erwachsene.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist ein Massenphänomen mit dem Verbreitungsgrad einer Volkskrankheit. Was die Zahlen angeht, weiß man das heute. Und auch, dass diese Taten lebenslange Folgen für die Opfer haben, streitet im Gegensatz zu früheren Zeiten kaum jemand ab. Aber statt den Kampf entschlossen aufzunehmen, mit den Mitteln der Prävention, der Strafverfolgung, der gesellschaftlichen Debatte, hangelt man sich von Skandal zu Skandal. Nach der Odenwaldschule und den Grünen kommt Lügde, kommt Bergisch-Gladbach.

Hangeln von Skandal zu Skandal

Enthüllung, Skandal, nächster Skandal – und dann? Geht es immer so weiter. Dabei gibt es durchaus Erfahrungen, auf denen man aufbauen könnte: Viele Institutionen haben mittlerweile Aufarbeitungsprozesse durchlaufen. Und es gibt viele Betroffene – WHO-Schätzungen gehen davon aus, dass jedeR achte Erwachsene in seiner Kindheit sexuelle Gewalt erlebt hat, – die Auskunft darüber geben könnten, was missbrauchten Kindern hilft und welche Unterstützung sie als Erwachsene benötigen, um mit dem Erlebten zurechtzukommen.

Sicher: Seit 2011 gibt es das Amt des Unabhängigen Beauftragten, seit 2012 untersucht die Unabhängige Kommission systematisch sämtliche Formen von Kindesmissbrauch, und mit dem Betroffenenrat entstand eine einflussreiche Selbstorganisation. Doch diese Institutionen gleichen oft einsamen Rufern in der Wüste: Seit Jahren fordern sie, dass erlittenes Unrecht nicht vergessen werden darf, dass man daraus lernen muss für die Zukunft. Doch noch immer geraten Aufarbeitungsprozesse zum jahrelangen Gezerre: In dem baden-württembergischen Städtchen Korntal etwa erinnert weiterhin nichts daran, dass dort Mitglieder der pietistischen Brüdergemeinde über 30 Jahre lang Kinder schwer misshandelten. Auch die Opferentschädigung gestaltet sich zäh.

Auch die Idee einer bundesweiten Zeitzeugenbörse von Betroffenen, die das individuelle Leid hinter den Zahlen sichtbar machen und über das Leben mit Missbrauchserfahrungen berichten können, kommt nicht voran, ebenso wie Initiativen, einen Gedenktag oder eine Gedenkstunde für Opfer sexueller Gewalt einzuführen. Man will es halt im Zweifel gar nicht so genau wissen. Auch so manche Untersuchung von Verantwortlichkeiten aus der Vergangenheit, wie im Fall des Berliner Jugendsenats, der bis 2003 Jungen an pädosexuelle Pflegeväter vermittelte, würden die Verantwortlichen wohl am liebsten in die Schublade legen – wären da nicht die Betroffenen, die um Entschädigung kämpfen.

Es wird Zeit, eine Erinnerungskultur für Kindesmissbrauch zu entwickeln, um sichtbar zu machen, dass es nicht einfach so aufhören wird, dass dieses Verbrechen Teil unserer Gesellschaft ist. Damit Kinder künftig besser geschützt werden können, müssen die über die Jahre erlangten Erkenntnisse zur flächendeckenden Prävention genutzt werden. So müssen alle Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten, verpflichtend Schutzkonzepte erarbeiten. Statistisch gesehen, sitzen in jeder Schulklasse ein bis zwei betroffene Kinder, durch die Schulpflicht gäbe es das Potenzial, sehr viele zu erreichen. Doch noch immer verfügen nur rund 13 Prozent aller Schulen über kundige AnsprechpartnerInnen und funktionierende Unterstützungsstrukturen. Auch Sexualaufklärung wird oft eher halbherzig betrieben – dabei sind Aufklärung und Hilfsangebote erwiesenermaßen erfolgreich darin, Missbrauchsbeziehungen zu entdecken und zu beenden.

Jugendämter in der Krisenzeit aufstocken

Studien zufolge sind die psychischen Langzeitfolgen von Missbrauch umso gravierender, je länger er andauert. Das heißt, dass alles daran gesetzt werden muss, früh zu intervenieren. Dazu muss vor allem das System der Jugendhilfe besser ausgestattet werden. Jugendämter, soziale Dienste und staatliche Unterbringungseinrichtungen sind momentan auch nicht ansatzweise in der Lage, ihrer Kinderschutzaufgabe in dem Umfang gerecht zu werden, wie es nötig wäre.

Als Erstes muss in der jetzigen Krisenzeit in den Jugendämtern das Personal aufgestockt werden und müssen die Notbetreuungen für gewaltgefährdete Kinder in allen Bundesländern geöffnet werden. Und eigentlich bräuchte jedes Bundesland einen eigenen Missbrauchsbeauftragten, der Hilfsangebote lokal bündelt und neue Anlaufstellen schafft. All diese Forderungen werden seit Jahren von Experten erhoben. Doch die Umsetzung kostet Geld. Die Coronakrise könnte ein Anlass sein, auch hier umzudenken: jetzt investieren in Erinnerung, Prävention und Hilfe. Damit die Kriminalstatistik im nächsten Jahr keine hässliche Coronaspitze aufweist – die Zahlen sind auch so schon alarmierend genug.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

Jahrgang 1974, geboren in Wasserburg am Inn, schreibt seit 2005 für die taz über Kultur- und Gesellschaftsthemen. Von 2007 bis 2015 war sie Redakteurin im Berlin-Teil. Seit Januar 2016 leitet sie das Meinungsressort der taz. Im März erschien ihr Buch "Der ganz normale Missbrauch. Wie sich sexuelle Gewalt gegen Kinder bekämpfen lässt" im CH.Links Verlag.

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