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Selenskyj und Trump im Oval OfficeWeder Fiasko noch Frieden

In der Ukraine sind viele zufrieden mit dem Auftritt ihres Präsidenten Selenskyj im Oval Office. Einen Durchbruch konnte er aber nicht erzielen.

Die Ukraine erwartete den Empfang der ukrainischen Delegation durch den US-amerikanischen Präsidenten im Oval Office mit Spannung. Die Bilder vom letzten Treffen dieser Art im Februar dieses Jahres sind noch in Erinnerung.

Damals endete alles mit einem nervösen Wortgefecht zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump, woraufhin das Treffen vorzeitig unterbrochen wurde. In der Folge wurde die Übermittlung von amerikanischen Geheim­dienst­informationen für mehrere Tage ausgesetzt, was zu erheblichen Schwierigkeiten für die ukrainische Armee an der Front führte.

Diesmal stand noch mehr auf dem Spiel, denn Trump spricht inzwischen über territoriale Zugeständnisse der Ukraine als Lösung des Krieges und trifft sich persönlich mit Putin. Die ukrainische Seite durfte also auf keinen Fall die früheren Fehler wiederholen.

Während die USA dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Alaska ­einen pompösen Empfang bereitet hatten, erwartete in der Ukraine niemand, dass für Wolodymyr Selenskyj ein roter Teppich ausgerollt werden würde. „Hauptsache, sie streiten sich nicht wieder“, schrieben ukrai­nische Internetnutzer am Vortag.

Trump macht ein Kompliment

Als Donald Trump Selenskyj auf der Veranda begrüßte, kommentierte er als Erstes dessen Kleidung, was sofort ein Déjà-vu hervorrief und alle den Atem anhalten ließ. Im Gegensatz zum letzten Mal machte Trump Selenskyjs jedoch ein Kompliment zu dessen Anzug.

Einige Stunden vor dem Treffen hatten sich in den sozialen Netzwerken künstlich generierte Memes verbreitet, die Selenskyj neben dem US-Präsidenten in einem Anzug mit Motiven von Spielkarten zeigen. Dies war eine Anspielung auf das vorherige Treffen, bei dem Selenskyj wegen seiner unangemessenen Kleidung und des Fehlens von Karten kritisiert worden war.

Offensichtlich hatte Selenskyj dieses Mal sowohl echte physische Karten von der Frontlinie als auch die sieben europäischen Staats- und Regierungschefs als Unterstützergruppe mitgebracht. „Es war eine hervorragende Idee, nicht allein anzureisen. Ich denke, das hat Trump davon überzeugt, dass die Europäer wirklich geeint und entschlossen sind“, sagte der ukrainische Veteran Andrij. Besonders begeistert äußern sich Ukrainer über den finnischen Präsidenten Alexander Stubb, der ihrer Meinung nach einen äußerst positiven Einfluss auf Donald Trump hat.

Selenskyj lerne schnell

„Selenskyj lernt schnell. Es entstand der Eindruck, dass die Ukrainer dieses Mal gemeinsam mit den Europäern alles bis ins letzte Detail durchdacht hatten. Und das scheint funktioniert zu haben“, meint die 33-jährige Tetjana aus Kyjiw.

Zwar bezeichnete Selenskyj dieses Treffen als „das beste, das sie je hatten“, doch Sicherheitsgarantien wurden auch dieses Mal nicht vereinbart. Und auch zur sensibelsten Frage der besetzten Gebiete sorgen fehlende konkrete Zusagen in der Ukraine weiterhin für mehr Skepsis als Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges. „Heute sagt Trump etwas, das Erleichterung bringen soll, aber morgen sagt er etwas ganz anderes. Die Russen senden bislang überhaupt keine Signale, dass sie zu echten Verhandlungen bereit sind“, sagt die Rentnerin Halyna frustriert.

Auch ukrainische Experten neigen der Meinung des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz zu, wonach Putin wohl kaum zu einem bilateralen Treffen mit Selenskyj bereit ist, sondern dies so lange wie möglich hinauszögern wird, indem er absurde Vorbedingungen stellt.

Auch der ehemalige Boxweltmeister Wolodymyr Klitschko zeigt sich skeptisch, ob Russland Friedensabsichten habe. Auf Instagram schrieb er: „Trump möchte ein Friedensabkommen. Putin hingegen möchte keinen Frieden. Er möchte, dass die Ukraine kapituliert. Er möchte Zeit, um seine Kräfte wieder zu sammeln und erneut anzugreifen. Die gute Nachricht ist, dass Europa seine historischen Verpflichtungen ernst nimmt. Denn alle wissen, dass für den Frieden in Europa der russische Imperialismus gestoppt werden muss. Bleiben wir zusammen!“

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