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Schwerverletzte in der russischen ArmeeWie der Kreml Veteranen im Stich lässt

Hunderttausende russische Soldaten sollen bereits nach Hause zurückgekehrt sein. Viele werden straffällig – und Verwundete oft sich selbst überlassen.

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Novaya Gazeta Europe öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Text lesen Sie hier auf Russisch.

Der Kreml spielt die Zahl der russischen Soldaten, die aus dem Krieg ins zivile Leben zurückkehren, systematisch herunter. Laut der Präsidialverwaltung sollen bislang nur 167.000 russische Soldaten von der Front in der Ukraine zurückgekehrt sein.

Doch selbst konservative Schätzungen zeichnen ein anderes Bild: Mindestens 400.000 Militärangehörige sollen bereits nach Russland zurückgekehrt sein. Zu diesem Ergebnis kommen die Jour­na­lis­t:in­nen von Novaya Gazeta Europe. Sie verglichen die wenigen veröffentlichten offiziellen Angaben mit ihren eigenen Berechnungen.

Obere Schätzungen sprechen sogar von bis zu 800.000 Rückkehrern. Auch die Analysten des Conflict Intelligence Teams (CIT), eine russische oppositionelle Plattform für investigativen Journalismus, halten eine Zahl von 500.000 bis 800.000 Rückkehrern für plausibel.

Weil die Evakuierung Verwundeter unter Drohnen- und Artilleriebeschuss so schwierig ist, sterben an der Front in der Ukraine im Verhältnis mehr Schwerverwundete als in modernen westlichen Kriegen. Laut dem Militärexperten Dmitri Kusnezow von Meduza ähnelt die Quote sogar der aus dem Zweiten Weltkrieg.

Bis Anfang 2026 sollen laut Schätzungen circa 476.000 Soldaten entweder schwer verwundet worden sein oder dauerhafte Behinderungen erlitten haben. Das US-amerikanische Center for Strategic and International Studies (CSIS) geht sogar von bis zu 900.000 Verwundeten aus.

Etwa 700.000 russische Soldaten an der Front

Aus welchen Einheiten die verwundeten Soldaten genau stammen, ist in den meisten Fällen nicht rekonstruierbar. Anders sieht es aus bei der Rekrutierung von Strafgefangenen und freiwillig angeworbenen Söldnern der Wagner-Gruppe. Dabei sind die ersten Kriegsjahre vergleichsweise gut dokumentiert, wie Recherchen von Mediazona und der BBC belegen. Beide Redaktionen erhielten Listen der Entschädigungszahlungen, die nach dem Tod der Kämpfer an deren Familien ausgezahlt wurden.

Demnach sollen mindestens 48.366 Soldaten aus Strafkolonien stammen. Davon kamen bis Juli 2023 mehr als 17.251 Soldaten ums Leben. Zwischen Juli 2022 und Juli 2023 starben zudem etwa 2.400 bis 2.500 freiwillig angeworbene Wagner-Söldner. Insgesamt durchliefen circa 78.000 Personen die Wagner-Gruppe bis zu ihrer Auflösung.

Ende Juni 2023 kam es zum Aufstand der Wagner-Gruppe unter Jewgeni Prigoschin, der scheiterte. Nach seinem Tod wurde die Privatarmee zerschlagen, ehemalige Einheiten stehen seitdem unter staatlicher Kontrolle des russischen Verteidigungsministeriums.

In den letzten Jahren entsprach die Zahl der neu angeworbenen Vertragssoldaten in der russischen Armee in etwa den Verlusten oder überstieg diese sogar. Dadurch konnte der Kreml die Stärke seiner Truppen in der Ukraine bei etwa 700.000 Soldaten stabil halten. Sollte sich an diesem Kräfteverhältnis aus Verlusten und Nachschub nicht grundlegend etwas ändern, könnten nach Kriegsende diese etwa 700.000 Soldaten mit Kampferfahrung von der Front zurückkehren. Viele von ihnen sind traumatisiert, Konflikte im Zivilleben sind dann vorprogrammiert.

Zurückgekehrte Soldaten werden häufiger kriminell

Denn was mit den russischen Veteranen nach ihrer Rückkehr geschieht, wird in Russland öffentlich nicht diskutiert. Bereits zuvor hatte Novaya Gazeta Europe etwa 8.000 Gerichtsurteile gegen Veteranen dieses Krieges ausgewertet.

Demnach begehen ehemalige Soldaten im Vergleich zur übrigen männlichen Bevölkerung auffallend häufig Tötungsdelikte und schwere Körperverletzungen mit gravierenden Folgen.

Auch über die zurückgekehrten Schwerverwundeten spricht man im Kreml ungern. Selbst nach der vorsichtigsten Schätzung kehren monatlich etwa 5.000 verwundete Soldaten von der Front zurück, was etwa 60.000 pro Jahr entspricht. Die tatsächliche Zahl könnte noch weit höher liegen.

Das britische International Institute for Strategic Studies (IISS) schätzt, dass es allein im Jahr 2025 circa 100.000 russische Verwundete gegeben habe. Offizielle Angaben zur Zahl der Gefallenen oder der in ihre Heimat zurückgekehrten Soldaten veröffentlichen die russischen Behörden nicht.

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7 Kommentare

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  • "Demnach begehen ehemalige Soldaten im Vergleich zur übrigen männlichen Bevölkerung auffallend häufig Tötungsdelikte und schwere Körperverletzungen mit gravierenden Folgen."



    Naja wenn ich Straftäter aus Gefängnissen rekrutiere und Ihnen Amnestie nach Ableistung eines 6 monatigen Kriegsdienst verspreche, dann ist es irgendwo logisch, dass die 'ehemaligen Soldaten', die eigentlich verurteilte Verbrecher sind, wieder Verbrechen begehen.



    In Deutschland ist die Rückfallquote verurteilter Verbrecher mit Knasterfahrung auch sehr hoch. Wer einmal sitzt hat auch in Deutschland große Chancen wieder zu sitzen...



    Warum soll das in Russland anders sein - vor allem wenn ich die Straftäter dort statt zur Resozialisierung an die Front schicke...



    Das Russland sich generell wenig um seine Veteranen kümmert ist historisch bedingt. Das Opfer für Mütterchen Russland gehört wie Muttermilch zum Leben.



    Georgien, Afghanistan, 2. Weltkrieg, Napoleon - egal wo und wie man in die Bücher schaut, der russische Soldat war schon immer entbehrlich.



    Das mit unserem Verständnis von Ethik einordnen zu wollen geht nicht.



    Andere Länder, andere Sitten🤷

    • @Astrid Sehnefeld:

      Ganz recht: Beim russischen Militär erhalten die Verbrecher noch "den letzten Schliff" - wie töte ich effektiv!

  • Ist das echt ne Überraschung für euch?

  • Ich bin voller Verachtung für die Putin-Clique. Ich finde einfach keine Worte dafür.

  • Die Geschichtsbücher strotzen nur so von Kriegen. Man bekommt den Eindruck, es haben ausschließlich Kriege auf diesem Planeten stattgefunden, blättert man so ein Teil durch.

    Weltweit wird wieder aufgerüstet, was das Zeug hält.



    Die Zahlen von diesem Artikel über die Toten und Verletzten sind genauso pervers wie diese Zahlen:



    Gesamtsumme: Ca. 2,9 Billionen US-Dollar im Jahr 2025 (Anstieg um knapp 3 Prozent zum Vorjahr).USA: Rund 954,4 Milliarden US-Dollar (Platz 1 weltweit).China: Rund 335,5 Milliarden US-Dollar (Platz 2 weltweit).Russland: Rund 190,4 Milliarden US-Dollar (Platz 3 weltweit).

    Deutschland gab 2025 rund 113,6 Milliarden US-Dollar für das Militär aus und belegt damit weltweit den vierten Platz.

    Na dann, nichts dazugelernt und fleißig weiter so!



    Hoffentlich krachts jetzt dann mal richtig, daß uns alles im die Ohren fliegt.....😵‍💫😵‍💫😵‍💫

    • @Andreas Flaig:

      Das ist kein Eindruck, sondern Realität. Die Menschheitsgeschichte ist durchsaet mit Kriegen. Sogar die letzten ca. 70 "friedlichen" Jahre in Europa waren von kriegerischen Konflikten in anderen Teilen der Welt flankiert.

      Das Militärbudget in den USA für 2026 wird auf über eine Billionen Dollar avisiert und die Trump-Administration wünscht sich 1,5 Billionen Dollar für 2027. Insofern ist davon auszugehen, dass sich die kriegerischen Konflikte eher noch ausweiten werden. Vor allem wenn mensch bedenkt, dass Diktatoren gerne Kriege anfangen um von innenpolitischen Problemen abzulenken.

      • @Okti:

        Wobei die Moderne die friedlichste Periode der Menschheitsgeschichte ist. Primitive Stammesgesellschaften haben deutlich höhere Verluste durch Kriege als moderne Gesellschaften.