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Schwarze Trainer im FußballHistorischer Handschlag im Weserstadion

Das Spiel zwischen Werder Bremen und Bayern München war mehr als ein weiteres Bundesligaspiel. Erstmals trafen zwei Schwarze Trainer aufeinander.

Flüchtig aber bedeutsam: Die Umarmung von Daniel Thioune (r.) und Vincent Kompany hat gesellschaftliche Relevanz Foto: GES-Sportfoto/picture alliance

U marmt haben sie sich auch. Nicht herzlich, nicht innig, und schon gar nicht haben sich Daniel Thioune, 51, und Vincent Kompany, 39, gedrückt. Dennoch haben sich die zwei Fußballtrainer mehr als die bloße Hand gegeben.

Die Umarmung fand am vergangenen Samstag, 14. Februar, nachmittags kurz vor halb vier zur üblichen Bundesligazeit statt. So banal und so alltäglich das auf alle Beteiligten wirkte, es war zugleich dies: Erstmals standen sich in einer Begegnung der Männerbundesliga zwei Schwarze Cheftrainer gegenüber. Kompany betreut den amtierenden Meister Bayern München, Thioune den im Abstiegsbereich rumkickenden SV Werder Bremen.

Unterschiedliche Vereine, unterschiedliche Trainer: Kompany spielte international für Belgien, wurde mit Manchester City englischer Meister. Der Niedersachse Thioune kickte in weniger berühmten Vereinen wie dem Post SV Osnabrück, den Sportfreunden Oesede, dem LR Ahlen und beim VfL Osnabrück.

Vielleicht aber verdecken diese Unterschiede Gemeinsamkeiten. Beide haben ein Elternteil aus Afrika: Kompanys Vater aus der heutigen Demokratischen Republik Kongo, Thiounes Vater aus dem Senegal. Beide mussten sich in ihrem europäischen Umfeld mit viel Fachwissen, großer Ausdauer und ohne Hoppla-hier-komm-ich-Mentalität hocharbeiten.

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Erst nach Absagen anderer durfte er ran

Erste Wahl war ein Schwarzer Trainer im deutschen Berufsfußball nämlich so gut wie nie. Ex-Bundesligaprofis wie Erwin Kostedde, Jimmy Hartwig oder Valérien Ismaël scheiterten früh. Auch bei Thioune sah es nach kurzer Station beim Hamburger SV nicht gut aus. Erst als er Fortuna Düsseldorf beinahe in die Bundesliga führte, empfahl er sich, wie es im Vereinssprech heißt, für höhere Aufgaben. In seinem Fall: Den Abstiegskandidaten, nämlich Werder Bremen, in der ersten Liga zu halten. Vincent Kompany hingegen war erst die sechste oder siebte Wahl beim Rekordmeister. Erst als alle vermeintlich besseren Namen abgesagt hatten, durfte er ran.

Beider Karrieren verweisen auf das, was der frühere französische Weltklasseprofi Lilian Thuram „das weiße Denken“ nennt: die Selbstverständlichkeit, bei Schwarzen keine Qualifikation zu vermuten – und diese bei Weißen einfach vorauszusetzen. „Wenn das weiße Denken erklärt, Schwarze Personen seien ‚besser im Sport‘ oder ‚besser im Tanzen‘, dann suggeriert es, ohne es direkt zu sagen, dass sie darin besser sind als Weiße. In welchen Bereichen sind Weiße dann angeblich besser als Nichtweiße? Das wird nicht gesagt, aber es ist auch gar nicht nötig, das auszusprechen.“

Es geht um strukturellen Rassismus, dem auch Fußballtrainer nicht entgehen können

Schaut man von Europa weg in Richtung Afrika, fällt auf, dass dort viele weiße europäische Fußballtrainer agieren. Nicht selten führen sie sich auf wie ausländische Militärberater, wie der US-amerikanische Sportsoziologe John Milton Hoberman einmal bemerkte. Schwarze Spieler aus Afrika oder anderen Kontinenten gibt es in Europa mittlerweile einige, afrikanische Trainer hingegen sind eine Seltenheit. 2020 gewann der KF Tirana mit dem Coach Ndubuisi Egbo, früherer nigerianischer Nationalkeeper, die albanische Meisterschaft. Es war der erste und bislang einzige Titel eines afrikanischen Trainers im europäischen Fußball.

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Es geht also um strukturellen Rassismus, dem auch Fußballtrainer in ihrem Bereich, wo es angeblich ausschließlich um Leistung geht, nicht entgehen können. Zugleich stehen Trainer wie Vincent Kompany und Daniel Thioune für andere soziale Gruppen, die dort, wo im Fußball Entscheidungen getroffen werden, fehlen: Frauen etwa sind meist nur Randfiguren – die einzige Trainerin im Männerprofibereich ist Sabrina Wittmann: FC Ingolstadt, dritte Liga. Auf den ersten offen schwul lebenden Bundesligaprofi und -trainer warten wir auch noch. Zugleich sind die „weißen Männer“ omnipräsent. Selbst im Frauenfußball sind männliche Coaches eine Selbstverständlichkeit.

Daniel Thiounes Werder hat gegen Vincent Kompanys Bayern 0:3 verloren. Ligaalltag. Auch nach dem Spiel haben die zwei sich kurz umarmt und danach die Begegnung fußballfachlich analysiert.

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Martin Krauss
Jahrgang 1964, freier Mitarbeiter des taz-Sports seit 1989
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1 Kommentar

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  • „Erstmals trafen zwei Schwarze Trainer aufeinander."



    Danke für den Hinweis. Es wäre mir sonst gar nicht aufgefallen. In OS ist sowas normal.