piwik no script img

Schröder ist noch kein Blair

Mit Skepsis haben Industrie und DGB auf die vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder vorgelegten Wirtschaftsthesen reagiert. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, schreibt heute in der Zeit, es bleibe offen, wie Schröder seine Thesen in der Partei durchsetzen wolle. Schröders Vorschläge ließen alten SPD-Ballast hinter sich und zeigten eine marktwirtschaftliche Orientierung, so Henkel. Fortschrittliche Kräfte in der SPD setzen sich jedoch entweder nicht durch oder handelten anders, als sie redeten. Von einem glaubwürdigen Wirtschaftsprogramm, wie es etwa die Labour Party vorgelegt habe, „ist die SPD Lafontaines bisher weit entfernt“, meint der BDI-Chef.

DGB-Chef Dieter Schulte schrieb im selben Blatt, das vom SPD-Vorstand gebilligte Papier sei ein ernstzunehmender Debattenbeitrag, aber kein tragfähiges Programm. In dem Papier gebe es grundsätzlich positive Ansätze zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und für mehr soziale Gerechtigkeit. Dazu gehöre die Forderung nach gesellschaftlicher Modernisierung, die Förderung von Innovationen und die Idee von Chancenkapitalfonds, um jungen Unternehmen Risikokapital zur Verfügung zu stellen. Über Details, wie etwa die Subvention niedriger Löhne, müsse allerdings noch diskutiert werden.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weinzierl schrieb in der Zeit, mit den Thesen befinde sich die SPD mehr denn je im Fahrwasser der christlich-liberalen Koalition. Die Version einer Modernisierungsstrategie sei konturlos geblieben. Die Umwelt rangiere in dem Programm auf der letzten Position.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen