Schock in Bayern: Hubert Aiwanger ist tot
Bayerns stellvertretender Ministerpräsident und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ist unerwartet gestorben. Er wurde nur 55 Jahre alt.
Foto: Peter Kneffel/dpa
Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, war am Mittwoch in Berlin, wollte Termine für seine Partei wahrnehmen. Nachmittags hatte er sich allerdings bei einem Termin vertreten lassen: Er habe über Unwohlsein geklagt und sich in sein Hotel in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße zurückgezogen. Am frühen Abend wurde er dann in seinem Hotelzimmer leblos aufgefunden. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte den Tod des Politikers. Es sei ein „Todesermittlungsverfahren“ eingeleitet worden, um „die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen“, hieß es.
Der 55-jährige Niederbayer hinterlässt seine Partnerin, die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (ebenfalls Freie Wähler), und zwei gemeinsame Söhne. Aiwangers Eltern verlieren ihren Sohn.
Auch politisch hinterlässt Aiwanger gleich mehrere Lücken: Er war nicht nur bayerischer Vize-Ministerpräsident, Wirtschaftsminister und Landtagsabgeordneter, sondern auch Parteichef sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Übernächste Woche hätte seine Wiederwahl als Bundesvorsitzender angestanden.
Flugblattaffäre erschütterte bayerische Politik
Während die Freien Wähler in Bayern seit vielen Jahrzehnten auf kommunaler Ebene sehr stark sind, ist ihre Etablierung auf Landesebene nahezu allein Aiwangers Werk. Er brachte die Partei 2008 in den Landtag, zehn Jahre später als Juniorpartner der CSU in die bayerische Staatsregierung. Eine CSU-Alleinregierung, früher in Bayern der Normalfall, ist heute kaum noch vorstellbar.
Der streitbare Politiker sorgte für – gelinde gesagt – Unruhe in der bayerischen Politik. Vor den vergangenen Landtagswahlen im Jahr 2023 fiel er zunächst mit populistischen Tönen auf. So forderte er auf einer von der umstrittenen früheren Kabarettistin Monika Gruber organisierten Demonstration in Erding, „die schweigende Mehrheit“ müsse sich „die Demokratie zurückholen“. Wenig später folgte die Flugblattaffäre. Zu Schulzeiten war bei Aiwanger ein besonders ekelerregendes antisemitisches Flugblatt gefunden worden, als dessen Urheber er verdächtigt wurde. Laut Aiwanger hatte allerdings sein Bruder das Pamphlet verfasst. Mit der Affäre brachte er die Staatsregierung damals in die Krise. Seiner Partei schadete sie allerdings nicht. Bei den Wahlen 2023 schnitt sie mit 15,8 Prozent besonders gut ab.
Wer nun in Partei und Regierung Aiwanger nachfolgen wird, ist völlig offen. Auf Landesebene ist die Partei stark auf ihren Chef zugeschnitten. Als klarer Nachfolger sticht niemand hervor. Eine entscheidende Rolle in dem Personalfindungsprozess dürfte Florian Streibl zukommen, dem Fraktionschef der Freien Wähler im bayerischen Landtag.
„Idealtypische Verkörperung eines Bayern“
Im Wirtschaftsministerium wird zunächst Staatssekretär Tobias Gotthardt, ebenfalls ein Freier Wähler, die Geschäfte übernehmen. Gotthardt erreichte die Nachricht von Aiwangers Tod auf einer Dienstreise nach Singapur, die er daraufhin abbrach. „Die Nachricht von Huberts plötzlichem Tod trifft mich zutiefst, ist für uns alle unbegreifbar“, ließ Gotthardt vermelden. „Bayern verliert mit ihm einen Herzensmenschen für die Heimat, einen Menschenfreund, der immer und mit aller Kraft für die Menschen im Freistaat gewirkt hat. Sein Wirken, aber auch sein Lächeln wird in dieser Welt fehlen.“
Auch Streibl äußerte seine Bestürzung und beschrieb Aiwanger als „idealtypische Verkörperung eines Bayern: fleißig, bodenständig, zuverlässig, klar in der Meinung, verbindlich und als Mensch, Freund und Politiker immer für andere da“.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder, dessen Verhältnis zu Aiwanger man zumindest als schwierig bezeichnen dürfte, meldete sich auf X zu Wort: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern.“ Und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) schrieb auf Instagram: „Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.“
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