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Schnellstraßenprojekt TVOEs gibt noch Hoffnung für den Igel

Bei einem Spaziergang in der Wuhlheide werden alle Gründe gegen die Tangentialverbindung Ost aufgefahren. Aber kommt das Projekt überhaupt noch zustande?

Man muss schon ein ganzes Stück in den Wald hineingehen, um den Lärm der Straße An der Wuhlheide nicht mehr zu hören. Deswegen marschiert die rund 50-köpfige Gruppe, die sich am Dienstagnachmittag auf Einladung des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) zum Dialog-Spaziergang in der Wuhlheide getroffen hat, erst einmal ein paar hundert Meter unter Eichen und efeubewachsenen Birken entlang der Bahntrasse nach Norden. Es soll um die TVO gehen – die Schnellstraße „Tangentialverbindung Ost“, die hier durch den Forst geschlagen werden soll.

An einer Weggabelung macht man Halt für erste Statements, nur in größeren Abständen unterbrochen vom Vorbeirauschen eines Zugs auf dem Bahndamm nebenan. Das Sonnenlicht bricht durch die Bäume und fällt auf verblühte Maiglöckchenfelder. „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ – in diesem Sommer sei das Motto der BUND-Flächenschutzkampagne besonders aktuell, sagt Andrea Gerbode vom BUND-Vorstand. Und der Erhalt des alten Eichenbestands in der Wuhlheide besonders wichtig.

22 Hektar Wald oder mehr stehen auf dem Spiel, weil der Senat eine Straßenverbindung komplettieren will, die schon 1968 von den DDR-Behörden im „Generalverkehrsplan Berlin“ konzipiert wurde. Heute gibt es von der TVO, die Hellersdorf und Köpenick direkt verbinden soll, die Märkische Allee im Norden und die Spindlersfelder Straße im Süden. Für den mittleren Teil durch die Wuhlheide und Biesdorf wurde 2023 das Planfeststellungsverfahren gestartet. Dass es noch dieses Jahr abgeschlossen wird, ist unwahrscheinlich.

„Wie passt so etwas noch in die heutige Zeit?“, fragt Claudia Leistner, grüne Verkehrs- und Umweltstadträtin von Treptow-Köpenick, sich und die Gruppe. An der Wuhlheide zeige sich exemplarisch, was auf dem Spiel stehe, wenn die Politik die alten Ideale einer autogerechten Stadt aufwärme. Dabei gehe es nicht nur um Zerstörung von Natur, sondern auch um horrende Kosten –nach aktuellen Schätzungen schon 630 Millionen Euro –, die vor allem das Land tragen müsste. Geld, das sich für die Sanierung bröckelnder Infrastruktur sinnvoller einsetzen lasse.

Angebaggerte Biotope

Leistners Lichtenberger Amts- und Parteikollegin Filiz Keküllüoğlu weist auf ein weiteres Problem hin: Die TVO-Planung kollidiert mit dem in fernerer Zukunft vorgesehenen Bau einer parallelen S-Bahnstrecke, der sogenannten Nahverkehrstangente. Sollte diese irgendwann tatsächlich kommen – und gäbe es dann schon die TVO –, müssten wertvolle Biotope wie der Biesenhorster Sand angebaggert werden.

Dabei sei der Ausbau des Nahverkehrs rund um die Wuhlheide enorm wichtig, so Keküllüoğlu: „Mit dem Auto hätte ich vom Rathaus Lichtenberg 21 Minuten hierher gebraucht, mit den Öffentlichen mehr als eine Dreiviertelstunde.“ Sie habe dann aber ohnehin das Fahrrad genommen.

An einer weiteren Station erläutert Dirk Riestenpatt, der Leiter des Köpenicker Forstamts, die ökologischen Folgen einer TVO-Trasse. Schon jetzt gleiche die Wuhlheide zwar nicht einem Schweizer Käse, dafür aber einer „mehrfach zerschnittenen Scheibe Brot“. Auch wenn die Planung vorsehe, die heute schon durch den Wald verlaufende Rudolf-Rühl-Allee nach Eröffnung der TVO zu entsiegeln – die trennende Wirkung einer vierspurigen Schnellstraße wäre für Wildschwein, Reh und Igel ungleich größer. „Aus Wald-Perspektive können wir mit diesem Projekt nicht einverstanden sein“, meint Riestenpatt.

Ausgleich des Ausgleichs

Birgit Protze von der Bürgerinitiative Wuhlheide findet es unsäglich, welche Ausgleichsflächen sich die Senatsverkehrsverwaltung für den Verlust vieler alter Bäume ausgedacht hat. „Das sind oft kleine, längliche Flecken am Rand der Trasse, die außerdem der Bahn gehören und eigentlich für die Nahverkehrstangente vorgesehen sind.“ Werde diese gebaut, stünde quasi der Ausgleich des Ausgleichs an, die neue Bäume müssten schon wieder fallen.

Nur eine einzige der SpaziergängerInnen macht sich mit ihrer Position unbeliebt: Die Lichtenberger CDU-Abgeordnete Lilia Usik erklärt, dass ihre Partei klar an der TVO festhalte. Sie höre sonst ohnehin meist ganz andere Stimmen – in Biesdorf etwa sei die Unterstützung für die TVO groß, und auch in Karlshorst glaubten viele, dass das Projekt ihren Ortsteil entlaste.

„Ich weiß, dass ich mich mit dieser Haltung hier unbeliebt mache und das Risiko eingehe, damit allein im Wald zu stehen“, so Usik. Sie wird nicht allein gelassen – für ihre Partei sieht es aber im Moment ziemlich mau aus, und auch für die TVO könnte es einsam werden, sollten am 20. September neue politische Mehrheiten entstehen.

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