Schlafhygiene: Flutlicht im Schlafzimmer
Wenn der neue Tag da ist, will ich das mitbekommen, statt ihn in einer dunklen Höhle zu verschlafen. Gefährde ich meine Gesundheit?
W enn ich schlafen gehen muss, bin ich meistens ein bisschen enttäuscht. Ich würde viel lieber noch länger lesen, rumräumen, malen, die nächste Folge der Thrillerserie schauen. Die Stunden, die ich gezwungenermaßen mit geschlossenen Augen rumliegen muss, fühlen sich wie Verschwendung an. Die Vorhänge in meinem Schlafzimmer sind deshalb cremeweiß. Wenn der neue Tag da ist, will ich das mitbekommen, statt ihn in einer dunklen Höhle zu verschlafen.
Genau das wäre aber gesünder, haben Forscher:innen der Tulane University in New Orleans herausgefunden: in einem absolut dunklen Zimmer schlafen. Denn Licht im Schlaf, sogar in geringen Mengen, schadet dem Herzen, lese ich in der im European Heart Journal erschienenen Studie. Die Forscher:innen haben sofort meine Aufmerksamkeit.
Für die Untersuchung trugen die 11.017 Teilnehmer:innen eine Woche lang einen Lichtsensor um ihr Handgelenk, So sollte evaluiert werden, wie viel Licht die Probanden über Nacht abbekommen. Bei manchen waren es 0 Lux, sie schliefen also in kompletter Dunkelheit, andere Teilnehmende waren 3 Lux ausgesetzt. Das entspricht einem leuchtenden Handybildschirm auf dem Nachttisch oder dem Licht, das durch einen Türspalt fällt.
Nach drei Jahren wurden die Herzen aller Proband:innen anhand von MRT-Bildern untersucht. Bei den Teilnehmer:innen, die mehr Licht ausgesetzt waren, hatte sich die linke Herzkammer vergrößert, die Herzwand war dicker und die Pumpfunktion des Herzens hatte abgenommen.
Ich lese das und bin entsetzt. Vergangenen Winter, als Berlin wochenlang unter einer Eisdecke lag, reflektierte der Schnee das Licht der Straßenlaternen so stark, dass ich im Bett lag und dachte, jemand hätte eine Flutlichtanlage vor meiner Tür installiert.
Vielleicht sollte ich doch etwas an meiner Schlafhygiene ändern, denke ich und suche online nach verdunkelnden Rollos. Solche, die auf der Fensterseite mit einer lichtundurchlässigen Folie bezogen sind und bisher Beklemmungen in mir auslösten.
Muss ich mir jetzt Sorgen um mein Herz machen, weil es bei mir nachts nicht dunkel wird? Ich telefoniere mit Ingo Fietze, er leitet das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum der Berliner Charité und bereitet gerade eine Studie zu den Auswirkungen von Licht auf den Schlaf vor. Wer schlecht schläft, hat einen höheren Puls und einen höheren Blutdruck, und das belastet das Herz, erklärt Fietze.
Ein abgedunkeltes Zimmer sei daher wichtig für gesunden Schlaf, genauso wie eine ruhige Umgebung. Da gebe es mit maximal 30 Dezibel einen Grenzwert, bei Licht sei das noch nicht der Fall.
Trotzdem sollte man die Ergebnisse der Studie als junge, gesunde Schläferin nicht zu eng sehen, beruhigt mich Fietze. Er verweist auf den Altersdurchschnitt der Proband:innen, der sei relativ hoch – 61,1 Jahre waren die Studienteilnehmer:innen im Schnitt. „Wenn man nur bei jungen, gesunden Schläfer:innen messen würde, würde sich das Licht nicht aufs Herz auswirken“, glaubt Ingo Fietze.
Herzkranke Menschen sollten aber unbedingt auf den Schlaf achten, sagt der Schlafforscher, statt nur über die zurückgelegten Schritte und die Ernährung nachzudenken.
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Ich lösche das Verdunkelungsrollo aus meinem Onlinewarenkorb. Aber wenn wieder Schnee liegt, werde ich es mit einer Schlafmaske versuchen.
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