Schiffskollision in der Nordsee: Tanker könnte Schweröl verlieren
Die Umweltfolgen der Schiffskollision vor Großbritannien sind noch ungewiss. Die größte Gefahr gehe vom Treibstoff der Schiffe aus, sagen Experten.
Nach dem Tankerunfall an der englischen Nordseeküste in der Nähe der Stadt Hull dauern die Lösch- und Sicherungsarbeiten am Dienstag weiter an. Während die Besatzungen beider Schiffe bis auf ein noch vermisstes Mitglied unbeschadet evakuiert werden konnten, sind die Umweltfolgen der Kollision noch ungewiss.
Am Montagvormittag stieß in der Nähe der Humber-Mündung der Frachter „Solong“ mit dem Tanker „Stena Immaculate“ zusammen. Die „Stena Immaculate“ fährt unter US-amerikanischer Flagge und ankerte in der Nähe ihres Zielhafens Immingham. Die unter portugiesischer Flagge fahrende „Solong“ der deutschen Reederei Ernst Russ war auf der vielbefahrenen Seeroute zwischen Nordengland und den Niederlanden auf dem Weg nach Rotterdam. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist bislang unklar.
Umweltschützer:innen fürchten schwerwiegende Folgen für die Natur. Die möglichen Konsequenzen für die Umwelt hängen davon ab, welche Substanzen nach der Kollision aus den Schiffen austreten konnten oder könnten. Die Stena „Immaculate“ hatte tonnenweise Flugzeugtreibstoff für das US-Militär an Bord.
Auf dem anderen Schiff befanden sich zahlreiche Container mit unterschiedlichen Inhalten. Dass sich darunter 15 Container mit der giftigen Substanz Natriumcyanid befanden, wie verschiedene Medien berichteten, dementierte die Reederei Ernst Russ. Die Tanks beider Schiffe waren darüber hinaus noch mit Schweröl, ihrem eigenen Treibstoff, gefüllt. Fest steht, dass zumindest Teile des Flugzeugtreibstoffs des US-Tankers ausgelaufen sind. Am Dienstag hat die Küstenwache Luftmessungen vorgenommen, um herauszufinden, ob weitere giftige Substanzen ausgetreten sind.
Das größte Umweltrisiko geht vom Schweröl aus
Experten halten das Austreten des Flugzeugtreibstoffs nicht für bedrohlich. „Flugzeugtreibstoff ist ein leichtes Öl, es verdampft schnell“, sagte Mike Elliott, Professor für Mündungs- und Küstenwissenschaften an der University of Hull, der taz. „Gefährlicher ist das Schweröl, mit dem die beiden Schiffe betrieben worden.“ Wenn das austrete und in die Humber-Mündung gespült werde, könne es den Lebensraum und die Brutstätten vieler dort nistender Vögel zerstören.
Die Küstenwache müsse schnell sicherstellen, dass kein Schweröl austritt, so Elliott. Sollte das trotzdem passieren, müsse sie schützende Maßnahmen ergreifen. Beispielsweise könne sie möglicherweise ausgetretenes Öl an einen Sandstrand umleiten und dort dann abschöpfen. Da sich in der Humber-Mündung vier Häfen befinden, sei die Küstenwache gut vorbereitet, ist er überzeugt.
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