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Schiffskollision in der NordseeTanker könnte Schweröl verlieren

Die Umweltfolgen der Schiffskollision vor Großbritannien sind noch ungewiss. Die größte Gefahr gehe vom Treibstoff der Schiffe aus, sagen Experten.

Tobias Bachmann

Aus Berlin

Tobias Bachmann

Nach dem Tankerunfall an der englischen Nordseeküste in der Nähe der Stadt Hull dauern die Lösch- und Sicherungsarbeiten am Dienstag weiter an. Während die Besatzungen beider Schiffe bis auf ein noch vermisstes Mitglied unbeschadet evakuiert werden konnten, sind die Umweltfolgen der Kollision noch ungewiss.

Am Montagvormittag stieß in der Nähe der Humber-Mündung der Frachter „Solong“ mit dem Tanker „Stena Immaculate“ zusammen. Die „Stena Immaculate“ fährt unter US-amerikanischer Flagge und ankerte in der Nähe ihres Zielhafens Immingham. Die unter portugiesischer Flagge fahrende „Solong“ der deutschen Reederei Ernst Russ war auf der vielbefahrenen Seeroute zwischen Nordengland und den Niederlanden auf dem Weg nach Rotterdam. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist bislang unklar.

Um­welt­schüt­ze­r:in­nen fürchten schwerwiegende Folgen für die Natur. Die möglichen Konsequenzen für die Umwelt hängen davon ab, welche Substanzen nach der Kollision aus den Schiffen austreten konnten oder könnten. Die Stena „Immaculate“ hatte tonnenweise Flugzeugtreibstoff für das US-Militär an Bord.

Auf dem anderen Schiff befanden sich zahlreiche Container mit unterschiedlichen Inhalten. Dass sich darunter 15 Container mit der giftigen Substanz Natriumcyanid befanden, wie verschiedene Medien berichteten, dementierte die Reederei Ernst Russ. Die Tanks beider Schiffe waren darüber hinaus noch mit Schweröl, ihrem eigenen Treibstoff, gefüllt. Fest steht, dass zumindest Teile des Flugzeugtreibstoffs des US-Tankers ausgelaufen sind. Am Dienstag hat die Küstenwache Luftmessungen vorgenommen, um herauszufinden, ob weitere giftige Substanzen ausgetreten sind.

Das größte Umweltrisiko geht vom Schweröl aus

Experten halten das Austreten des Flugzeugtreibstoffs nicht für bedrohlich. „Flugzeugtreibstoff ist ein leichtes Öl, es verdampft schnell“, sagte Mike Elliott, Professor für Mündungs- und Küstenwissenschaften an der University of Hull, der taz. „Gefährlicher ist das Schweröl, mit dem die beiden Schiffe betrieben worden.“ Wenn das austrete und in die Humber-Mündung gespült werde, könne es den Lebensraum und die Brutstätten vieler dort nistender Vögel zerstören.

Die Küstenwache müsse schnell sicherstellen, dass kein Schweröl austritt, so Elliott. Sollte das trotzdem passieren, müsse sie schützende Maßnahmen ergreifen. Beispielsweise könne sie möglicherweise ausgetretenes Öl an einen Sandstrand umleiten und dort dann abschöpfen. Da sich in der Humber-Mündung vier Häfen befinden, sei die Küstenwache gut vorbereitet, ist er überzeugt.

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4 Kommentare

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  • Bin gespannt, wann die fossilen Konzerne auf die Idee kommen, so einen Unfall als positiv zu deuten: ausgelaufenes Schweröl wird ja nicht mehr verbrannt und ist demnach "klimaneutral". ;-)

  • Wissenschaftler unter sich:

    " Jet fuel has a “much higher toxicity” than oil and “the impact of that on life in the oceans would be devastating”, oceanographer Simon Boxall told The Guardian."

    Kurz, so oder so wird die Umwelt leiden.

  • Das schöne an Tankerunfällen ist ja, daß weit weg sind. Und tausende Seevögel, die durch solche Unfälle sterben sieht man auch nicht, da die meisten praktischer weise untergehen.



    Aber ein Windrad geht dagegen gar nicht. Die sind ja sooo häßlich.

  • Das liest sich ganz so, als wäre die zu kassierende Versciherungssumme für den Tanker wieder höher als der Wert der Ladung. Die Quittung geht leider an die Umwelt.