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Sandra Hüller in Berlinale-Film „Rose“Sie will ihren Mann stehen

Das Historiendrama „Rose“ von Markus Schleinzer erzählt von einem ungewöhnlichen Beruf. Sandra Hüller überzeugt in einer Hosenrolle (Wettbewerb).

Ein Mann, oder etwa nicht? Sandra Hüller in der Titelrolle von „Rose“ Foto: 2026_Schubert, ROW Pictures, Walker+Worm Film, Gerald Kerkletz

Freundlich wirkt er nicht. Etwas Grobschlächtiges hat dieser Mann, der nach dem Dreißigjährigen Krieg als Unbekannter in einem kleinen protestantischen Dorf auftaucht. Zehn Jahre lang habe er als Soldat gekämpft, eine Narbe auf der rechten Wange bezeugt eine Kriegsverletzung. Jetzt wolle er sein Erbe antreten, ein Gut am Ort, sich dort niederlassen und als Bauer arbeiten. Seine Dokumente stimmen, man lässt ihn zu seinem Recht kommen. Nach und nach beginnt er sich einzuleben.

Rose heißt dieser Mann, den Sandra Hüller in Markus Schleinzers gleichnamigem Wettbewerbsfilm einnehmend als Mann verkörpert. In Schwarzweißbildern mit viel Kontrast und Schatten zeigt Schleinzer diesen Rose als eine markant faltige Figur mit leicht verkniffenem Blick. So ganz geheuer erscheint er den Dorfbewohnern nicht. Im Krieg hat er getötet, sagt er. Tatsächlich würde man Hüllers stets sicher auftretender Figur einen Mord ohne Weiteres zutrauen.

Doch die grimmige Art hat noch einen anderen Grund. Sie dient Rose in erster Linie der Tarnung. Nach realen Vorbildern erzählt Schleinzer von einer Frau, die als Mann lebt, solange es geht. Die erste Bewährungsprobe muss Rose bestehen, als er expandieren will und Zugang zum Wasser des benachbarten Großbauern (Godehard Giese) braucht. Der Nachbar erweist sich als pragmatisch denkender Mann und verheiratet seine Tochter Suzanna (Caro Braun) mit dem Dahergelaufenen. Suzanna ahnt schon bald, dass Roses Männlichkeit unvollständig ist.

Der Film

„Rose“:

16. 2., 13.30 Uhr, HKW 1

18. 2., 9.45 Uhr, Uber Eats Music Hall

22. 2., 19.45 Uhr, HdBF

Doch statt Rose als Betrügerin auffliegen zu lassen, deckt Suzanna sie und bleibt als Frau an ihrer beziehungsweise seiner Seite. Sogar eine Familie möchten sie gründen. Dass dem Glück eine begrenzte Dauer gegönnt ist, ahnt man bald. Denn die Frage, wer dieser Rose denn nun wirklich ist, treibt die Dorfgemeinschaft beharrlich um.

Genderfragen von heute, gestellt im 17. Jahrhundert

In altertümlicher Sprache und mit klaren Worten verhandelt Schleinzer in dieser Geschichte Genderfragen, die sich in ähnlicher Weise immer noch stellen, auch wenn der gesellschaftliche und vor allem rechtliche Rahmen für gleichgeschlechtliche Paare, in Ländern wie Deutschland zumindest, längst ein völlig anderer ist. Der Plan eines gemeinsamen Lebens muss bei Rose und Suzanna an der Realität des 17. Jahrhunderts scheitern.

Dieser historische Abstand und der steif anmutende Gestus der Sprache, die im Film gesprochen wird, erlauben es Schleinzer, das Drama, auf das Roses Lebensweg hinausläuft, in bemerkenswerter Nüchternheit zu erzählen, ohne dröge zu wirken. Die Männer, die über Roses Fall am Ende zu Gericht zu sitzen haben, sind mit diesem unvertrauten Fall hilflos überfordert. Ein Urteil fällen sie nichtsdestotrotz.

Sandra Hüller trägt „Rose“ mit kontrollierter Ruhe, die sie bis zuletzt bewahrt. Die Theaterschauspielerin Caro Braun gibt dazu in ihrer ersten Spielfilmrolle eine besonnen fromme, durchaus ebenbürtige Partnerin. Ein auf stille Weise wuchtiger Film.

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