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Rückspiel Real gegen BayernDer Mythos lebt noch

Das anstehende Rückspiel zwischen Bayern München und Real Madrid elektrisiert nicht nur Fans. Den Spaniern wird trotz Heimpleite viel zugetraut.

Unwiderstehlicher Antritt: Vinícius Júnior wird die Abwehr des FC Bayern gewiss wieder fordern Foto: Bernat Armangue/ap

Aus München

Maik Rosner

Schon bevor der FC Bayern an diesem Mittwoch Real Madrid empfängt, sorgt das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League bei vielen Fußballfans für reichlich Gesprächsstoff. Wie bei Alexander Z. aus Monte Carlo, der gerade zu Besuch in München ist, um sich das Heimspiel seiner Bayern anzuschauen und nebenbei Tennis auf der ATP-Tour zu spielen. „Egal, ob der Turnierplan es zulässt, ich werde auch im Stadion sein“, kündigte Zverev, 28, an und wagte sogar eine weitreichende Prognose: „Wenn Manuel Neuer wieder so einen Tag hat wie vor einer Woche, dann verlieren wir kein Spiel mehr.“

Beim 2:1-Sieg im Hinspiel im Bernabéu hatte der 40 Jahre alte Torwart mehrere spektakuläre Paraden gezeigt. Der Bayern-Fan Sepp M. aus Hohenlinden sah sich dadurch veranlasst, bei Sport1 von „Zauberei mit Handschuhen“ zu sprechen. Neben dem früheren deutschen Nationaltorwart, der Münchner Maier, 82, beteiligten sich auch der Bayern-Fan Thomas M. aus Otterfing mit Zweitwohnsitz in Vancouver und der Real-Fan Toni K. aus Madrid an den Vorgesprächen.

Die Beiträge der beiden 36 Jahre alten ehemaligen deutschen Nationalspieler fügten sich ein in die von Millionen Fans. „Die ganze Saison läuft schon gut, und man kann es spüren, dass die Mannschaft bereit ist“, sagte Müller bei einem Werbedreh, „da stehen die Chancen natürlich gut, auch jetzt ins Halbfinale einzuziehen.“ Doch trotz der Formschwäche der Königlichen in dieser Saison und des jüngsten 1:1 gegen Girona sei Real „bestückt mit exzellenten Einzelspielern. Die können dir immer wehtun“, warnte Müller.

Darauf verwies auch Kroos, der vor seinem Wechsel nach Madrid bis 2014 für die Bayern gespielt hatte. „Bayern verteidigt auch nicht alles weg, da ist auch immer mal ein Fehler drin“, sagte der frühere Profi in seinem Podcast „Einfach mal Luppen“ und befand zu den Duellen von Reals Vinícius Júnior und Kylian Mbappé gegen die Münchner Außenverteidiger Josip Stanišić und Konrad Laimer: „Da ist im Eins-gegen-eins immer etwas drin.“

Wichtig werde für Madrid sein, das Spiel bis zur 70. Minute offenzuhalten. „Wenn du da mit einem 0:0, 1:1 oder einer 1:0-Führung hinkommst, dann bist du wieder im Kopf“, sagte Kroos, „Real wird immer gefährlich sein.“ Zumal sich die angriffslustigen Bayern auf einem schmalen Grat bewegen. Das zeigten auch die vielen Eins-gegen-eins-Duelle ihrer Innenverteidiger Dayot Upamecano und Jonathan Tah im Hinspiel, nach denen Neuer retten musste.

Trainer Vincent Kompany hat angekündigt, wieder genauso auf Sieg spielen zu lassen. Das ist gut für seine Mannschaft, weil sie es gewohnt ist und so auch dominieren kann. Zugleich birgt dieser stets forsche Offensivgeist gerade gegen die schnellen Solisten Mbappé und Vinícius auch Risiken. Es wird ein Balanceakt. Doch viel spricht für Bayerns Weiterkommen, vor allem durch ihre anhaltende Formstärke, ihr funktionierendes Kollektiv und ihren Vorsprung.

Wie wertvoll dieser ist, zeigt der Blick in die Geschichte. In ihrer fast 64-jährigen Europapokalhistorie kamen die Münchner nach ihren 30 Auswärtssiegen in den K.-o.-Runden 29 Mal weiter. Nur in der Saison 2010/11 schieden sie im Achtelfinale aus. Hinzu kommt ihre Heimstärke. In der Champions League verloren sie nur eines ihrer jüngsten 28 Heimspiele. Dennoch gaben sich die Madrilenen schon direkt nach dem ersten Treffen zuversichtlich. „Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Wir leben noch“, sagte Reals deutscher Verteidiger Antonio Rüdiger. Trainer Álvaro Arbeloa verwies auf Madrids gefürchtete Fähigkeit zu Remontadas, zu großen Comebacks in Rückspielen.

Doch zu diesen kam es bisher nur im Bernabéu, nie auswärts. Fünfmal verlor Real das Hinspiel zu Hause, fünfmal setzte es das Aus. Allerdings: Madrid gewann drei seiner jüngsten vier Spiele in München. Doch natürlich lässt sich aus der Geschichte allenfalls bedingt etwas für die Gegenwart ableiten. Die Bayern stellen sich vorsichtshalber auf so ziemlich alles ein. Bei Real sei „völlig egal, wie sie in Form sind. Wenn Champions League ist, dann performen sie“, sagte Joshua Kimmich. Und ein gewisser Max E. vom Tegernsee prognostizierte in der tz gar: „Auch wenn bei Real in dieser Saison eine Zeit lang nicht alles top war, rollt eine Bestie auf uns zu, die weiß, wann sie zubeißen muss.“ Gesagt hat Eberl das nicht als Fan, sondern als Sportvorstand des FC Bayern.

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