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Rolle der Kurden im IrankriegMit allen Mitteln – auch verbotenen?

Der Iran soll kurdisch-iranische Kämpfer im irakischen Exil jüngst mit weißem Phosphor angegriffen haben. Das legt eine kurdische Menschenrechtsorganisation nahe.

Die iranische Kurdistan Freiheitspartei (PAK) wirft dem Regime in Teheran vor, bei einem Drohnenangriff auf einen ihrer Stützpunkte in Nordirak Munition mit weißem Phosphor verwendet zu haben. Adib Khalidiyan, ein führendes Parteimitlied, erklärte gegenüber dem kurdischen Medium Rudaw: „Der Angriff wurde von einer einzigen Drohne durchgeführt, doch ihre Sprengladung unterschied sich von denen früherer Drohnen. Auch das dadurch ausgelöste Feuer und die Auswirkungen waren anders.“

Weißer Phosphor ist eine extrem reaktive Abwandlung des chemischen Elements Phosphor. Bei Kontakt mit Luftsauerstoff entzündet sich das Material sofort selbst, brennt mit extrem hoher Temperatur – etwa 1.300 Grad – und entwickelt einen dichten, hochgiftigen Rauch.

Etwa neun kurdische PAK-Kämpferinnen und Kämpfer sollen dadurch verletzt worden sein. Die kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw mit Sitz in Norwegen äußerte sich „sehr besorgt“ über die Vorwürfe und forderte eine unabhängige Untersuchung durch die Vereinten Nationen und andere zuständige Organisationen.

Im militärischen Bereich kommt weißer Phosphor teilweise als Nebelkerze oder als Leuchtmittel zum Einsatz – aber eben auch als chemische Brandwaffe. In Wohngebieten ist dies laut humanitärem Völkerrecht verboten. Die Substanz kann bei Zivilisten schwerste Verbrennungen und langfristige gesundheitliche Schäden verursachen.

Unter iranischem Dauerbeschuss

Hintergrund des Angriffs ist das vorläufige Ende der Verhandlungen zwischen den USA und Iran am 8. Juli. Seitdem üben die USA immer wieder Luftangriffe gegen Iran aus, da Iran die Meerenge von Hormus geschlossen hält. Teheran reagiert mit Raketen- und Drohnenangriffen gegen mit den USA verbündete Golfstaaten – aber auch gegen die kurdische Autonomieregion in Nordirak.

Im Fadenkreuz befinden sich vor allem iranisch-kurdische Exil-Oppositionelle, wie die separatistische PAK. Immer wieder lieferten sich ihre Kämpferinnen und Kämpfer in den letzten Jahren an der irakisch-iranischen Grenze Gefechte mit iranischen Revolutionsgarden. Im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS) zwischen 2014 und 2019 spielten die Kämpferinnen und Kämpfer der PAK ebenfalls eine wichtige Rolle.

Gemeinsam mit anderen kurdischen Organisationen hat die Gruppe Anfang dieses Jahres eine Allianz geschmiedet. Ihr erklärtes Ziel ist der Sturz der Islamischen Republik und ein unabhängiges oder zumindest autonomes Kurdistan innerhalb iranischer Landesgrenzen.

Das islamistische Regime in Teheran sieht den Widerstand der Kurden folglich als existenzielle Bedrohung. Die militärische Eskalation mit den USA nutzen die iranischen Revolutionsgarden daher auch, um die Kurden im Exil zu bekämpfen. Seit Beginn des Krieges am 28. Februar verzeichnete die kurdische Autonomieregion in Irak bereits über 900 Angriffe. Dutzende iranisch-kurdische Oppositionelle kamen dabei ums Leben.

Warum gerade jetzt?

Obwohl der Einsatz von weißem Phosphor umstritten ist, wird er immer wieder genutzt. Laut internationalen Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International soll etwa Israel 2023 und 2024 in Gaza und Libanon weißen Phosphor eingesetzt haben. Auch die USA und Großbritannien gaben 2005 zu, im Irakkrieg Weißphosphor als Brandwaffe eingesetzt zu haben.

Der Vorwurf gegen Iran muss noch unabhängig bestätigt werden. Doch es gibt eine Reihe von Gründen, warum der Einsatz der umstrittenen Munition aus Sicht Irans gerade sinnvoll erscheint: Die Möglichkeiten der iranischen Revolutionsgarden, den kurdischen Widerstand durch konventionelle Drohnenangriffe zu brechen, sind begrenzt.

Die taz war im Frühling vor Ort – unter anderem in einem Lager der Gruppe PAK, die nun mutmaßlich zum Ziel eines Angriffs mit weißem Phosphor wurde. Damals waren die Schäden durch iranische Drohnen und Raketen deutlich zu sehen, aber beschränkt: zerbrochene Glasscheiben, teilweise eingestürzte Mauern. Bei Brandsätzen durch weißen Phosphor wäre das anders. Die chemischen Feuer können schnell ein ganzes Camp erfassen. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass anwesende Kämpferinnen und Kämpfer zu Schaden kommen, ist größer.

Am Mittwochmorgen bekannten sich die iranischen Revolutionsgarden zu einem großen Waldbrand am Berg Goizha in Irakisch-Kurdistan, wo sich auch ein Camp der kurdischen Oppositionsgruppe Komala befindet. Wie der Brand zustande kam, ist noch unklar.

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1 Kommentar

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  • Umfassende Waffenlieferung an den kurdischen Widerstand und logistische Unterstützung zur Zerschlagung der islamischen Republik ist das Gebot der Stunde!