Risiko digitaler Gesundheitsdaten: Datenleck Mensch

Die Vorteile für Patienten und Forschung wären groß, wenn ihre Daten vernetzt wären. Die Gefahren allerdings auch. Doch die Politik kann etwas tun.

zwei Hände halten eine Röntgenaufnahme eines menschlichen brustkorbs

Zweischneidig: Ärzte sollten Zugang zu unseren intimsten Daten haben – andere aber nicht Foto: Simon Belcher/imageBROKER/imago images

Stell dir vor, du bist krank und dir wird sofort geholfen. Von verschiedensten Fach­ärzt:innen, die deine Krankenakte bestens kennen inklusive deiner Unverträglichkeit diverser Medikamente. Von denen, die über den neuesten Forschungsstand deiner Krankheit Bescheid wissen und diese Erkenntnisse wiederum mit all denen teilen, die dir helfen wollen. Und stell dir vor, du musst deine Leidensgeschichte nur ein einziges Mal erzählen, vielleicht sogar nur online. Kein Warten, kein Papierkram, keine Endlosrecherche nach Expert:innen. Obendrein kommt deine Diagnose und Therapie auch noch anderen Patient:innen zugute. Das ganze Prozedere verläuft geräuschlos, ohne Nebenwirkungen. Du, der Mensch, stehst im Mittelpunkt.

Was für eine wunderbare Vorstellung. Doch die schöne Digi-Welt hat ihre Tücken. Denn wer Zugriff auf sensible Daten erlangt, hat womöglich nicht nur Gutes im Sinn – oder ausschließlich die Gesundheit der Patient:innen. Persönliche Daten, Angaben zu Alltagssüchten, dem Gemütszustand oder zu Lernschwächen der Kinder sind viel Geld wert, ein gutes Geschäft. Für Unternehmen zum Beispiel, die passend zur erfolglosen Diät den Übergewichtigen das Nahrungsergänzungsmittel auf ihren diversen Timelines anbieten. Oder für Arbeitgeber:innen, die die Leistungsfähigkeit ihrer gestressten Mitarbeiter:innen gern im Blick haben. Und die Daten junger Kund:innen sind umso lukrativer, je mehr Sorgen sich die Eltern um die Zukunft ihres Nachwuchses machen. Wer ist denn nicht zahlungswillig, wenn es um das Wohl der Kinder geht?

Wie angreifbar und fragil der digitale Datentransfer ist, zeigen beauftragte Hacker:innen derzeit. Wieder einmal. Rechtzeitig zum Jahreskongress des Chaos Computer Clubs entlarven Netz­aktivist:innen die löchrige Sicherheitsarchitektur, über die Gesundheitsdaten übertragen werden. Der Eingriff in die Privatsphäre, in die Entscheidungsgewalt des Einzelnen, ist enorm, das Einfallstor für Abzocke, Erpressung, Manipulation groß.

Also Schluss mit dem gesetzlich verordneten Datenwahn – trotz der großartigen Idee einer vernetzten Behandlung. Für ausreichenden Schutz der Datenströme zu sorgen ist unmöglich, ein frommer Wunsch von Politiker:innen, die Deutschland bei der Digitalisierung des Alltags weltweit auf den vorderen Plätzen sehen wollen. Dich, den Menschen, haben sie dabei aus dem Blick verloren. Das sollten sie ändern. Zum Beispiel, indem sie dich um Erlaubnis bitten, deine Daten zu verwenden. Und diejenigen bestrafen, die sich nicht wirklich um deine Gesundheit scheren. Dann könnte aus einer Wunschvorstellung Realität werden.

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Schreibt seit 2016 für die taz. Themen: Digitalisierung, Datenschutz, Entwicklungszusammenarbeit

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