piwik no script img

Rekordpreise für Gebrauchtwagen Eine gute und schlechte Nachricht

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Weil zu wenig Neuwagen auf den Markt kommen, kaufen viele Leute gebrauchte Pkw. Das hat positive und negative Folgen zugleich.

N och nie waren Gebrauchtwagen so teuer wie heute. Das ist eine gute Nachricht. Denn eine der Ursachen dafür ist, dass weniger Neuwagen auf den Markt kommen. Das ist die Konsequenz daraus, dass viele Leute keine Lust haben, ewig auf einen fabrikneuen Pkw zu warten, weil die Autobauer wegen ihrer verfehlten Einkaufspolitik unter Chipmangel leiden und nicht liefern können.

So wird lieber ein Gebrauchter genommen – und vielleicht beim nächsten Mal ein E-Auto. Jeder Dienstwagen, der nicht angeschafft wird, ist ein Gewinn – und eine Option darauf, dass Beschäftigte aufs Dienstrad umsteigen.

Je weniger neue Autos auf die Straßen kommen, desto besser. Denn mit jedem neu zugelassenen Fahrzeug rückt die Verkehrswende ein bisschen weiter weg. Immerhin haben die Karren eine lange Lebensdauer. Wer schon länger mit dem Gedanken spielt, das ungeliebte Auto ersatzlos zu verkaufen: Gerade jetzt lohnt es sich.

Die hohen Gebrauchtwagenpreise sind aber auch eine schlechte Nachricht. Und zwar nicht nur für Leute mit wenig Geld, die etwa wegen des langen Wegs zur Arbeit davon überzeugt sind, auf ein Auto nicht verzichten zu können. Denn die hohe Nachfrage nach ­Secondhand-Pkws geht auch darauf zurück, dass sich etliche in der Coronakrise ein Auto angeschafft haben, die lieber mit Bahn und Bus unterwegs wären.

Furcht vor einer Infektion

Auch wenn es noch immer keine verlässlichen Studien über das Corona-Ansteckungsrisiko im öffentlichen Verkehr gibt, hält sehr viele Fahrgäste die Furcht vor einer Infektion ab, Zug oder Bus zu nutzen. Weder die Deutsche Bahn noch regionale Verkehrsbetriebe waren bislang dazu in der Lage, dieser Furcht glaubwürdig zu begegnen.

So könnten sie etwa – wie in anderen Ländern üblich – Sitzplätze sperren, um das Einhalten der Abstandsregeln zu gewährleisten. Maskenpflicht und 3G-Regel allein reichen nicht.

Nach Abklingen der Pandemie werden sich Deutsche Bahn und Verkehrsbetriebe anstrengen müssen, um Kun­d:in­nen zurückgewinnen, etwa mit günstigen Angeboten. Gelingt das, werden auch die Preise für Gebrauchtwagen sinken.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
Mehr zum Thema

0 Kommentare