Rekordpreise für Gebrauchtwagen: Eine gute und schlechte Nachricht

Weil zu wenig Neuwagen auf den Markt kommen, kaufen viele Leute gebrauchte Pkw. Das hat positive und negative Folgen zugleich.

Gebrauchtwagen stehen aufgereiht im Freien

Die Preise für Gebrauchtwagen sind so hoch wie nie Foto: Manuel Geisser/imago

Noch nie waren Gebrauchtwagen so teuer wie heute. Das ist eine gute Nachricht. Denn eine der Ursachen dafür ist, dass weniger Neuwagen auf den Markt kommen. Das ist die Konsequenz daraus, dass viele Leute keine Lust haben, ewig auf einen fabrikneuen Pkw zu warten, weil die Autobauer wegen ihrer verfehlten Einkaufspolitik unter Chipmangel leiden und nicht liefern können.

So wird lieber ein Gebrauchter genommen – und vielleicht beim nächsten Mal ein E-Auto. Jeder Dienstwagen, der nicht angeschafft wird, ist ein Gewinn – und eine Option darauf, dass Beschäftigte aufs Dienstrad umsteigen.

Je weniger neue Autos auf die Straßen kommen, desto besser. Denn mit jedem neu zugelassenen Fahrzeug rückt die Verkehrswende ein bisschen weiter weg. Immerhin haben die Karren eine lange Lebensdauer. Wer schon länger mit dem Gedanken spielt, das ungeliebte Auto ersatzlos zu verkaufen: Gerade jetzt lohnt es sich.

Die hohen Gebrauchtwagenpreise sind aber auch eine schlechte Nachricht. Und zwar nicht nur für Leute mit wenig Geld, die etwa wegen des langen Wegs zur Arbeit davon überzeugt sind, auf ein Auto nicht verzichten zu können. Denn die hohe Nachfrage nach ­Secondhand-Pkws geht auch darauf zurück, dass sich etliche in der Coronakrise ein Auto angeschafft haben, die lieber mit Bahn und Bus unterwegs wären.

Furcht vor einer Infektion

Auch wenn es noch immer keine verlässlichen Studien über das Corona-Ansteckungsrisiko im öffentlichen Verkehr gibt, hält sehr viele Fahrgäste die Furcht vor einer Infektion ab, Zug oder Bus zu nutzen. Weder die Deutsche Bahn noch regionale Verkehrsbetriebe waren bislang dazu in der Lage, dieser Furcht glaubwürdig zu begegnen.

So könnten sie etwa – wie in anderen Ländern üblich – Sitzplätze sperren, um das Einhalten der Abstandsregeln zu gewährleisten. Maskenpflicht und 3G-Regel allein reichen nicht.

Nach Abklingen der Pandemie werden sich Deutsche Bahn und Verkehrsbetriebe anstrengen müssen, um Kun­d:in­nen zurückgewinnen, etwa mit günstigen Angeboten. Gelingt das, werden auch die Preise für Gebrauchtwagen sinken.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Buchveröffentlichungen: „Die verlogene Politik. Macht um jeden Preis“ (Knaur Taschenbuch Verlag, 2010), „Die Angstmacher. Wie uns die Versicherungswirtschaft abzockt“ (Lübbe Ehrenwirth, 2012).

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de