Ravensburger übernimmt Steiff: Elefantenhochzeit im Kinderzimmer
Das Spiele-Unternehmen Ravensburger steigt beim Plüschtierhersteller Steiff ein. Damit sind zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken bald eng verflochten.
dpa | Der Knopf im Ohr steht in Zukunft unter Ravensburger-Regie: Der Spielehersteller übernimmt eine Mehrheit am Plüschtierhersteller Steiff, wie beide Unternehmen gemeinsam mitteilten. Verkäuferin ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff gehalten wird. Steiff soll weiterhin eigenständig geführt werden.
Durch den Schritt sind zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken künftig eng verflochten. Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles und Sammelkarten bekannt. Klassiker sind beispielsweise „Fang den Hut“, „Memory“, „Das verrückte Labyrinth“ und „Scotland Yard“. In vielen Kinderzimmern finden sich heute aber auch das spielerische Lernsystem „Tiptoi“ und die modulare Kugelbahn „GraviTrax“ der Oberschwaben.
Steiff gilt als Erfinder des Teddybären und steht seit mehr als 140 Jahren für hochwertige Plüschtiere – erkennbar am markanten Knopf im Ohr. Der Sitz der Firma ist in Giengen an der Brenz, im Osten Baden-Württembergs. In welcher Höhe sich Ravensburger genau beteiligt, blieb offen. Der Familienanteil werde wesentlich bleiben, hieß es. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.
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Familie Steiff stellt Weichen für die Zukunft
Ravensburger-Chef Clemens Maier begründete den Schritt mit der emotionalen Stärke der Kultmarke: „Unser Firmengründer Otto Maier war inspiriert von der Vorstellung, Spielzeug für Hirn, Hand und Herz zu entwickeln. Steiff steht dabei in besonderer Weise für das Herz“, sagte der Manager. Die Produkte seien seit Generationen für viele Menschen Teil ihrer Kindheit.
Mit dem Verkauf will die Familie die Weichen für eine langfristige Perspektive des Traditionsunternehmens stellen. „Für uns war entscheidend, Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische Hände zu geben, die die Marke, die Werte und Geschichte verstehen und respektieren“, teilte der Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft, Frederik Reimann, mit. Ravensburger stehe wie kaum ein anderes Unternehmen für genau diese Haltung. Steiff-Chef Frank Rheinboldt ergänzte, die Partnerschaft schaffe den Rahmen, internationale Potenziale gezielt zu nutzen und Tradition mit neuen Impulsen zu verbinden.
Ravensburger mit Umsatzrückgang
Für Ravensburger kommt die Ankündigung in einer Phase des wirtschaftlichen Gegenwinds. Nach einem Rekordumsatz von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 – angetrieben vom Hype um das Sammelkartenspiel „Disney Lorcana“ – ging der Umsatz 2025 auf 742 Millionen Euro zurück. Das Kerngeschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern legte nach früheren Angaben zwar zu. Der Sammelkarten-Boom habe aber merklich nachgelassen.
Außerdem steige der Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Schwaben hatten daher angekündigt, an Strukturen und Kosten zu arbeiten. Das umfasst auch einen Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich. Zuletzt waren bei dem Spielehersteller gut 2.500 Menschen in Ravensburg und in einem Werk in Tschechien beschäftigt.
Events und personalisierte Produkte im Fokus
Bereits im Frühjahr hatte Ravensburger angekündigt, sich breiter aufzustellen. Unter anderem soll das Eventportfolio ausgebaut werden. Dazu gehören Sammelkarten-Turniere und Speedpuzzle-Wettbewerbe. An Bedeutung gewinnen demnach auch personalisierte Angebote wie Fotopuzzles.
Die Steiff-Übernahme ist nicht der erste Zukauf des Unternehmens in jüngster Zeit: Ravensburger hat sich zuletzt mehrheitlich am NordSüd Verlag beteiligt – dem größten Schweizer Kinderbuchverlag, bekannt für Klassiker wie „Der Regenbogenfisch“ und „Lars, der kleine Eisbär“. Ravensburger baut damit sein Kinderbuchsegment aus und sichert sich Zugang zu etablierten Figuren. Zur Ravensburger-Gruppe gehören unter anderem bereits Marken wie Brio, die für Holzeisenbahnen bekannt sind, und der Spielkartenverlag FX Schmidt. Mit Steiff kommt nun ein weiterer großer Name hinzu.
Vom Nadelkissen zum Teddybären
Die Geschichte von Steiff beginnt nicht mit einem Teddybären, sondern einem anderen Tier: Nach der Schneiderlehre macht sich Margarete Steiff 1877 mit einem Filzgeschäft selbstständig – und stellt einen kleinen Stoffelefanten als Nadelkissen her. Dieser wird der Firmenhistorie zufolge als Kinderspielzeug schnell zum Verkaufsschlager. 1880 gilt als das Gründungsjahr von Steiff.
Bereits wenig später gehören neben dem Elefanten unter anderem auch Affen, Esel, Pferde, Kamele, Schweine und Giraffen zum Sortiment. Bis der berühmte Teddybär entsteht, dauert es allerdings noch ein paar Jahre: Margaretes Neffe Richard Steiff entwirft den Bären 1902. Es ist nach Firmenangaben der weltweit erste Plüschbär mit beweglichen Armen und Beinen. Ab 1906 sei der Bär unter dem Namen „Teddybär“ verkauft worden – benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt.
Steiff zuletzt mit roten Zahlen
Heute verkauft das Unternehmen auch weniger traditionelle Kuscheltiere. So gibt es beispielsweise Bären in Fußballtrikots oder Figuren aus dem Disney-Universum wie Winnie Puuh und Micky Maus. Außerdem hat Steiff Baby- und Kinderkleidung im Angebot.
Die Steiff Beteiligungsgesellschaft, zu der die Margarete Steiff GmbH gehört, besitzt auch einen kleinen Automobilzulieferer und eine Weberei. Die Gruppe erwirtschafte 2023 mit knapp 1.300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro. Mehr als zwei Drittel davon entfallen auf das Spielzeug-Geschäft, wie aus dem Unternehmensregister des Bundes hervorgeht. Zum Vergleich: 2019 machte Steiff einen Umsatz von mehr als 112 Millionen Euro.
Der Verlust lag 2023 bei gut 416.000 Euro. Das geht laut Jahresabschluss vor allem auf die schwächelnde Autosparte zurück. Das Spielzeug-Kerngeschäft lief demnach besser. Die gesamte Gruppe schrieb in den Vorjahren mehrfach rote Zahlen, zum Teil im Millionenbereich. Wie es Steiff aktuell geht, ist nicht bekannt. Neuere Daten sind bislang nicht verfügbar.
Umbruch in der Spielzeugbranche?
Auch andere Unternehmen suchen aktuell nach Partnern oder neuen Wegen. So übernahm etwa die Simba-Dickie-Group, zu der unter anderem der Bobby-Car-Hersteller Big und das Modelleisenbahn-Unternehmen Märklin gehören, Anfang 2026 eine US-Firma, um ihr internationales Geschäft auszubauen. Playmobil setzt angesichts sinkender Umsätze auf neue Zielgruppen – unter anderem mit Figuren der Fußball-Nationalmannschaft und aller Bundesligisten.
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