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„Ratschlag Zivilgesellschaft“Die Nachbarschaft stärken

Ein Zusammenschluss fordert eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Behörden. So könnten Krisen besser bewältigt werden.

Anfang Januar hat ein Stromausfall infolge eines Brandanschlags auf das Berliner Stromnetz Zehntausende Haushalte und die öffentliche Infrastruktur lahmgelegt. Deutlich zeigte sich, wie verwundbar die Berliner Infrastruktur wirklich ist. Jetzt fordert der „Ratschlag Zivilgesellschaft“, ein Zusammenschluss aus elf Institutionen, eine bessere Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Katastrophenschutz und bürgerschaftlicher Solidarität, um zukünftige Krisen zu bewältigen. Am Montag ist der Ratschlag im Rahmen eines Pressegesprächs erstmals an die Öffentlichkeit getreten. In einem Forderungspapier wurden konkrete Vorschläge für die Politik erarbeitet.

Der Zusammenschluss hat laut eigenen Angaben eine Reichweite von rund 7.000 Personen. Über zwei Treffen wurde bei der Stiftung Zukunft diskutiert, wie bürgerschaftliches Engagement besser vernetzt werden kann. Beteiligt sind unter anderem Ver­tre­te­r:in­nen des Stadtteilzentrums Steglitz e. V., von Kitaträgern und Schulen sowie der Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin.

„Der Stromausfall im Januar hat gezeigt, Berlin muss seinen Katastrophenschutz anders aufstellen“, sagt Beate Stoffers, Vorstandssprecherin und Geschäftsführerin der Stiftung Zukunft. „Die zivilgesellschaftliche Seite wird zu wenig beleuchtet. Zivilgesellschaft kann mehr, muss aber auch mit einbezogen werden“, erklärt Stoffers.

Nachbarschaft ist stärker als man denkt

Markus Schönbauer, Geschäftsführer des Vereins Mittelhof

Vor allem müsse die Kommunikation innerhalb der Nachbarschaft verbessert werden, sodass Bür­ge­r:in­nen in Krisenzeiten besser über vorhandene Angebote informiert seien, meint Markus Schönbauer, Geschäftsführer des Vereins Mittelhof. „Nachbarschaft ist stärker als man denkt“, sagt er. Wichtig sei, dass Menschen wüssten, an wen sie sich in Krisensituationen wenden könnten.

Wissen, wer unsere Nach­ba­r:in­nen sind

Ein Ziel des Ratschlages sei es dementsprechend auch, Nachbarschaft zu fördern. „Es gibt Kieze, da kennt sich so gut wie keiner mehr“, sagt Stoffers. Aus diesem Grund plane die Stiftung Zukunft die öffentliche Kampagne „Lerne deine Nachbarn kennen“. Die Gesellschaft werde in Krisen gestärkt, „wenn wir die Menschen kennenlernen, die bei uns im Haus wohnen und arbeiten“, sagt sie. Aktuell fehlten dem Vorhaben jedoch die finanziellen Mittel.

Schon vor dem Stromausfall im Januar gab es Situationen, die laut Stoffers offengelegt hätten, wie verletzlich die Berliner Infrastruktur ist, darunter die Stromausfälle in Treptow-Köpenick Anfang 2019 und im November vorigen Jahres. Auch extreme Kälte, Glatteis und Hitze stellten Situationen dar, die es in Zukunft zu bewältigen gelte. Dazu seien im Juni sogenannte „Kiezresilienztage“ angedacht, an denen sich nachbarschaftliche Strukturen gegenseitig vorstellen könnten.

Auch „Kiezboxen“, ein Pilotprojekt der Initiative Digitale Transformation, sollen im Rahmen der Kiezresilienztage vorgestellt werden. Dabei handle es sich um autarke Kommunikationssysteme, erklärt Stoffers, die nicht auf die zentrale Stromlieferung angewiesen seien und somit im Notfall die Kommunikation in Kiezen aufrechterhalten könnten.

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