piwik no script img

Rasierklingen und PulverPolitiker erhalten Drohbriefe

Spitzenpolitiker erhalten Post mit arabischen Botschaften. Ermittler prüfen, ob es sich um eine vorgetäuschte Tat aus der rechten Szene handelt.

Foto von Christian Ströbele: So habe das Schreiben ausgesehen, das der Grüne erhielt Foto: Grüne
Konrad Litschko

Aus Berlin

Konrad Litschko

taz | Es waren unscheinbare Briefumschläge, die am Donnerstag mehrere Spitzenpolitiker erreichten. Darin fanden sich weißes Pulver und arabische Botschaften, teils auch Rasierklingen. Die Briefe gingen laut Berliner Polizei an die Privatwohnung von Kanzlerin Angela Merkel, an CSU-Chef Horst Seehofer, Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, ihren Parteikollegen Hans-Christian Ströbele sowie die Linkenpolitiker Gregor Gysi und Gesine Lötzsch.

Ein Polizeisprecher sagte, das Pulver habe sich nach ersten Untersuchungen als ungefährlich herausgestellt. „Tödlich, nicht anfassen“, soll in den Schreiben stehen. Unterzeichnet soll es sein mit „Allahu akbar“ und von einer angeblichen „salafistischen Gesellschaft“.

Ermittelt wird laut Polizei in alle Richtungen, zu den Absendern gebe es noch keine Spur. Nach taz-Informationen prüfen die Ermittler auch eine vorgetäuschte Tat aus der rechtsextremen Szene.

Auch Hans-Christian Ströbele, der den Brief persönlich öffnete, sagte der taz, er vermute einen rechten Absender. „Das sieht danach aus, als sollte hier bewusst eine falsche Fährte in die islamistische Szene gelegt werden.“

So war etwa im April der Bundeswehrsoldat Franco A. festgenommen worden unter dem Vorwurf, mit einer falschen Identität als Asylbewerber Anschläge geplant zu habe. Im gleichen Monat hatte ein 28-Jähriger einen Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußballteams von Borussia Dortmund verübt – und ein vermeintlich islamistisches Bekennerschreiben am Tatort hinterlassen. Am Ende stellte sich die Tat als versuchter Aktienbetrug dar.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Da könnte Cem Özdemir Recht haben.

    Eine Organisation wie "Salafistische Gesellschaft" kann sich nur ein echter Deutscher ausdenken.