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Prozess gegen Meta Mehr Jugendschutz ist möglich

Kommentar von

Svenja Bergt

Der Ausgang des US-Gerichtsverfahrens gegen Meta zeigt, wie Tech-Konzernen Grenzen aufgezeigt werden können. Das ist ein Vorbild für Europa.

D as Gerichtsverfahren gegen Meta in den USA hätte ein Big-Tobacco-Moment werden können, so die Hoffnung der Kri­ti­ke­r:in­nen von Big Tech. Ein Moment, wie der, als die Vertuschungsstrategien der Tabakindustrie bekannt wurden, und in dem einer breiten Öffentlichkeit schlagartig klar wird: Das Zeug hier, was viele ständig konsumieren, kann richtig gefährlich werden.

Den Big-Tobacco-Moment hat Meta abgewendet, indem es einem Vergleich zugestimmt hat. Die zugesagte Zahlung von bis zu rund 17 Milliarden US-Dollar verhindert einen langen Prozess, in dem wohl vieles zu Tage gekommen wäre, was dem Konzern mehr schaden würde als der Verlust einiger Milliarden. Folgerichtig ging der Kurs des Unternehmens nach dem Bekanntwerden der Einigung nach oben. Die Botschaft der Finanzwelt: Ergebnis passt, Risiko abgeräumt, weitermachen.

Die als Maximum angesetzte Summe ist zwar nicht niedrig. Sie wird dem Konzern aber angesichts eines Umsatzes von über 200 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr nicht allzu weh tun. Aus Sicht der klagenden US-Bundesstaaten ist der Vergleich ebenso verständlich: Je länger sich Prozesse ziehen – vor allem, wenn auf der Gegenseite milliardenschwere Konzerne stehen -, desto höher die Kosten.

Interessant ist aber ohnehin nicht nur die Summe, sondern eine Vereinbarung darüber hinaus. Demnach verpflichtet sich Meta in den USA zu Verbesserungen in Sachen Jugendschutz auf Instagram und Facebook. Dazu sollen unter anderem eine Obergrenze für die tägliche Nutzungsdauer gehören und eine Deaktivierung von Push-Nachrichten während der Schulzeit.

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Filter, die Schönheitsoperationen simulieren, soll es für Minderjährige nicht mehr geben, ebenso wenig wie die Anzeige erhaltener Likes. Das alles sind richtige Ansätze, die als Standard aber noch viel umfangreicher sein sollten. Denn es gibt zahlreiche weitere Tricks, die Nutzende länger als von ihnen gewollt auf Plattformen halten, die ein problematisches Nutzungsverhalten begünstigen – und deren Abschaltung sicher auch vielen Erwachsenen guttun würde.

Für Europa hat der Ausgang des Gerichtsverfahrens aber noch eine andere Botschaft: Mehr Jugendschutz ist möglich – wenn der Druck hoch genug ist. Die Diskussion über ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media scheint die Konzerne bislang nicht ausreichend aufgeschreckt zu haben. Vermutlich wissen sie, basierend auf den Erfahrungen aus Australien, dass eine Altersgrenze kaum Wirkung zeigt. Zeit also, auch in der EU den Druck zu erhöhen.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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