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Prozess gegen Christina BlockZeugin belastet Steakhouse-Erbin

Im Prozess zur Entführung zweier Kinder hat eine Zeugin die Darstellung Christina Blocks in Zweifel gezogen. Hintergrund ist ein Sorgerechtsstreit.

Ist die Steakhouse-Erbin Christina Block nur das Opfer einer israelischen Sicherheitsfirma, die mit ihr Geld verdienen wollte und sie deshalb zu immer dubioseren Aktionen verleitete? Dieser Version widersprach im Prozess um die Entführung zweier Block-Kinder nun die Zeugin Keren T. Die Israelin war an der Rückholung der Kinder aus Dänemark direkt beteiligt.

Bei dem Auftrag sei es von vornherein um die Kinder gegangen und nicht in erster Linie um die Sicherheitsüberprüfung des Hamburger Block-Hotels Grand Elysée, versicherte T. am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht.

Hinter dem Prozess steht ein eskalierter Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block, deren Familie die Steakhouse-Kette Block House gehört, und deren Ex-Ehemann Stephan Hensel. Weil zwei ihrer vier Kinder von einem Aufenthalt bei ihrem Vater in Dänemark nicht zurückkehrten, soll Block die Entführung der Kinder in Auftrag gegeben haben. Zuvor hatte die deutsche Justiz Block das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen.

Keren T. gehörte zu einem Team der Sicherheitsfirma Cyber Cupula des Israelis David Barkay, das die Kinder zunächst observiert und dann in der Silvesternacht 2023 gewaltsam nach Deutschland gebracht hatte. Vor Gericht bezeichnete T. sich als persönliche Assistentin Barkays.

Unter falschen Namen im Grand Elysée

Der Auftrag sei über einen israelischen Mittelsmann an Cyber Cupula herangetragen worden, der angegeben habe, für das Familienoberhaupt Eugen Block und den Anwalt der Familie, Andreas Costard, zu arbeiten. Die Rede sei von einem Zivilrechtsverfahren gewesen, für das Informationen zusammengetragen werden sollten. Zudem habe Frau Block wissen wollen, wie es ihren Kindern gehe.

Bei einem Gespräch in einem Hamburger Restaurant mit Christina Block, deren Lebensgefährten Gerhard Delling und Costard habe Barkay den Auftrag bekommen. Daraufhin habe sich Barkay mit mehreren Mitarbeitern unter falschen Namen in der sechsten Etage des Elysée-Hotels einquartiert, um von dort aus die Operation zu steuern. Die falschen Namen seien ihnen vom Hotel gegeben worden.

Sie verstand nicht, dass keiner sieht, dass auch sie ein Teil des Lebens ihrer Kinder ist.

Zeugin Keren T. über Christina Block

Der offizielle Auftrag für Cyber Cupula bestand in einem „Penetration-Test“, mit dem die IT-Sicherheit von Costards Büro und des Hotels überprüft werden sollte. Damit habe Christina Block David Barkay beauftragt, behauptete die Zeugin. Das widerspricht einer Aussage Blocks vor Gericht, sie habe nur eine repräsentative Funktion für das Hotel ausgeübt.

Die Richterin zitierte Block auch mit einer Aussage, bei dem Auftrag sei es zunächst nur um den Penetration-Test gegangen. Nach und nach sei sie dann zu immer verwegeneren Handlungen verlockt worden. „Ich war das perfekte Opfer“, hatte Block in der Verhandlung gesagt. T. widersprach dem auf die explizite Nachfrage der Richterin und versicherte: Sie habe Block nicht ausgenutzt.

Emotionale Nähe zwischen Zeugin und Christina Block

Allerdings war durch die Zusammenarbeit T.s mit Block wohl eine emotionale Nähe entstanden. Bei der Observierung habe das Team die Kinder kaum zu Gesicht bekommen. „Das war frustrierend“, sagte T.: „Wir wollten Christina Antworten geben, ob es den Kindern gut geht.“

Hensel habe Treffen verweigert, sei nicht zum Gerichtstermin gekommen und die Kinder seien nicht einmal zur Beerdigung ihrer Oma erschienen. Immer sei ein Nein von Hensel gekommen, was Block sehr mitgenommen habe. „Sie verstand nicht, dass keiner sieht, dass auch sie ein Teil des Lebens ihrer Kinder ist“, sagte die Zeugin.

Mit der Zeit wuchs offenbar der Druck, die Kinder zurückzuholen. Familienanwalt Costard sei besonders vom Großvater Eugen Block gedrängt worden, sagte T. Es habe einen Brief Costards gegeben, in dem dieser versichert habe, es gebe keine rechtlichen Konsequenzen, wenn die Kinder zurückgeholt würden. T. sagte: „Wir haben ihm einfach geglaubt.“

Nachdem Costard dann auch noch die Befürchtung geäußert habe, Hensel könnte mit den Kindern flüchten, und der Großvater Weihnachtsgeschenke gekauft hatte, entschloss sich Barkays Truppe zur Tat. Christina Block habe dem eine Tasche mit alten Sachen der Kinder mitgegeben, die sie wiedererkennen sollten: einen Teddy, ein Kissen, einen Pullover.

Als Hensel mit seinen Kindern wegen des Feuerwerks draußen war, schlugen sie diesen nieder und brachten die Kinder gefesselt nach Deutschland. Das Wiedersehen fand auf einem Bauernhof in Süddeutschland statt. Ein Kinderpsychologe habe Block den Rat gegeben, dafür einen ruhigen Ort zu wählen, sagte T.

Block habe vor dem Wiedersehen mit den beiden Kindern große Sehnsucht, aber auch Angst gehabt. „Christina wollte sie wirklich sehen“, sagte die Zeugin und brach in Tränen aus.

Bei der Ankunft auf dem Hof habe sich die Tochter Klara zunächst geweigert, Deutsch zu sprechen, sagte T. „Ich hasse Deutschland, ich hasse meine Mutter“, habe sie gerufen. Auch bei der Begegnung der Kinder mit der Mutter habe es zunächst Streit gegeben, sagte T. Kurz danach habe sie aber mitbekommen, wie geredet, gelacht und einander umarmt wurde. „Ich konnte nicht glauben, wie sie sich so schnell umwandeln konnte, nachdem was mir Klara erzählt hatte“, sagte T.

Korrektur: Im dritten Absatz dieses Artikels hieß es, die deutsche Justiz habe vor der Entführung Block das Sorgerecht zugesprochen. Es ging dabei jedoch um das alleinige Recht zur Aufenthaltsbestimmung.

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2 Kommentare

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  • Die ganze Geschichte ist doch SEHR seltsam. Wieso wird nicht Hensel verklagt? Der hat doch eigentlich die Kinder entführt, oder? Frau Block hat doch nur selbst gehandelt, weil deutscher und dänischer "Rechtsstaat" hier versagt haben. Absolut unverständlich, wieso Dänemark dem Vater Entführung der Kinder erlaubt.

    • @Matt Olie:

      Was die Kinder selbst wollen, interessiert Sie nicht?