Proteste gegen Selenskyj : Es geht um mehr als eine Personalie
Ein Ziel hat die Protestbewegung in Kyjiw erreicht – der Armeechef Syrskyj muss gehen. Der steht aber für etwas Grundsätzlicheres: den brutalen Umgang mit Soldaten.
Foto: Mykhaylo Palinchak/SOPA Images/imago
N ach der Arbeit im Stadtzentrum gegen politische Entscheidungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj demonstrieren, bevor es dann wieder in den Luftschutzkeller geht und möglicherweise die nächste schlaflose Nacht bevorsteht: Den Ukrainer*innen ist wahrlich Respekt zu zollen.
Offensichtlich haben diejenigen, die mehrere Tage in Folge gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow auf die Straße gegangen sind, immer noch genug Kraft und Energie, um sich zu weiteren innenpolitischen Fragen zu positionieren.
Der Widerstand zeigt erste Erfolge: Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte Oleksandr Syrskyj muss gehen, was ebenfalls eine Forderung der Protestierenden war.
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Doch bei den Unmutsbekundungen geht es weniger um diese Personalie an sich denn um weitaus Grundsätzlicheres. Offensichtlich steht der Name Syrskyj für einen äußerst brutalen Umgang mit Soldaten. In einer Sturmbrigade sollen Rekruten gefoltert worden und Dutzende Angehörige dieser Einheit zu Tode gekommen sein, allerdings nicht bei Kampfhandlungen.
Auch das Vorgehen bei der Rekrutierung wehrpflichtiger Männer ist mehr als fragwürdig, der Begriff Menschenjagd trifft die Praxis wohl eher. Dass Kyjiw militärisch unter Druck steht, wer wollte das leugnen. Doch wie groß dieser auch sein mag: Derartige Methoden haben in der Ukraine, im Gegensatz zu Russland, ausgedient und das ist gut so.
Derzeit deutet vieles darauf, dass die Proteste weitergehen werden – zum Leidwesen Selenskyjs. Schließlich harrt die Causa Federow noch einer Lösung. Und die sieht für die Kundgebungsteilnehmer*innen so aus: eine Wiedereinsetzung des geschassten Verteidigungsministers – und das möglichst sofort.
Die ukrainische Zivilgesellschaft erweist sich eben als erstaunlich resilient. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass das Land dem Aggressor Russland schon über vier Jahre standhält. Selenskyj sollte seine Landsleute eigentlich besser kennen. Ob er dieses Mal seine Lektion gelernt hat, wird sich zeigen.
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