Presselandschaft in Ostdeutschland: Wenn überall das Gleiche steht

Zur Demokratie gehört ein dichtes Netz aus Meinungsvielfalt und Pressevielzahl. Im Osten Deutschlands wird das seit Jahren dünner.

Fahne von DuMont weht vor dem Gebäude der "Mitteldeutschen Zeitung"

Bald wehen hier andere Fahnen: DuMont hat die „Mitteldeutsche Zeitung“ an den Bauer Verlag verkauft Foto: dpa

Endlos Weite, menschenleere Landschaften.“ Na, wo befinden wir uns? Taiga, Lappland, Anden? Falsch! Wir befinden uns im Osten Deutschlands. Also in dem Osten, es gibt ja nur einen. Das kann man zumindest glauben, wenn man die ZDF-Doku „Wenn der Osten ruft“ sieht. Sie begleitet drei Ossis, die in Westdeutschland beziehungsweise im Ausland (!) gelebt haben und jetzt zurückziehen. Das ist natürlich bemerkenswert, in Anbetracht von Pegida und den fehlenden Bussen und ÄrztInnen, über die es immer heißt, sie wären verantwortlich dafür, dass so viele Ostdeutsche die AfD wählen.

Schade, dass die Doku stellenweise so klischeebeladen ist, dass sich Mandy aus Magdeburg die blaugefärbten Haare sträuben. Was soll das schon sein, der Osten? Und meinen sie mit „menschenleeren Landschaften“ auch Leipzig aka „Hypezig“?

Nebenan in Sachsen-Anhalt zeigt sich, dass nicht nur der Ossi kommt, wenn der Osten ruft. Der Hamburger Bauer-Verlag, bekannt für Tv14, TV Hören und Sehen, TV Klar, TV Movie, Fernsehwoche und Bravo, kauft die Mitteldeutsche Zeitung. Die gehörte bisher DuMont, der gerade all seine Zeitungen verscherbelt. Seine Berliner Zeitung hat der Verlag vor Kurzem an ein ostdeutsches Unternehmerpaar verkauft. Und an wen DuMont seine Hamburger Morgenpost abgeben will, soll in den kommenden zwei Wochen bekannt werden.

Schlechte Aussichten

Die Mitteldeutsche jedenfalls wandert zur Bauer Media Group, die mit der Volksstimme die zweite große Tageszeitung in Sachsen-Anhalt besitzt. „Synergieeffekte“ ist das Stichwort, und wie die aussehen, konnte man zuletzt in Thüringen sehen. Dort hat der Funke-Verlag die drei größten Tageszeitungen gekauft und zusammengeführt: MitarbeiterInnen rausgeschmissen, die Berichterstattung vereinheitlicht. In Thüringen erscheinen nun drei Tageszeitungen, in denen im Großen und Ganzen dasselbe drinsteht und die sich nur in der Farbe ihres Titels unterscheiden. Schlechte Aussichten für die Mitteldeutsche, für ihre LeserInnen und das gesamte Land.

Das mag Ihnen in Tübingen oder Oldenburg egal sein. Vielleicht nehmen Sie von ihr nur dann Kenntnis, wenn sie morgens in der „Presseschau“ im Deutschlandfunk zitiert wird. Doch zur Demokratie gehört ein dichtes Netz aus Meinungsvielfalt und Pressevielzahl. Nur wird das seit Jahren dünner, vor allem im Osten.

In die Löcher versuchen jene einzudringen, denen an Journalismus nicht viel liegt. Wie in Thüringen, wo sich ein rechter Bauingenieur aus Hessen, der auf rechten Demos gerne gegen die „Lügen­presse“ wettert, gerade um eine Radiolizenz beworben hat. Ob er die bekommt, will die Landesmedienanstalt demnächst entscheiden. Die Gesinnung eines Rundfunkveranstalters sei allerdings kein Kriterium dafür, ob jemand eine Zulassung bekäme, zitiert der Tagesspiegel eine Sprecherin der Anstalt. Wesentlich sei die „Sicherung der Meinungsvielfalt“. Der Osten ruft? Hoffentlich nicht bald aus dem Volksempfänger.

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Seit 2014 Medienredakteurin der taz im Gesellschaftsressort taz2.

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