piwik no script img

Pressefreiheit in der TürkeiWebsite der Deutschen Welle gesperrt

Die Türkei hat die Seiten der Deutschen Welle und der Voice of America gesperrt. Der Deutsche Journalistenverband fordert die Bundesregierung auf, aktiv zu werden.

dpa/taz | Die türkische Rundfunk-Aufsichtsbehörde (RTÜK) hat nach eigenen Angaben die Internetangebote der Deutschen Welle (DW) und des US-Auslandssenders Voice of America in der Türkei gesperrt. Das RTÜK-Mitglied Ilhan Tasci schrieb in der Nacht zum Freitag auf Twitter, der Zugang zu den beiden Sendern, die keine Lizenz beantragt hätten, sei von einem Gericht auf Antrag seiner Behörde blockiert worden. Voice of America bestätigte die Sperre der türkischsprachigen Dienste der beiden Sender. Auch die DW bestätigte die Sperrung. Am Donnerstagabend war es bereits zu Problemen beim Zugriff auf das Internetangebot der DW gekommen.

Der Deutsche Journalisten-Verband forderte am Freitagmorgen in einer Pressemitteilung, dass die türkische Rundfunkaufsicht die Sperre der DW unverzüglich aufhebt. „Die Sperre der Deutschen Welle ist durch nichts anderes zu rechtfertigen als durch pure Willkür der Erdogan-Autokratie“, kritisiert der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall in der Mitteilung. „Es muss weiterhin möglich sein, dass die Menschen in der Türkei unabhängigen und kritischen Journalismus erfahren können, wie ihn die Welle bietet.“ Gleichzeitig rief er die Bundesregierung auf, aktiv zu werden, und verwies darauf, dass die DW Deutschlands Auslandssender sei. „Damit ist das Thema in Berlin angesiedelt.“

Dem deutschen Auslandssender und weiteren ausländischen Medien droht seit Februar eine Sperre ihres Online-Programms in der Türkei. Die RTÜK hatte die Sender offiziell dazu aufgefordert, eine Lizenz für On-Demand-Angebote zu beantragen. Die Deutsche Welle hatte daraufhin angekündigt, gerichtlich dagegen vorzugehen, weil – so der DJV – damit eine Zensur des Programms ermöglicht würde.

Die Aufforderung zur Lizenzbeantragung beruht auf einer 2019 in Kraft getretenen Regelung. Die islamisch-konservative Regierung hat darüber eine weitreichende Kontrolle von Internet-Plattformen eingeführt, die Filme, Videos oder Radioinhalte verbreiten. Regierungsnahe Vertreter haben eine Mehrheit in dem RTÜK-Gremium.

Türkische Medien stehen zum Großteil unter direkter oder indirekter Kontrolle der islamisch-konservativen Regierung, auch Inhalte im Internet unterliegen starker Regulierung.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Mh, war bei der Verbannung von RT nicht auch das Argument der fehlenden Lizenzen?

  • Die deutsche Regierung könnte kurz mal laut über den Einfluss der türkischen Regierung z.B. auf Moscheen in Deutschland nachdenken. Vielleicht hilft das der türkischen Regierung den "DNS-Fehler" zeitnah zu korrigieren.

  • Und die Nato und deren Mitgliedsstaaten billligen das Verlangen der Türkei auf Auslieferung von politischen Flüchtlingen.



    Es scheint das sich diese Autokraten von Putin bis Erdogan mittlerweile alles erlauben können, da die EU bis zur Nato alles durchwinken. Hauptsache das europäische Bollwerk Richtung Naher Osten bleibt bestehen. So zerstört man/frau Werte der EU.