Pressefreiheit in Russland: Die große Gefahr
Fast jeden Tag ein schwerer Angriff: Ein neuer Bericht zeigt, wo Journalist*innen in Europa besonders gefährdet sind.
Foto: Danylo Antoniuk/AA/imago
kna | Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bleibt in Europa die größte Bedrohung für Medienschaffende. Vier Journalist*innen wurden 2025 durch russische Drohnenangriffe getötet, zahlreiche weitere verletzt oder in besetzten Gebieten festgehalten. Das geht aus einem am Dienstag in Brüssel vorgestellten Bericht mehrerer europäischer Journalist*innenverbände und Organisationen für Pressefreiheit hervor, die in einer Plattform des Europarats organisiert sind. Mindestens 26 ukrainische Journalist*innen sind demnach in russischer Gefangenschaft.
Insgesamt zählten die Partnerorganisationen 2025 europaweit 344 Fälle von schwerwiegenden Bedrohungen der Medienfreiheit – ein Anstieg um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Meldungen betrafen Russland (50), die Türkei (49), Georgien (35), Serbien (35) und die Ukraine (27), wobei sich die Hinweise zur Ukraine überwiegend auf die von Russland besetzten Gebiete beziehen oder russischen Kräften zugeschrieben werden. In den meisten Fällen wurden Journalist*innen eingeschüchtert und belästigt, am zweithäufigsten meldeten die Organisationen körperliche Angriffe auf Journalist*innen.
Angriffe drohen bei Demonstrationen
Unter Druck gerieten Medienschaffende nicht nur im Kriegsgebiet. In rund einem Viertel aller europäischen Staaten kam es laut Bericht bei Protesten zu körperlichen Angriffen, etwa durch Polizeikräfte, politische Akteure oder Demonstrierende. Besonders hohe Zahlen wurden aus Georgien, Serbien und der Türkei gemeldet.
Der Bericht warnt vor dem systematischen Einsatz von Freiheitsentzug als Mittel der Medienkontrolle. Zum Jahresende 2025 waren demnach europaweit 148 Journalist*innen in Haft, darunter 58 in Russland oder den russisch besetzten Gebieten der Ukraine, 36 in Aserbaidschan, 27 in Belarus und 24 in der Türkei.
Die Organisationen der Plattform appellierten an den Europarat, die EU-Kommission und die europäischen Staaten, bestehende Standards zum Schutz der Pressefreiheit einzuhalten. Zu der Plattform gehören beispielsweise Reporter ohne Grenzen, PEN International, die Europäische Rundfunkunion (EBU) sowie die Europäische Journalisten-Föderation.
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