„Polizeiruf 110“ aus Magdeburg: Ein einfacher Fall
Ein Wachmann wird erschlagen, 12.000 Smartphones sind weg, der Mörder wird gesucht. Der aktuelle „Polizeiruf“ ist ausnahmsweise ein ganz normaler Krimi.

„Wie geht’s Ihrem Sohn?“, fragt Drexler (Sylvester Groth) seine Kollegin Brasch (Claudia Michelsen). „Wie geht’s Ihrer Tochter?“, fragt die Hauptkommissarin zurück. Antworten gibt es keine – und privater wird’s nicht in diesem „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg.
Nach dem Shakespeare-„Tatort“ aus Wiesbaden, dem Münchener „Polizeiruf“-Trip mit Matthias Brandt, den Ulrike-Folkerts-Festspielen in Ludwigshafen und zuletzt dem harten Familienmord-„Polizeiruf“ aus Rostock dürfte der Krimi an diesem Sonntag alle jene befriedigen, die einfach nur mal wieder einen Fall gelöst sehen wollen. Einen typischen Fall, bei dem die reichen Töchter wirklich unausstehliche Biester sind, in dem der Professor seine Studentinnen flachlegt, in dem die Informatiker Nerds sind und bei dem die Zuschauerinnen und Zuschauer den Ermittlern stets drei Schritte voraus sind.
Die Story in Magdeburg: Ein Supermarkt explodiert, bei der Polizei geht ein Bekenneranruf ein, jede halbe Stunde würde nun ein weiterer Markt in die Luft fliegen. Ein Großeinsatz wird ausgelöst. Und während alle Märkte geräumt werden, erschlägt im Containerhafen irgendjemand einen Wachmann und klaut 12.000 Smartphones.
Explodiert ist dann nichts mehr. War das Ganze nur ein Ablenkungsmanöver für den Diebstahl im Hafen? Es dauert ein Weilchen, bis die Kommissare darauf kommen. Immerhin vermittelt diese Minderleistung der beiden Profis dem Zuschauer das Gefühl, klüger zu sein als die Polizei.
Magdeburg-„Polizeiruf 110“: „Eine mörderische Idee“; Regie: Stephan Rick; Buch: Stephan Brüggenthies, Olaf Kaiser und Stephan Rick; Darsteller: Claudia Michelsen, Sylvester Groth, Oliver Korittke, Steve Windolf, Felix Vörtler; So., 20.15 Uhr, ARD
Leider bezahlt der Zuschauer diesen Wissensvorsprung teuer. Er muss dafür Dialoge über sich ergehen lassen wie: „Für meine Studenten leg ich die Hand ins Feuer“ (Professor). – „Dann verbrennen Sie sich mal nicht“ (Kommissar). Oder: „Wenn du mir nichts sagst, kann ich dir nicht helfen.“ (Kommissarin im Verhör, Täter packt kurz darauf aus). Ist es das wirklich wert?
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Verkehrsminister wollen Kostensenkung
Luxusgut Führerschein
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
EU-Vorgaben
Wo Deutschland hinten liegt