Polizeiruf aus München: Die Welt auf Abstand halten

Ein Kommissar, der nichts an sich heranlässt, und nicht weniger verschlossene Möbelwelten. Ja, ganz leise, leichte Momente gibt es in diesem Krimi auch.

Matthias Brandt und Barbara Auer

Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer) am Tatort (im Polizeiruf). Foto: Christian Schulz

Vielleicht ist es so, dass einem die Nebensätze abhanden kommen, wenn man sich zulange mit den Abgründen anderer beschäftigt. Beim Münchner „Polizeiruf“-Kommissar von Meuffels wundert man sich jedenfalls manchmal, dass er überhaupt noch spricht. Matthias Brandt wäre aber auch noch unterhaltsam, wenn er statt dürren Hauptsatzkonstruktionen nur dieses verwundete Lächeln um den rechten Mundwinkel zur Verfügung hätte, um die Welt auf Abstand zu halten.

Es ist erstaunlich, dass Brandt seinen Kommissar auf nur anderthalb verschiedene Arten in die Kamera gucken lässt, aber man das Gefühl hat, dass das genauso sein muss. Während Ex-"Tatort“-Kommissarin Simone Thomalla das Publikum stets auf die Palme brachte, weil sie noch einen halben Gesichtsausdruck weniger drauf hatte.

In „Kreise“ (Buch und Regie: Christian Petzold) ist der Kommissar nicht der einzige, der sich einen Panzer zugelegt hat gegen die Unbilden der Realität. Da ist die ermordete Chefin eines Möbelunternehmens, die zu Lebzeiten mit den Menschen offenbar weitgehend abgeschlossen hatte. Jedenfalls behandelte sie ihr Schoßhündchen deutlich besser als ihren Mann Peter Brauer (Justus von Dohnányi).

Der verzieht sich in sein Studio, bastelt an Möbelmodellen herum und sinniert mit von Meuffels über die Klischees. „Erbschaft und Eifersucht, hier haben wir beides“, sagt von Meuffels zu seiner Ko-Ermittlerin Constanze Hermann (Barbara Auer).

Sonntag, 28.6.2015, 20.15 Uhr, ARD.

Dann sind da noch diese leichten Momente: „Er ist mit den Kindern allein, seine Frau ist weg. Mit einem Hersteller für Konfitüren“, sagt von Meuffels entschuldigend über seinen früh in den Feierabend eilenden Einsatzleiter Schrader (Jan Messutat) - „Ist das jetzt eine Verbesserung?“, fragt Hermann. Für einen Moment zieht von Meuffels auch den linken Mundwinkel hoch. Wenn etwas wirklich witzig ist, kann man aufs blöde Leben eben keine Rücksicht nehmen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de