Polizei-Einsatz gegen Hertha-Fans: Deeskalation nicht erwünscht
Im Olympiastadion kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen. Herthas Fanhilfe beklagt, die Polizei habe provoziert und eskaliert, die Verantwortung trage Berlins Innensenatorin Spranger.
Nach den heftigen Zusammenstößen zwischen Hertha-Fans und Polizei beim Zweitliga-Topspiel gegen Schalke 04 am Samstag im Berliner Olympiastadion erhebt die Fanhilfe von Hertha BSC schwere Vorwürfe gegen die Polizei und Berliner Politik. Von „massiver Polizeigewalt“ auf Hertha-Fans ist in einer Presseerklärung die Rede. Und von einem traurigen Höhepunkt einer Eskalations- und Provokationsspirale der Polizei, die seit etwa einem halben Jahr „durchgedrückt“ werde.
Vor dem 0:0 der Berliner gegen den Tabellenführer aus dem Ruhrpott war es am Samstag beim Einlass der Heimfans in das Olympiastadion zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Nach Angaben der Polizei waren dabei 31 Fans und 21 Polizisten dabei verletzt worden.
Die Fanhilfe von Hertha BSC beschreibt den Ablauf so: Schon am Eingang habe sich die Polizei „erneut“ nicht an Absprachen mit dem Verein gehalten und die anwesenden Fans provoziert. Bereits dort sei eine Festnahme ohne ersichtlichen Grund erfolgt. Die „Provokationen der Hundertschaften“ hätten sich anschließend in den Eingang zur Kurve verlagert. „Gegen die im Vorbereich wartenden Fans wurde anlasslos massive Gewalt ausgeübt, samt großflächigem Einsatz von Pfefferspray.“
Mindestens 30 verletzte Fans hätten sich anschließend von den Sanitätern behandeln lassen müssen. Weitere Fans seien „direkt durch Polizeigewalt schwerst verletzt“ worden und hätten in die Notaufnahme gebracht werden müssen. Zu rechnen sei mit zahlreichen weiteren Verletzten, die sich in medizinische Behandlung begeben mussten oder durch Pfefferspray verletzt worden seien, so die Fanhilfe.
Fanhilfe macht Iris Spranger verantwortlich
Ganz anders beschrieb die Polizei den Vorgang am Samstag auf X: Am Eingang zur Ostkurve hätten vermummte Fans Einsatzkräfte mit Absperrgittern, Sitzbänken, herausgerissenen Mülleimern und anderen Dingen randaliert, teilte ein Polizeisprecher mit. Zum Schutz der eingesetzten Beamten und der unbeteiligten Zuschauer sei es notwendig gewesen, Pfefferspray gegen größere Fangruppen einzusetzen.
Fanhilfe Hertha
Nach Angaben der Fanhilfe haben Vertreter des Vereins in den vergangenen Monaten immer wieder im Dialog mit der Polizei versucht, eine Deeskalation herbeizuführen. Die Ereignisse von Samstag zeigten indes, dass dieser von der Einsatzleitung und der verantwortlichen Innensenatorin Iris Spranger (SPD) „ganz offensichtlich“ nicht gewünscht sei. Spranger sei somit „direkt verantwortlich“ für jede Person, die am Samstag verletzt worden sei. Dem Vernehmen nach war Spranger bei dem Spiel im Stadion anwesend.
Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich kündigte nach dem Spiel eine intensive Aufarbeitung der Vorfälle an. „Dieses Spiel hätte einen Support verdient. Wir werden die Faktenlage zusammentragen und dann anständige Antworten geben und uns auch dementsprechend positionieren“, so Görlich. Beide Fanszenen hatten nach den Ausschreitungen auf ihre Unterstützung verzichtet, die Hertha-Ultras ihre Kurve verlassen.
Die Konfrontation ist der Höhepunkt einer seit dem Risikospiel gegen Dynamo Dresden Anfang November aufgeladenen Stimmung. Aus Polizeikreisen verlautete, dass man selbst von der Problematik überrascht sei, da es lange keine Schwierigkeiten mit der Berliner Fanszene gegeben habe.
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