Podcast über „Gruppe Reuß“: Hochgefährliche Extremist*innen
Eine neue Podcast-Reihe der ARD nimmt sich der „Gruppe Reuß“, an. Im Zentrum steht der Ex-Soldat und „Reichsbürger“ Rüdiger von Pescatore.
Foto: Boris Roessler/dpa
Vor 30 Jahren verschwundene Waffen aus DDR-Beständen, Vorbereitungen zum Aufbau eigener militärischer Strukturen, mutmaßliche Pläne zum bewaffneten Umsturz: Die Journalisten Helene Fröhmcke, Antonia Märzhäuser und Martin Kaul haben rund um die Gruppe „Patriotische Union“, besser bekannt als „Gruppe Reuß“, recherchiert und ihre Ergebnisse für den Podcast „Deep State – Vom Elitesoldaten zum Reichsbürger“ zusammengetragen.
Die erste Staffel der neuen Podcast-Reihe „Hateland“ mit Gastgeber Louis Klamroth erzählt wie ein fesselnder Krimi und gewährt neue Einblicke in das größte Antiterrorverfahren der Nachkriegsgeschichte. Im Zentrum steht Rüdiger von Pescatore, ein ehemaliger Fallschirmjägerkommandeur, der wegen Unterschlagens von Waffen bereits Ende der 1990er zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden war. Neben Prinz Heinrich Reuß soll er ein Rädelsführer der Reichsbürgergruppe gewesen sein, mutmaßlich bestimmt zum Oberbefehlshaber einer „neuen deutschen Armee“.
Martin Kaul hat seine Spuren verfolgt. Von Briefkastenfirmen in Brasilien, wo von Pescatore 20 Jahre lebte, bis zum sogenannten Gefechtsstand im kleinen Dorf Nellingsheim. Dort soll die Gruppe an Plänen für ein neues Militär gearbeitet und den Umsturz vorbereitet haben. Kaul und sein Team verfolgen hier auch die Spur von Waffen aus der Nationalen Volksarmee der DDR, die in den 1990er Jahren verschwanden und bis heute nicht wieder aufgetaucht sind.
Kaul trifft einen Angeklagten im Gefängnis und liefert Audiomaterial, das die Gefahr, die von den Reichsbürger*innen ausgeht, verdeutlicht. Die Podcast-Reihe zeigt eindrücklich, dass es sich nicht um eine Gruppe verschwörungsgläubiger Spinner handelt, sondern um strukturierte und ideologisch gefestigte Rechtsextremist*innen – mit Waffenbeständen, die sie am „Tag X“ einzusetzen bereit waren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert