Podcast mit MAGA-Eltern: Streiten und streamen
Der Podcast „The necessary conversation“ zeigt, wie Trump Menschen spaltet. Und wie seine Anhänger nicht mehr zwischen Wahrheit und Propaganda unterscheiden.
Foto: Jeenah Moon/reuters
Mit Menschen, die einem nahestehen, über unterschiedliche politische Ansichten zu sprechen, ist schwer. Laut einer Umfrage des National Public Radio hat in den USA jede vierte Person schon einmal eine Freundschaft oder Beziehung beendet, weil politische Ansichten nicht zusammenpassten. Aber wie ist es in der Familie? Bricht man den Kontakt ab oder versucht man, im Gespräch zu bleiben?
Der YouTube-Podcast von Chad Kultgen zeigt, wie schmerzhaft Letzteres sein kann. Seit 2022 treffen sich Kultgen und seine Schwester Haley Popp einmal pro Woche mit ihren Eltern in einen Videochat. Die Eltern sind überzeugte Trump-Anhänger, tragen Trump-Merch und verbreiten Fake News.
Im Podcast sprechen sie über politische Ereignisse. Die aktuelle Folge etwa beschäftigt sich mit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro. Schnell wird klar: Diese Gespräche kosten Kraft. Es wird geflucht, unterbrochen, beschuldigt. Ein Austausch ist so gut wie nie möglich, weil die Eltern der beiden so tief im MAGA-Sumpf stecken. Der Vater, Bob, nennt seine Kinder „fucking liberals“ und sagt, sie würden leider in die Hölle kommen. Man sitzt davor und fragt sich, wie viel die Geschwister noch aushalten können.
wöchentlich auf Youtube
Auch viele Zuschauer:innen reagieren wütend und verzweifelt. Warum solchen Ansichten Raum geben? Warum das alles öffentlich machen? Chat Kultgen selbst schreibt in einem Kommentar bei TribLive, er sehe seine Eltern als Opfer eines Kultes, denen es nicht mehr möglich sei zwischen der Wahrheit und technologiegetriebener Propaganda zu unterscheiden. Die wöchentliche Stunde sei der Versuch, sie, aber eben auch einen großen Teil der Boomer-Generation in den USA nicht ganz zu verlieren.
Wer ältere Folgen sieht, merkt schnell: Überzeugungen ändern sich kaum. Der Podcast zeigt keine Erlösung, kein Happy End. Er zeigt, wie sehr sich politische Weltbilder in Familien festsetzen können. Ob man solche Gespräche streamen muss, bleibt fraglich. Dass sie aber geführt werden, scheint notwendig. Und vielleicht liegt die größte Stärke des Formats darin zu zeigen: Diese Konflikte sind keine Ausnahme und man ist mit ihnen nicht allein.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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