Podcast „Sternstunde Philosophie“: Talkshow gegen den Trend
Das Schweizer Gesprächsformat „Sternstunde Philosophie“ füllt eine wichtige Lücke. Hier stehen keine Menschen, sondern Themen im Vordergrund.
Foto: Marion Nitsch/SRF
Das Skript der täglichen Talkshows im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wiederholt sich: Ein Staatschef kündigt etwas maximal Drastisches an und am Abend diskutieren Politiker*innen und Expert*innen ihre mal mehr, mal weniger stichhaltigen Interpretationen.
Fürs Geschäft ist das natürlich ideal. Irgendwo auf der Welt liefert schließlich immer ein Despot neues Material für den nächsten Abend. Gewiss erfüllt die Einordnung von Aussagen und Ereignissen in einen größeren Kontext den wichtigen Informationsauftrag. Auf Dauer ermüdet dieses immer gleiche Schema trotzdem.
Doch glänzt ein Stern im Schweizer Rundfunk am Talkshow-Himmel: Mit „Sternstunde Philosophie“ setzt dieser ein echtes Paradebeispiel gegen den Trend. Moderatorin Barbara Bleisch - eine der wechselnden Moderator*innen – führt wöchentlich lebendige Gespräche mit ihren Gästen verschiedener Hintergründe: Sie stellt Fragen, die nicht an der Oberfläche verharren, zeigt ehrliche Neugier und begegnet ihnen mit spürbarem Enthusiasmus.
„Sternstunde Philosophie“, Schweizer Rundfunk und Spotify
Das macht Lust, länger zuzuhören, etwa wenn es um die Rolle von Frauen in zeitgenössischen Revolutionen geht, um das Glück im Alter oder um die Unmöglichkeit, das Klima mit einem Schluck Hafermilch im Kaffee zu retten. Unter die reaktiven Einordnungen des politischen Tagesgeschehens mischen sich also immer wieder Themen, die die Sendung selbst auf die Agenda setzt.
Und während Sendungen wie „Caren Miosga“ oder „Markus Lanz“ häufig den Eindruck vermitteln, dass vor allem die Prominenz der Gäste zählt („Was sagt der Kanzler dazu?“), steht bei „Sternstunde Philosophie“ tatsächlich das Thema im Mittelpunkt.
Die Gäste stützen ihre Ansichten häufig auf empirische Erkenntnisse, ideengeschichtliche Ansätze oder politische Theorien und leiten ihre Positionen so aus übergeordneten Denktraditionen ab. Wer also nach anregenden Gedanken dürstet, könnte gut mit ein paar Folgen bedient sein.
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