YouTube-Kanal „Philosophy Tube“: Die Philosophie durchsteigen
„Philosophy Tube“ setzt sich unterhaltsam mit den großen Lebensfragen auseinander – mit Kostümen, Sketches und guter Recherche.
Philosophie zu verstehen, ist schwer. Die meisten Texte sind furztrocken und voller Wörter, die man noch nie gehört hat. Und wann überhaupt soll man all diese Texte lesen?
Wer mit diesem Überforderungsgefühl vertraut ist, kann auf Abigail Thorn setzen. Die 30-Jährige versucht mit ihrem YouTube-Kanal „Philosophy Tube“ den Überforderten verschiedene philosophische Konzepte schmackhaft zu machen. Aus linker Perspektive beschäftigt sie sich oft mit Gender, Feminismus oder soziale Gerechtigkeit.
So setzt sie sich beispielsweise mit der Ideologie des kanadischen Psychologen Jordan Peterson auseinander, der in den letzten Jahren zu einem Sprachrohr der Alt-Right-Bewegung geworden ist. Dabei deckt sie seine Denkfehler auf, ohne einen Strohmann aus ihm zu machen.
Einen Philosophieabschluss verschenken
Das Ganze fühlt sich dabei zum Glück nicht nach Schulunterricht an, sondern unterhält. Und je länger sie den Account betreibt, desto aufwändiger und auch qualitativ hochwertiger werden die Videos.
Thorn schlüpft je nach Thema in passende Kostüme: Mal trägt sie eine griechische Robe, wenn sie den Stoizismus erklärt, mal ist sie wie ein kubistisches Gemälde geschminkt, wenn sie die Frage nach dem Wert von Kunst beantwortet. Die Themen variieren dabei zwischen großen Weltfragen und kleinen Nischenproblemen. Doch immer mit Witz, ordentlich „Sass“ und sauberer Recherche.
Den Account betreibt sie schon seit zehn Jahren. Weil die Studiengebühren in Großbritannien so hoch sind, möchte sie mit ihren Videos quasi einen Philosophieabschluss verschenken – ganz so neutral wie die meisten Vorlesungen bleibt sie nicht immer. Wer also eine absolut objektive Darstellung der Theorien und Konzepte will, muss selbst an die Texte ran. Alle anderen sollten in den Genuss dieses Kanals kommen.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert