Persönlicher Beitrag zum Klimaschutz: Wie die Einzelnen die Welt ändern

Es bringt etwas, wenn Einzelne ihr Verhalten ändern. Keine Flugreisen und wenig Autokilometer sind ein Beitrag zum Klimaschutz.

"Act now" steht auf einem Transparent der Umweltschutzgruppe "extinction rebellion" bei einer Straßenblockade am Potsdamer Platz in Berlin

Die Gruppe „extinction rebellion“ ruft bei einer Straßenblockade zum Handeln jedes Einzelnen auf Foto: Paul Zinken/dpa

BERLIN taz | Es zog Rauch auf, immer mehr Partikel füllten das Wartezimmer, während junge Männer ein Formular zur Teilnahme an einer Studie ausfüllen sollten. Schnell brachten sie sich in Sicherheit – aber nur, wenn sie gerade allein waren. Die Studie führten die Psychologen Bibb Latané und John Darley vor mehr als 50 Jahren durch.

Und in Wirklichkeit ging es gar nicht um das Formular, sondern um das Verhalten in einer Notfall-Situation. Sobald in dem Wartezimmer noch andere vermeintliche Studienteilnehmer saßen, die den Rauch ignorierten, reagierten auch die Versuchspersonen oft nicht: Die anderen mussten doch Gründe zum Sitzenbleiben haben. Und würde man sich nicht blamieren, wenn man als Ein­zi­ge:r aufstand, Alarm schlug und sich das Ganze zum Schluss als harmlos entpuppte?

Das Ergebnis des Experiments ist ein Grund, dass der Psychologe Gregg Sparkman überzeugt ist: Es bringt etwas, wenn Einzelne ihr klimaschädliches Verhalten ändern – also im übertragenen Sinne bei Rauch wegrennen oder den Feuerlöscher holen. Unmittelbar ist der Atmosphäre zwar nur wenig geholfen, wenn jemand hier und da ein Molekülchen CO2 einspart. Aber das Verreisen per Bahn statt mit dem Flugzeug, die Solaranlage auf dem Dach, die vegane Essensbestellung im Restaurant signalisiert den Mitmenschen: Es gibt einen Notfall, Änderungen sind nötig – aber auch möglich.

„Das Senden sozialer Signale ist essenziell“, sagt Sparkman, der Juniorprofessor am US-amerikanischen Boston College ist. Das häufige Argument, dass politischer Wandel nun mal wichtiger sei, zieht für ihn nicht. „Viele nehmen an, dass menschliche Motivation ein Nullsummenspiel ist: Wenn man an einer Stelle etwas aufbraucht, fehlt es woanders.“ Es wäre natürlich kontraproduktiv, würden Menschen politischen Wandel in dem Glauben ablehnen, schon genug zu tun.

Ökostrom buchen und das Haus dämmen

„Einen solchen Effekt haben wir in unserer Forschung nur ganz selten festgestellt, nämlich in einem ganz konkreten Szenario: wenn zusammenkam, dass die fragliche politische Maßnahme sehr teuer war, die Kosten wiederum die Einzelnen statt etwa die Industrie belasten sollten und das eigene ökologische Verhalten sich gar nicht aus Identität und Werten ableitete“, erklärt der Psychologe. Bei Personen, die ihr ökologisches Verhalten sehr wohl mit ihrer Persönlichkeit verknüpften, habe man aber sogar das Gegenteil festgestellt: steigende Zustimmung zu klimapolitischen Maßnahmen.

Was die großen Hebel beim individuellen Verhalten sind, weiß Michael Bilharz vom Umweltbundesamt. Der Sozialwissenschaftler empfiehlt, sich den Kopf nicht zu sehr über Kleinigkeiten zu zerbrechen, sondern wenn möglich vor allem langfristig Wirksames in Angriff zu nehmen: Ökostrom buchen, das Haus dämmen, fossile Heizungen abschaffen. Zu den „Big Points“, wie Bilharz sagt, gehören auch noch: keine oder weniger tierische Produkte, keine Flugreisen, wenig Autokilometer. „Man kann so auch in Deutschland jetzt schon auf einen jährlichen CO2-Ausstoß von fünf Tonnen kommen“, sagt er.

Durchschnitt sind hierzulande ungefähr elf Tonnen und eigentlich steht jedem Menschen auf der Erde nur etwa eine zu. Im Idealfall stoße man so auch größeren Wandel an. „Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz und die davon ausgelöste gigantische Kostendegression der Solarenergie hätte es nie gegeben, hätten sich nicht vor 30 Jahren schon ein paar Leute Solaranlagen aufs Dach gebaut“, führt Bilharz an. „Das Erste, was man machen muss, ist diese Schraube im Kopf lösen: entweder der Einzelne oder die Politik.“

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