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Performance über Männer im FeminismusFeminist sein? So bitte nicht!

Die Theaterperformance „Men in Feminism“ hinterfragt, welche Rolle privilegierte Männer im Feminismus spielen – und setzt auf Humor statt Reflexion.

Lilly Schröder

Aus Berlin

Lilly Schröder

„Stimmt es, dass Männer Feministen sein wollen, um von Frauen gemocht zu werden?“, fragt eine weibliche Stimme aus dem Off. Der Mann auf der Bühne bejaht kleinlaut. „Fühlt sich Feminismus an wie ein Fluch?“, bohrt sie weiter. „Schreibt Feminismus Männern vor, dass sie ihre Männlichkeit aufgeben sollen? Ist das Patriarchat ein Daddy-Issue?“ Er antwortet kleinlaut: „Vielleicht …“

Der verunsicherte Mann spielt am Sonntag den ersten Teil der Theaterperformance „Men in Feminism“, die am vergangenen Wochenende in den Sophiensälen lief. Die Trilogie untersucht die Rolle privilegierter Männer im Feminismus aus indischer, ruandischer und deutscher Perspektive. Im Zentrum steht die Frage: Welche Rollen spielen Männer im Feminismus und was erwarten Feministinnen von ihnen?

Der indischstämmige Mann spielt einen Schauspieler, der an einem Casting teilnimmt, das nach dem „idealen feministischen Mann“ sucht. „Wir alle spielen eine Rolle. Mit Engagement kann ich jeder werden: auch ein feministischer Mann“, sagt er überzeugt. Die unsichtbare Stimme – teils Regie, teils Gewissen, teils gesellschaftlicher Spiegel – testet ihn: Ist Feminismus Schauspielerei? „Äh, ja!“, meint der. „Es ist eine Performance. Und ich bin Schauspieler.“

Es folgt eine Tanzsequenz: Er trägt Sonnenbrille und pinkfarbene Bomberjacke, in der Hand bell hooks’ Buch „Alles über Liebe“. Aus dem Off kommentieren weibliche Stimmen: „Was für ein Typ: Er hört tatsächlich zu! Er liest, er geht zur Therapie, er ist sanft, er kocht und putzt!“

„Performative Males“-Debatte

Es soll eine Anspielung auf „performative Males“ sein. Auf Tiktok werden so cis-Männer bezeichnet, die sich nur zu Selbstvermarktungszwecken feministisch inszenieren. Das Problem an dem Trend: Er trifft die falschen. Nicht diese Männer sind die Hauptgegner von Feministinnen. Es sind die Männer, die geschlechtsspezifische Gewalt legitimieren oder reproduzieren, die feministische Errungenschaften angreifen und patriarchale Machtverhältnisse verteidigen.

Das Stück karikiert Männer, die behaupten, Feministen zu sein. Eine solche Überspitzung kann unterhaltsam sein, doch solange es kaum Theaterarbeiten von Männern gibt, die sich ernsthaft, selbstkritisch und tiefgehend mit der eigenen Verstrickung in patriarchale Strukturen auseinandersetzen, reproduziert diese Form ein altbekanntes Muster: Feminismus wird zum Gegenstand des Spotts statt zum Anlass echter Auseinandersetzung.

Das Stück lässt wenig Raum für Ambivalenzen, buchstabiert Pointen aus, statt Räume für Reflexion zu öffnen, und reproduziert stereotype Geschlechterbilder (ironisch!). So heißt es etwa im zweiten Teil des Stücks „Kalinga“, das Geschlechtergerechtigkeit im heutigen Ruanda hinterfragt: „Ich bin ein perfekter feministischer Mann: Ich räume auf, spüle, wasche, fege und koche. Ich bin jederzeit bereit für Sex, wenn sie es möchte.“ Ihm wird ein toxischer Mann gegenübergestellt, der alle Klischees bedient.

Stereotypische Überzeichnung statt Tiefgang

Zu bedauern ist die Unterkomplexität des Stücks vor allem, weil der Ansatz, Feminismus aus einer nicht-eurozentrischen Perspektive zu betrachten, großes Potenzial hat. So erfährt man etwa, dass der Begriff Feminismus in der Sprache Kinyarwanda nicht existiert, obwohl Gleichberechtigung in Ruanda auf allen politischen Ebenen propagiert wird und Frauen 74 Prozent der Erwerbstätigen stellen.

Doch die Frage, welche Rolle Männer im Feminismus spielen sollten, bleibt unbeantwortet. Allenfalls wird sie ironisch und in Negativform verhandelt: So sollten feministische Männer nicht sein.

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