Ostermusik von Joseph Haydn: Worte zu den Worten
Für Ostern schrieb Joseph Haydn ein Oratorium. Eine neue Einspielung des RIAS Kammerchors und des Konzerthausorchesters Berlin zeigt dessen elegante Qualitäten.
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ – „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – „Es ist vollbracht.“ Die Sätze, die der gekreuzigte Jesus spricht, gehören zu den wirkmächtigsten der Bibel.
Zu Joseph Haydns Zeiten dürften sie Kirchgängern bekannt gewesen sein. So konnte der Komponist, als er 1787 den Auftrag für eine Passionsmusik über „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ erhielt, ein reines Orchesterwerk in getragenem Tempo schreiben, mit instrumentalen Sätzen, um beim Zuhören über die Worte Jesu zu meditieren. Der Erfolg war groß, Haydn legte daher eine Fassung für Streichquartett und eine für zwei Klaviere nach.
„Die sieben letzten Worte“ hatten sich für ihn damit nicht erledigt. Knapp zehn Jahre später folgte auf die wortlosen „Worte“ ein Oratorium mit Solisten und Chor und diesmal auch Text. Haydn näherte sich so den Ostermusiken Bachs, wenngleich bescheidener im Umfang und mit klassisch vornehmer Expressivität. Im Vergleich zu Bachs Passionen ist Haydns Beitrag zum Osterfest heute weniger bekannt.
Joseph Hadyn: „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“. RIAS Kammerchor, Konzerthausorchester Berlin, Justin Doyle (Harmonia Mundi)
Die Einspielung des RIAS Kammerchors mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Justin Doyle möchte das ändern. Chor und Orchester führen darin einen Dialog, bei dem sich Gesangs- und Instrumentalstimmen mitunter fast liturgisch schlicht parallel bewegen.
Dass das Ergebnis immer noch schlank wirkt, liegt auch an den beteiligten Ensembles. Vor allem der RIAS Kammerchor pflegt einen transparenten Klang, der dieser Musik bestens bekommt. Ebenso das Solistenquartett, das sich selbst in dramatischen Momenten vorbildlich zurücknimmt. Dem Ausdruck tut das keinen Abbruch, man kann sich von dieser eleganten Klarheit durchaus anrühren lassen. Am Ende bebt sogar die Erde.
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