Osterferien und Corona : Überhitzte Debatte
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer ist gegen den Osterurlaub – und der Shitstorm ist da. Aber die meisten werden ohnehin zu Hause bleiben.
D a gibt der Ministerpräsident von Sachsen einer Boulevardzeitung ein Interview – und das Land scheint (wieder mal) kopfzustehen. Die Kommentare zum Vorschlag des CDU-Mannes Michael Kretschmer, Urlaub während der Ostertage wegen der noch immer hohen Infektionszahlen ausfallen zu lassen, sind erwartungsgemäß so kontrovers wie die Haltungen zur Coronabekämpfung. Zugespitzt formuliert, reichen sie insbesondere in den sozialen Medien von „Was will der Depp denn jetzt?“ über „Ich verreise trotzdem, und zwar zu einer Querdenken-Demo“ bis hin zu „Recht hat er“.
Die steile Erregungskurve über die Äußerung eines Ministerpräsidenten, der über Osterreiseverbote ohnehin nicht allein entscheiden kann, zeigt einmal mehr, wie pandemiemüde die Menschen sind und wie das Aggressionslevel dadurch weiter steigt. Das ist in jeder Hinsicht verständlich; Homeoffice, Homeschooling und das Gefühl des Eingesperrtseins zehren erheblich an den Nerven.
Nur leider tritt eine Entspannung nicht ein, wenn man sich über nahezu jede Aussage von irgendwem mächtig aufregt. So richtig oder unverständlich sie auch sein mag. Und so verständlich es ist, dass sich viele Menschen auf freie Ostertage freuen und diese auch einmal anderswo verbringen möchten als in den eigenen vier Wänden. Die kann man schon lange nicht mehr sehen.
Die meisten Menschen in den Städten kennen durchs Dauerspazierengehen mittlerweile jeden Pflasterstein, und die in Dörfern ahnen sicher schon, wie der Grashalm aussieht, noch bevor er aus der Erde kommt.
Am Ende aber dürfte es Anfang April so kommen wie im vergangenen Jahr während der Ostertage: Die meisten Menschen bleiben zu Hause, manche fahren in ihre Wochenendhäuser, andere für einen Tag ins Grüne. Das mag man richtig oder falsch finden. Tun werden es die Menschen trotzdem. Und dann diese vor allem medial geführte Debatte längst vergessen haben.
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