: Orte ohne Angst
Der Zustand der Toiletten ist an vielen Schulen beklagenswert, nicht wenige Schüler*innen verzichten lieber auf einen Besuch. An einer Gesamtschule in Wuppertal versuchen sie das zu ändern. Und an einer Realschule in Münster haben sie es schon geschafft
Aus Wuppertal Benno Schirrmeister
Jetzt bricht die kleine Gruppe aber erst einmal auf, um die Klos zu besichtigen. Da können die zwei Lehrkräfte und fünf Schüler*innen der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg im Norden Wuppertals, also kurz Ges-Nord, einfach besser zeigen, wie sie aus ihnen angstfrei nutzbare Orte machen wollen, vielleicht am Ende sogar behagliche, darüber wäre zu reden. Aber erst einmal: Orte ohne Angst. Das ist so das Minimalziel.
Entsprechend hat sich die Toiletten-AG Anfang des Schuljahrs in „Safe Area“ umbenannt. Das hilft auch, Missverständnisse zu beseitigen, echte ebenso wie böswillige: „Manche behaupten, wir würden die Klos reinigen“, sagt Alessia Naftanaila. Natürlich nervt das die Siebtklässlerin und ihre Mitschüler*innen, die sich jeden Mittwoch in der Mittagspause mit den Lehrerinnen für die AG treffen. „Wir sagen dann, wir putzen die nicht“, so Alessia Naftanaila. „Wir setzen uns dafür ein, dass man hygienisch auf Toilette gehen kann.“
Das Schulklo ist in der öffentlichen Debatte der Ort, an dem sich die Krise kristallisiert. Sie wissen schon: Sanierungsstau, marode Infrastruktur, überschuldete Kommunen, diese ganze Scheiße halt. In dem Sinne wird das Schulklo auch auf der ganz großen Bühne beschworen: „Wir wollen“, hat Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) im Bundestag erklärt, warum die Regierung vorhat, in jedem Jahr ihrer Amtszeit 120 Milliarden Euro zu investieren, „dass die Schultoilette, die schon seit Jahren nicht mehr benutzt werden kann, repariert wird“; na, und noch ein paar andere Sachen mehr.
Uellendahl-Katernberg ist einer der drei Bezirke von Elberfeld, das dank preußischer Regierungskunst mit Barmen, Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel zur Großstadt Wuppertal collagiert worden ist, die mittlerweile fast 350.000 Einwohner hat. Die Ges-Nord nahm im Sommer 2013 ihren Betrieb auf, direkt neben der Grundschule und zunächst nur in den Räumlichkeiten der abzuwickelnden Hauptschule an der Kruppstraße. Mittlerweile hat man drei Abijahrgänge schon hinter sich, ist auf 1.300 Schüler*innen angewachsen. In den 2019 eingeweihten Neu- und Umbau inklusive Verbindungsbrücke hat Wuppertal 39 Millionen Euro gesteckt, eine Rekordsumme für die Stadt, deren Haushalt bei knapp 2 Milliarden Volumen jährlich gut 150 Millionen Euro mehr Ausgaben als Einnahmen hat. Dieses gewaltige strukturelle Defizit in den Griff zu kriegen, wäre auch dann schwierig, wenn es gerade keine Rezession gäbe.
Das Blassgrün der Kabinenwände
Neue Klos wurden damals auch eingebaut in die Ges-Nord, insgesamt 71; wenn in Schulen die Arbeitsstättenverordnung gelten würde, müssten es 20 mehr sein, aber das tut sie ja nicht. In den Jungstoiletten müffelt es. Jemand hat Papierhandtuchklöße angefeuchtet, womit auch immer, und mit aller Wucht an die Wand geknallt, wo sie kleben bleiben, ein altes Spiel. Auf einigen Kacheln gibt’s Edding-Tags. Heute ist es trocken, trotzdem sind schon ein paar Fußspuren sichtbar. Es ist kurz nach 10 Uhr, die erste große Pause beginnt jetzt, und der Junge, der vom Hof in den Vorraum tritt, kriegt erst einmal einen Schreck, weil da eine Lehrerin steht mit der Safe-Area-AG und alle kritisch die Edding-Tags auf den Kacheln mustern. „Es sind halt Schulklos“, sagt er. Es klingt schicksalsergeben. Das Licht ist hart, und das Blassgrün der Kabinenwände wirkt so leblos, dass es auch ein Grau sein könnte.
Unschön. Aber eine Katastrophe sind die Klos in der Ges-Nord nicht. Sie funktionieren, würde man aus Erwachsenensicht sagen. Aus Sicht der Schüler*innen, die auf sie angewiesen sind, stimmt das nur so halb, obwohl die AG zusammen mit der Schulleitung ja erste kleine Verbesserungen durchgesetzt hat.
Eltern hatten sich beschwert. Die Kinder tranken einfach nichts mehr, um während des Schultags nicht aufs Klo zu müssen. Manche hatten zu Hause von ihren Nöten in den Sanitäranlagen berichtet, von Ängsten, beispielsweise weil die Trennwände unten gut 15 Zentimeter Abstand zum Boden haben. Da ein Smartphone durchschieben, um zu filmen oder zu knipsen, das ist schnell geschehen. Auch war es zu Zerstörungsaktionen gekommen, nichts Dramatisches, aber eben schon ein Ausdruck von Wut. Der bewirkt wiederum ein Unbehagen bei denen, die auf ihre Spuren stoßen. „Wir haben uns gesagt: Diese Beschwerden, das ist eine Chance“, erklärt Birgit Högn der taz am Telefon.
Die stellvertretende Schulleiterin der Ges-Nord macht derzeit ein Sabbatical. In der Sache Schultoiletten aber bleibt sie ansprechbar. Sie hat seinerzeit die Schüler*innenvertretung mit an Bord geholt und in der Lehrer*innenschaft für Unterstützung geworben. „Ohne die Kolleginnen, die das zu ihrem Thema gemacht haben, wäre daraus nichts geworden.“ Man hat also die Schultoilette als pädagogischen Ort ernst genommen, und das ist wichtig. Allzu oft seien in Deutschland Gebäudemanagement, lokale Medien und auch viele Schulleitungen „ganz schnell dabei, den Ort als etwas zu benutzen oder zu sehen, wo alles immer ganz schlimm ist – und viel Fehlverhalten passiert“, sagt Svenja Ksoll von der German Toilet Organization (GTO).
Der Verein bündelt seit 2005 Aktivitäten zum Menschenrecht auf Wasser und den Zugang zu angemessener hygienischer Versorgung, das fast der Hälfte der Erdbevölkerung verwehrt bleibt, mit oft tödlichen Folgen. Ein entwicklungspolitisches Thema. Aber bei den Projekttagen an Schulen sei dann auch die Frage in den Fokus gerückt: Wie sieht es hier aus – und wie sollte es sein? Entstanden ist daraus in Kooperation mit dem Institut für Hygiene und Sozialmedizin der Uni Bonn die bislang einzige wissenschaftliche Studie zum Thema mit knapp 1.000 befragten Berliner Schüler*innen.
Die Organisation
Die German Toilet Organization (GTO) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit über 20 Jahren für eine weltweite Verbesserung der sanitären Versorgung einsetzt. Ein Augenmerk richtet sie dabei auch auf die Situation an Schulen. 2024 veranstaltete die GTO den 1. Deutschen Schultoilettengipfel. Bei dem Wettbewerb „Toiletten machen Schule“ werden die Schulen ausgezeichnet, die die besten Ideen zur Verbesserung der stillen Örtchen entwickelt haben.
Das Informationsportal
„Toiletten machen Schule“ nennt sich auch das Informationsportal der GTO, das am 20. Mai gelauncht wurde. Schüler*innen, Eltern und Schulgremien erhalten mit dem Portal einen Leitfaden, wie sie sich um die sanitäre Versorgung ihrer Schulen kümmern können: Die Bildung von Gruppen für AGs, Checklisten der Istzustände und Praxisbeispiele werden dort strukturiert aufgearbeitet.
Der Ansatz
Ein besonderes Anliegen der GTO ist die Partizipation der Jugendlichen an den Schulen. Schüler*innen fühlten sich von der Politik nicht ernst genommen, sagt Jakob Zierep, Mitglied der Bundesschüler*innenkonferenz. „Saubere Toiletten müssen an allen Schulen sichergestellt werden, das ist ein Menschenrecht.“ Die Bundesschüler*innenkonferenz fordert darum die kostenlose Ausstattung mit Periodenprodukten und die Einrichtung genderneutraler Toiletten. Albertina Pangula
Seit 2014 schreibt die GTO zudem den Deutschen Schultoiletten-Preis aus. Er soll jenen Ort in der Schule enttabuisieren, der die Schüler*innen am persönlichsten berührt, ihn aus der Beschämungsmechanik befreien. Denn die Klos würden oft rein funktional betrachtet, so Ksoll. „Wenn dann etwas nicht funktioniert, verschieben wir die Verantwortung auf die Kinder.“ Dabei geschieht der Fehler meist vorher. „Es wird nicht darauf gehört, was ihre Bedürfnisse sind.“ Was entsteht, sind bestenfalls rein zweckbezogene Defäkieranlagen. An ihrer Schule sähen die Klokabinen aus, bestätigt Högn, wie sie sich Gefängnis-WCs vorstelle. „Daraus spricht eine fehlende Wertschätzung für die Kinder“, sagt sie. „Das bricht mir das Herz.“
Schulen bieten außer den Klos nur selten Orte, wo man mit sich und seinen Gefühlen allein sein kann, wo man zum Beispiel heulen kann, und diese Funktion bei der Gestaltung mitzubedenken, wäre wichtig. Zugleich trifft man aber auch gar nicht so selten auf Schulklos, die normkonform installiert sind, mit denen Kinder aber trotzdem nicht zurechtkommen – zum Beispiel, weil sie die jeweilige Form nicht kennen, weil die Spülung zu schwergängig ist oder weil das Urinal für sie zu hoch hängt. Zugleich ist das Gefühl, missachtet zu werden, eine leicht nachvollziehbare Ursache von Vandalismus. Da wäre anzusetzen.
Stattdessen wird in Schlagzeilen landauf, landab auf Tiktok-Trends und die Jugend gezeigt, die schlimmer ist als alle vor ihr. „An schlimmen Schultoiletten sind meistens Kinder schuld“, hat Radio Wuppertal Anfang Mai vermeldet. Besonders schuldige Kinder frequentieren demnach eine kommunale Bekenntnisschule. Die Jungsklos in einem denkmalgeschützten Ziegelbau ziert ein ebenfalls historisches Pissoir, dessen ordnungsgemäße Nutzung die kleinen Jungs offenkundig verweigern, sündhaft und böswillig, wie sie nun mal sind. Im März ist wegen Gestanks sogar mal der Unterricht an der Schule einen Tag ausgefallen.
In Uellendahl-Katernberg gibt es keine solchen Vorfälle. Dort hatte sich die Toiletten-AG anfangs als „Task-Force“ bezeichnet und die sanitäre Situation der Ges-Nord durch eine detaillierte Bestandsaufnahme sowie Fragebögen ermittelt. Dann hat die AG sich als „Clean-Team“ neu definiert und aufgrund dieser sozialräumlichen Daten bauliche und organisatorische Verbesserungsvorschläge entwickelt, also für den erwähnten Sichtschutz oder fest installierte Mülleimer, wenigstens auf den Mädchentoiletten, um Tampons oder Binden entsorgen zu können. Sie hat täglich zwei Reinigungszyklen angeregt. Ebenso, Kabinenschlösser auszutauschen, weil die sich mit einer 10-Cent-Münze von außen öffnen ließen. Das zumindest ist jetzt bei den Hoftoiletten vorbei: Für ihre Ertüchtigung wurden die Finanzmittel im November 2025 freigegeben, so das Presseamt der Stadt. „Alle nachfolgenden Punkte mussten gestrichen werden – und zwar, „weil der Neubau unter Beachtung der erforderlichen Vorschriften erfolgt ist“.
Markus Weweler, stellvertretender Leiter der Realschule Wolbeck in Münster
Hannah Braun hatte seinerzeit zu den Initator*innen der AG gehört. Mittlerweile geht sie in die Oberstufe und ist direkt von einer Klausur zur Begehung geeilt, sozusagen als Veteranin, einfach weil sie auch stolz darauf ist, zu sehen, „wie unser Baby weiterlebt“, in der nächsten Schüler*innengeneration. Die Ablehnung der Forderungen nimmt sie ziemlich gelassen. „Natürlich fühlt man sich da nicht gehört von der Stadt“, sagt sie, aber sie hat, durch die Arbeit in der Schüler*innenvertretung, einen Begriff davon, wie schwierig es sein kann, über Vorschläge zu entscheiden, und kennt Wuppertals Finanznot. Wichtiger ist ihr, das Thema verankert zu haben – und die Anerkennung. Denn für seinen datenbasierten Ansatz hatte das Clean-Team der Ges-Nord 2024 einen Sonderpreis beim Schultoiletten-Wettbewerb der GTO erhalten, Verleihung in Berlin, Anreise und große Bühne: „Das war schon ein tolles Gefühl“, sagt sie. „So für das eigene Engagement ausgezeichnet zu werden, das gibt einem viel zurück.“ Und nein, sich ausgerechnet fürs Schulklo einsetzen zu müssen, sei ihr keinen Moment merkwürdig vorgekommen. „Was soll daran merkwürdig sein?“, fragt sie, mit Nachdruck, zurück. „Also ich kann da gar nichts Merkwürdiges dran erkennen.“
Auch ihre Nachfolger*innen, das Safe-Area-Team, lässt sich nicht beirren. Es setzt auf Kontrolle und Steuerung von Zugang als kostenneutrale Möglichkeit, Sicherheit herzustellen. Ein Klub soll her, wo alle unentgeltlich Mitglied werden können, vorausgesetzt, sie unterzeichnen eine Vereinbarung. Start ist im Juni. Momentan sind die Toilettenanlagen unten an der Aula ja tagsüber abgesperrt. Mitglieder sollen sie in den Pausen besuchen dürfen. „Vorm Eingang wird es dann einen Checkpoint mit Schlüssel geben“, erklärt Siebtklässler Moritz Braunersreuther, und bei Schlüsselrückgabe erfolge dann eine gemeinsame Kontrolle. Den Dienst sollen die Klubmitglieder im Wechsel übernehmen. Jeder muss mal, so der Plan.
Den Zugang zu angemessener Sanitärversorgung haben die Vereinten Nationen 2010 als ein Menschenrecht anerkannt. Später ist dann präzisiert worden, dass „für Menstruationsgesundheit und -hygiene“ notwendige Einrichtungen mitgemeint sind und der Anspruch „insbesondere in Schulen“ zu verwirklichen sei. Angemessen bedeutet in Menschenrechtsfragen nie bloß das gerade so eben noch Vertretbare. Der Standard müsste das erreichbare Höchstmaß sein – aus der Perspektive der Verletzlichsten.
Zumal hier auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit berührt ist, wie Andrea Rechenburg bestätigt. Die promovierte Wissenschaftlerin am Bonner Hygiene-Institut ist Co-Autorin der GTO-Studie. Ihr zufolge ergeben sich aus der Schulkloproblematik „gravierende gesundheitliche Folgen“. Die Vermeidung dieser Angstorte könne zu „Harnverhaltung und Harnwegsinfektionen führen, manche beginnen auch wieder einzunässen, und oft kommt es zu Dehydrierung“. Die verschlechtert die Konzentrationsfähigkeit und schädigt das Kurzzeitgedächtnis – Schlüsselfähigkeiten im Lernprozess. Das Recht auf Ganztagsschule werde dieses Problem verschärfen. „Ein Schulkind sollte rund siebenmal täglich auf Toilette gehen“, so Rechenburg. „Das bedeutet im Minimum zweimal während der Schulzeit“, im Ganztagsbetrieb also „bis zu viermal“.
Die öffentliche Hand ist da schon in der Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Also ist es gut, wenn der Staat dafür auch Geld bereitstellt. Aber das allein reicht nicht. „Bitte keine Investitionen in Schultoiletten ohne pädagogisches Konzept“, warnt Markus Weweler sogar. Der Lehrer für Bio und Sport ist stellvertretender Leiter der Realschule Wolbeck in Münster, deren geradezu euphorisierende Toiletten seit 16 Jahren bundesweit als Vorbild gelten. Fast täglich reisen Delegationen aus Bayern, aus Niedersachsen, aus Hamburg an, um sie sich anzuschauen.
Weweler ist gewissermaßen der Hüter des Wissens vom gelingenden Schulklo oder besser: sein Verkünder, denn er teilt dieses Wissen gern. Dessen Kern: die Jugendlichen ernst nehmen, sie gewähren lassen – beim Gestalten des eigenen Ortes. Die Gelegenheit dazu ergab sich in Münster bei der großen Sanierung 2010. Was die Schüler*innen dann aus den trübseligen Toiletten gemacht und wie es ihre Nachfolgerinnen seither weiterentwickelt haben, wie sie die Verantwortung für den Zustand der Anlage annehmen und untereinander organisieren, davon ist er noch immer begeistert.
Eine Videoführung reicht aus, um das verständlich zu machen: An den Oberlichten stehen Duftspender. Die Lichttöne wechseln wie in einer Biosauna. Eine Discokugel mischt dem Besuch auf dem stillen Örtchen eine wohlig-psychedelische Note bei, ganz ohne Drogen: Ein großes Gemälde über den Waschbecken versammelt Comic- und Mangafiguren, Picachu, Kagura Bachi, Popeye, es ist eine illustre Gesellschaft, mit der die Kinder die Wand belebt haben. Pflanzen gibt’s auch. Es ist ein aparter Ort: Als Erwachsener wäre man nie auf die Idee gekommen, sich ein Klo so einzurichten. Kinder sind anders. Zum Glück.
Das Medienecho ist riesig: Spiegel, Kika, Good News – überall gab es schon Bilder aus dem Wolbecker Schulkloparadies. Nicht selten reisten die Besuchergruppen mit irrigen Vorstellungen an, so Weweler: „Die sagen dann oft: Wir wollen mal schauen, wie wir unsere Toiletten verschönern“, erzählt er. „Davor kann ich nur warnen.“ Ohne ernsthafte Beteiligung von Anfang an drohe das „den Graben sogar noch einmal zu vertiefen“. Da würden dann ein paar Zehntausend Euro am Bedarf vorbei investiert, und wenn die schicken Pissoirs dann nicht angenommen und beschädigt würden, sei man schnell wieder bei Schuldzuweisungen. „Dann heißt es: Wir haben euch das jetzt so schön gemacht, und ihr macht es einfach kaputt“, so der Pädagoge, „das geht doch nicht!“
Natürlich geht auch in Münster mal was kaputt. Am Ende sind es doch Funktionsräume, die stark beansprucht werden – aber eben nicht mut- oder wutwillig zerstört. „Wahrscheinlich haben wir hier deshalb die billigsten Schulklos von ganz Münster“, so seine Vermutung. „Diese Toilettenanlagen, die sind einfach klasse“, sagt Weweler. „Wir sind stolz darauf. Das ist etwas Besonderes. Das sorgt für Zusammenhalt.“
„Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Der Schlüssel war, dass wir damals Verantwortung mit Zutrauen gekoppelt haben – und nicht mit Schuld“, sagt Weweler. „Es geht hier um Demokratie.“ Das sei das große Thema. Das gelinge nur, wenn man die Schüler*innen als Bürger*innen ernst nehme. „Und wir fangen damit an der stinkendsten Stelle der Schule an. Da, wo es wirklich am schändlichsten ist.“ Auf dem Klo eben.
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