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Orientierungslauf für Fortgeschrittene

Die deutsche Wirtschaft steht vor einer umfassenden Transformation. Hiesige Akteure müssen sich in fünf Bereichen neu aufzustellen und innovative Geschäftsmodelle entwickeln. Daran können sich auch all jene orientieren, die nachhaltig investieren wollen

Von Lars Klaaßen

Gute Nachrichten scheinen gerade rar zu sein. Insbesondere gilt das für die deutsche Wirtschaft. Wenn einem der Sturm ins Gesicht bläst und kein Stein auf dem anderen zu bleiben scheint, ist business as usual keine Option. Zeit, anzupacken. Aber wo und wie? Dafür braucht es Überblick. Orientierung gibt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK). Sie benennt fünf Bereiche, in denen sich die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft schnell und umfassend wandeln. Dort gilt es, sich neu aufzustellen. Wer sein Geld nachhaltig anlegen möchte, sollte sich daran orientieren (siehe Kasten).

Auf jene vielen Fachkräfte, die hierzulande jährlich in Rente gehen, folgen deutlich geburtenschwächere Jahrgänge. Zudem können Hochqualifizierte sich heute weltweit bewerben. So erwarten laut DIHK 85 Prozent der deutschen Unternehmen negative Effekte aufgrund von Engpässen. Doch Betriebe können gegensteuern. Wer Work-Life-Balance ernst nimmt, etwa Remote Work anbietet, flexiblere Arbeitszeiten oder Kinderbetreuung, wird als Arbeitgeber attraktiver – und kann etwa auch alleinerziehende Mütter für sich gewinnen. Faire Arbeitsbedingungen sollten zwar selbstverständlich sein, erhöhen aber auch die Attraktivität von Ar­beit­geber:in­nen.

Unter Älteren und Menschen mit Behinderung findet man ebenfalls viele Fachkräfte, und man sollte ihnen Bedingungen bieten, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Mit Ausbildung und maßgeschneiderten Qualifizierungsangeboten punkten Unternehmen nicht nur bei ihren Mitarbeitenden, sondern schaffen sich eben jene Fachkräfte, die sie benötigen. Beim Recruiting sind neue Ideen angesagt, wie ein Mitarbeiter-suchen-Mitarbeiter Programm zu etablieren und Angestellte als Markenbotschafter für den Betrieb zu gewinnen.

Auch mithilfe konsequenter Digitalisierung lässt sich der Fachkräftemangel zumindest in Teilen mildern – indem man Prozesse automatisiert. Neben dem Ausbau der Infrastruktur wie dem 5G-Netz sind die Aufgaben auch unternehmensintern beträchtlich. Eine effiziente Digitalisierung der Abläufe erfordert vor allem IT-Sicherheit. Hierfür bestand 2025 kein Grund zur Entwarnung, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seinem „Bericht zur Lage der IT-Sicherheit“ betont: „Zwar sind wiederholt Erfolge gegen Cyberkriminalität zu verzeichnen, die sich weiter zuspitzende geopolitische Lage führt aber zu einer unverändert angespannten IT-Sicherheitslage. Ein wesentlicher Faktor dafür sind weiterhin die unzureichend geschützten Angriffsflächen.“ Deren Schutz sei 2026 der entscheidende Hebel.

Wie der diesjährige Bericht zeigt, suchen sich Angreifer verstärkt einfach anzugreifende Ziele mit schlechter Resilienz aus. „Alle Institutionen müssen ihre Risikobewertung entsprechend anpassen: Je schlechter eine Angriffsfläche geschützt wird, desto wahrscheinlicher wird ein erfolgreicher Angriff“, so das BSI. „Dagegen senkt jedes konsequente Angriffsflächenmanagement – etwa ein restriktives Zugangsmanagement, zeitnahe Updates oder die Minimierung öffentlich erreichbarer Systeme – das Risiko erfolgreicher Angriffe unmittelbar.“ Dies trifft nicht nur auf große und umsatzstarke Unternehme, sondern genauso kleine und mittlere Unternehmen, Behörden, Wissenschaft sowie Bürgerinnen und Bürger zu.

Ohne Digitalisierung wird es auch mit der Dekarbonisierung schwer. Bis zur Klimaneutralität ist es ohnehin für die meisten Unternehmen noch ein weiter Weg. Und der hat es in sich. Aufgrund immer strengerer regulatorischer Bestimmungen stehen insbesondere Industriebetriebe und produzierendes Gewerbe vor der großen Herausforderung, den gesamten CO2-Fußabdruck ihrer Produkte nahtlos zu erfassen. Dies gelingt nur über einen ständigen Datenaustausch entlang der gesamten Wertschöpfung. Die aktuelle Blockade der Straße vonHormus zeigt, wie schnell kriegerische Auseinandersetzungen Lieferketten einschränken oder unterbrechen – mit weitreichenden Auswirkungen auf Ver­brau­che­r:in­nen und Unternehmen auch in Deutschland. Unternehmen, die auf Diversifizierung von Lieferketten und eine regionale Energieversorgung setzen, sind klar im Vorteil. Es gilt, beim Lieferantennetzwerk, den Produktionsstandorten sowie den Beschaffungs- und Absatzmärkten die Risiken zu streuen und Resilienzen aufzubauen.

Das erfordert teils hohe Investitionen. Deshalb rückt andererseits Bürokratieabbau in der Außenwirtschaft stärker in den Fokus, ebenso der Abschluss neuer Handelsabkommen mit wichtigen Partnern wie dem Mercosur, Indien oder Indonesien.

Fünf Koordinaten für nachhaltige Investments

Gute Ideen, die den demografischen Wandel antizipieren, also die Alterung unserer Gesellschaft und den damit einhergehenden Fachkräftemangel.

Überzeugende Schritte, die die Digitalisierung nicht zuletzt in Deutschland voranbringen.

Die Dekarbonisierung der Wirtschaft, vor allem der Produktion.

Diversifizierung von Lieferketten, um Engpässen vorzubeugen und Anpassung an neue Rahmenbedingungen durch neue Handelsabkommen.

Disruptive Innovationen wie KI und Wasserstoffwirtschaft, die Geschäftsmodelle völlig neu definieren werden.

Zu den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen kommen die technologischen. Disruptive Innovationen werden einerseits viele bestehende Geschäftsmodelle grundsätzlich in Frage stellen. Andererseits eröffnen sie völlig neue Möglichkeiten. Dazu zählen KI und die anstehende Umstellung auf eine klimaneutrale Energieversorgung durch den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft. Für den Aufbau einer Deutschen Wasserstoffwirtschaft wiederum hat die Bundesregierung eine nationale Strategie entwickelt. Sie weist den Weg, den Rohstoff ausreichend verfügbar zu machen, eine H2-Infrastruktur zu schaffen und Wasserstoffanwendungen zu etablieren. Ziel ist die Marktführerschaft in diesem ganz neu entstehenden Sektor.

Es gibt im Land der Ingenieure also viel zu tun, um die Wirtschaft der Zukunft zu gestalten. Dies ermöglichen nicht zuletzt all jene, die in diesen Bereichen investieren. Ein guter Grund dafür: Man kann selbst davon profitieren. Für An­le­ge­r:in­nen lohnt der Blick auf Unternehmen, die sich frühzeitig gut aufstellen, um von fragilen Handelsketten oder teuer importierten fossilen Energieträgern unabhängiger zu werden, neue Technologien wie KI bewusst nutzen und für Ar­beit­neh­me­r:in­nen attraktive Arbeitsplätze zu schaffen.

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