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Oldenburg gönnt sich ein StadionErstklassiger Bau für viertklassige Kicker

Oldenburgs Stadtrat sagt Ja zum Bau eines Fußballstadions. Schon vor dem Spatenstich liegen die Kosten über dem Budget. Und Genehmigungen fehlen noch.

Aus Oldenburg

Aljoscha Hoepfner

Um kurz nach 21 Uhr brechen die knapp 400 Fans des VfB Oldenburg in Jubel und Freudengesänge aus. „Oh, wie ist das schön“, hallt es durch den Saal. Die Fans in blauen Trikots und mit Schildern und Bannern in den Händen bejubeln nicht etwa einen Sieg ihres Vereins, es ist das Ende der vierstündigen Debatte über den Stadionbau im Oldenburger Stadtrat am Montag. Vor dem Publikum in der Aula der Cäcilienschule, dem größten Saal der Stadt, hat der Rat soeben mehrheitlich für die Vergabe des Auftrags zum Bau eines neuen Fußballstadions gestimmt.

Vorausgegangen war eine hitzige Debatte zwischen den Befürwortern von CDU, SPD, BSW, FDP, Volt und AfD und den Gegnern von den Grünen und der Gruppe „Für Oldenburg“. Dabei ging es neben der Grundsatzfrage, ob Oldenburg ein reines Fußballstadion braucht, vor allem um die Finanzierung des 57,3 Millionen Euro schweren Auftrags aus Steuergeldern.

Profifußballstadion für Oldenburg „angemessen“

Die Befürworter brachten nochmals ihre Argumente der seit Jahren laufenden Debatte vor. Das Stadion müsse gebaut werden, da das bisher vom VfB Oldenburg genutzte Marschwegstadion im Falle eines Aufstiegs des Viertligisten nicht den Drittliga-Anforderungen des DFB, wie beispielsweise einer Rasenheizung, genügt. Daneben sei ein Profifußballstadion für eine Stadt wie Oldenburg „angemessen“ und werde sich positiv auf die Wirtschaft auswirken.

Es ist nicht nur ein Austragungsort für Fußballspiele

Ulf Prange, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion in Oldenburg

Momentan spielt der VfB Oldenburg 17 Heimspiele pro Saison. Auch den Rest des Jahres solle das neue Stadion genutzt werden. Ulf Prange (SPD) betont: „Es ist nicht nur ein Austragungsort für Fußballspiele.“ Das Stadion werde ein „dritter Ort“ sein, der Menschen zusammenbringe und Gemeinschaft schaffe. Wie das konkret aussehen soll, kann während der Debatte jedoch keines der Ratsmitglieder beantworten.

Die anwesenden VfB-Fans beklatschen während der Sitzung jede Äußerung zur Unterstützung des Stadionbaus. Selbst der einzige AfD-Stadtrat, Andreas Paul, erhält lautstark Beifall, was den sonstigen Außenseiter sichtlich überrascht hat.

Die Gegner des Stadionbaus kritisieren die Finanzierung aus Steuergeldern. Das Geld solle sinnvoller eingesetzt werden. Rita Schilling (Grüne) verweist unter anderem auf marode Schulsporthallen in der Stadt. Ein Profifußballstadion sei nicht Teil der Daseinsvorsorge und von dem Stadion würden vor allem die Investoren des VfB profitieren, so die Grüne.

Stadion spaltet Stadt

Das Stadionthema spaltet die Stadt seit Jahren. Im Februar war das Ratsbündnis von Grünen und SPD vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage an der Frage der Finanzierung des Stadions zerbrochen. Nun liegen die Kosten schon vor Baubeginn 1,9 Millionen Euro über dem ursprünglich festgesetzten Budget. Zusammen mit Inbetriebnahme- und Nebenkosten wird das Stadion mindestens 61,9 Millionen Euro kosten. Daneben fehlen trotz des Beschlusses weiterhin die nötigen Genehmigungen.

Nicht nur die Kommunalaufsicht muss der Finanzierung noch zustimmen. Da Oldenburg mit dem Bau des Stadions in den Markt eingreift, prüft die Europäische Kommission in einem sogenannten Notifizierungsverfahren, ob diese Investitionsbeihilfe überhaupt zulässig ist. Im Rahmen dieses Verfahrens hatte die Stadt mit Puffer sogar 75,5 Millionen Euro Kosten gemeldet. Die Entscheidung der Europäischen Kommission steht noch aus.

Die Initiative „Kein Stadionbau“ hält den Beschluss ohne Genehmigung der Europäischen Kommission für rechtswidrig. Im Stadtrat hält Finanzdezernentin Julia Figura dagegen, dass lediglich der Vertrag geschlossen werde, die tatsächliche Gewährung der Beihilfe aber noch nicht erfolge. Für den Fall, dass die Stadt die nötigen Genehmigungen nicht erhalte, werde der Vertrag aufgelöst und der Unternehmer erhalte eine Abfindung.

Fertigstellung des Stadions 2029 geplant

Auch den Bebauungsplan kritisiert die Initiative und bereitet eine Klage vor. Das neue Stadion soll in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof entstehen und mit Businessclub, Eventlounge und Logen eine Kapazität von 10.000 Plätzen haben. Das sind weniger als die 12.000 Plätze im Marschwegstadion. Laut Branchenportalen kamen in der vergangenen Saison im Durchschnitt jedoch ohnehin nur 3.700 Zuschauer zu den Heimspielen des VfB Oldenburg.

Die Stadt hat unmittelbar nach dem Beschluss den Baubeginn für nächstes Jahr und die Fertigstellung spätestens Anfang 2029 verkündet.

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1 Kommentar

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  • Wahrscheinlich wurde die Region Oldenburg doch gelegentlich in der letzten Zeit unterbewertet.



    Bei de.wikipedia.org:



    "Das Herzogtum Oldenburg war ein 1774 erhobenes Reichsfürstentum im Heiligen Römischen Reich. Es gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Es überdauerte das Ende des Reiches für kurze Zeit im Rheinbund, wurde aber 1811 vom Französischen Kaiserreich annektiert. 1815 wurde der Staat als Großherzogtum Oldenburg wiederhergestellt. Das Herzogtum Oldenburg wurde Landesteil des Großherzogtums wie auch das Fürstentum Lübeck und das Fürstentum Birkenfeld."



    Vielleicht kommt es manchen antiquiert oder provinziell vor, aber es steckt viel mehr in Oldenburg als dieses Bau-Projekt.



    Ich wünsche den Fans jedenfalls viel Erfolg, denn auch in anderen Städten kam erst das schöne Stadion und dann der Erfolg (zurück).



    Als das Dortmunder Westfalenstadion für die WM fertiggestellt wurde, war die hiesige Borussia als stolzer Europapokalsieger von 1966 vorübergehend nur zweitklassig.