Ohne Plastik Einkaufen am Maybachufer: Wünsche am Zitronenbaum

Die Umweltorganisation Yesil Cember versucht auf dem Wochenmarkt in Neukölln für umweltfreundliches Einkaufen zu werben. Es könnte klappen.

Ein Wpochenmarktstand mit Obst, eine Staude Bananen im Vordergrund

Bananen kommen mit der eigenen Verpackung, für alles andere braucht es umsetzbare Ideen Foto: dpa

BERLIN taz | Nieselregen am Maybachufer in Neukölln, Dienstag kurz nach 11, der Wochenmarkt ist schon gut besucht. Ein winziger Stand an der Ecke Hobrechtstraße wirbt recht unscheinbar mit Mehrfachgeschirrtürmchen, gehäkelten Einkaufsnetzen und Flyern für plastikfreies Einkaufen. Yeşil Çember, so heißt die Berliner Umweltbewegung, die sich seit 15 Jahren der Umweltbildung für – aber nicht nur – Türkeistämmige widmet, hat hier zum ersten Mal einen Stand, so erzählt es die rührige Geschäftsführerin Gülcan Nitsch.

Bereits seit April führe sie mit den Markt­ver­käu­fe­r*in­nen Gespräche, um sich mit ihnen Lösungen für plastikfreies Einkaufen auszudenken. Nitsch und ihre vier Mit­strei­te­r*in­nen haben keine leichte Aufgabe: plastikfreies Einkaufen, hier?

Ein kleiner Blick über den Markt verrät die Schwere der Aufgabe: goldbraun blitzendes Milchpide, schön hygienisch eingepackt in durchsichtiger Plastikfolie, ölig glänzende Oliven in winzigen Einmalbehältern und die orangefarbenen, dünnen Tütchen, die einem von den Händlern ungefragt in die Hand gedrückt werden. Es ist nicht einfach, hier beim Einkaufen am Maybachufer Plastik in allen Farben und Formen auszuweichen.

Eigentlich hätte man den Stand etwas prominenter am Eingang des Marktes vermutet, aber so kann man wenigstens fernab vom Trubel noch den Wunschbaum, einen kleinen Zitronenbaum mit winzigen Früchten, mit einem Wunsch für eine plastikfreie Zukunft bestücken („Weg mit den Plastikflaschen!“).

Der Preis macht's

Spricht man mit den Gemüseverkäufern, so wie Muhittin bey, einem leicht ergrauten Mittvierziger mit lustigen, grünen Augen, hört sich das meist so an: „Wir wollen, aber die Kunden wollen nicht! Die nehmen lieber die Plastiktüten!“ Er zeigt mir sein Reservoir an Obsttüten aus Papier und Papiertragetaschen, alles fein säuberlich hinten im Stand verstaut. Auch Dilek Hekimoğlu, seit zwölf Jahren als Olivenverkäuferin jeden Dienstag und Freitag am Start, würde sich wünschen, dass die Einmalbehälter ein für alle Mal verschwinden: „Aber das schlägt sich dann auf den Preis nieder, und bei der Konkurrenz heutzutage kann sich das keiner leisten, mehr zu verlangen für umweltfreundliche Verpackungen.“

Mehrere ihrer Kun­d*in­nen würden schon mit ihren eigenen Behältern einkaufen kommen, aber da habe sie Hygienebedenken. „Am besten, das wird gesetzlich geregelt, dann müssen sich alle dran halten“, wünscht sich ihre jüngere Kollegin und packt wie gewünscht 200 Gramm Schafskäse in eine Plastiktüte.

Ab dem 3. Juli wird zumindest Einweggeschirr europaweit verboten, also Styroporverpackungen und Kaffeebecher. Und der Rest? Geht wohl nur mit Dialog und den Einkaufsnetzen, die Nitsch und ihre Mit­strei­te­r*in­nen in den kommenden Wochen hier auf dem Markt verteilen wollen. „Bis zum Jahresende ist dieser Markt plastikfrei“, so ist sich Nitsch sicher. Mal gucken, ob ihr Wunsch in Erfüllung geht.

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