Nordrhein-Westfalen: Große Razzia gegen Hells Angels
1.500 Polizisten in 28 Städten: Mit einer großen Razzia geht die Polizei in NRW gegen die „Hells Angels“ vor. Zuvor wurde ein Ableger der Rocker verboten.
Foto: Christoph Reichwein/dpa
dpa | Mit einer groß angelegten Razzia geht die Polizei in Nordrhein-Westfalen gegen die Rockergruppe „Hells Angels“ vor. 1.200 Beamte seien in 28 Städten im Einsatz, teilte das Innenministerium in Düsseldorf mit. Zuvor hatte die Behörde den Verein „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“ verboten. Eine Person wurde festgenommen.
Nach Angaben des Ministeriums ist es einer der größten Einsätze gegen Rockerkriminalität in der Geschichte des Landes. Seit den frühen Morgenstunden durchsucht die Polizei mehr als 50 Objekte. Auch Spezialeinsatzkräfte sind im Einsatz. Innenminister Herbert Reul (CDU) will sich um 10 Uhr bei einem Presse-Statement im Landtag zu Details äußern.
Federführend sind die Polizei Düsseldorf und die Spezial-Staatsanwaltschaft der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS NRW). Es geht bei dem Ermittlungsverfahren unter anderem um den Verdacht der Bildung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie der räuberischen Erpressung. In Langenfeld wurde laut den Ermittlern ein 46 Jahre alter Beschuldigter festgenommen.
Die Durchsuchungen begannen um 4 Uhr und dauerten zunächst an. Razzien gibt es in Wohnungen und Geschäftsräumen von Vereinsmitgliedern und Unterstützern unter anderem in Leverkusen, Köln, Langenfeld, Monheim, Solingen, Dortmund, Oberhausen, Ahaus, Velbert, Duisburg, Bergheim, Gummersbach, Kempen, Herne, Voerde, Bielefeld, Bochum, Dinslaken, Lünen und Marienheide.
Mitgliederzuwachs bei Hells Angels
In Hilden wurde ein Vereinsheim der „Hells Angels“ durchsucht. Vor Ort waren vermummte und bewaffnete Polizisten zu sehen. Neben der Suche nach Beweisen geht es der Polizei bei der großangelegten Aktion auch um die Sicherung von Vermögenswerten. Bei einer früheren Razzia gegen die Rocker waren unter anderem Motorräder und Bargeld beschlagnahmt worden.
In NRW waren in den vergangenen Jahren bereits andere „Hells Angels“-Ableger („Chapter“) verboten worden. Zuletzt hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) 2017 den Verein „Hells Angels MC Concrete City“ verboten und aufgelöst. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hatte das Verbot vier Jahre später bestätigt.
Wie die Neue Westfälische vor wenigen Tagen mit Bezug auf das Landeskriminalamt (LKA) berichtete, hatten die „Hells Angels“ zuletzt 29 Chapter in NRW. Mit 469 Mitgliedern sei der Club zuletzt stark gewachsen – unter anderem durch Überläufer der verfeindeten „Bandidos“. Damit waren die „Hells Angels“ personell bislang die größte Rocker-Gruppe in NRW – vor den „Freeway Riders“ mit 403 Mitgliedern in 37 Chaptern.
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