Neustart für den Profifußball : Politik, ganz kenntnisfrei
Sportminister Seehofer ist für eine Wiederaufnahme der Bundesliga – trotz des Risikos für Spieler und Fans.
V iele Argumente sind zuletzt in der Debatte darum ausgetauscht worden, ob der deutsche Profifußball seine Geschäfte wieder aufnehmen soll. Und ausgerechnet der Innen- und Sportminister Horst Seehofer hat sich mit Statements lange zurückgehalten. Am Wochenende hat er nun Position bezogen und gezeigt: Politik kann auch ohne Kenntnisse formuliert werden.
Seehofer stellte sich hinter den Zeitplan der Deutschen Fußball Liga, im Mai die Saison wieder starten zu lassen, und machte zugleich klar: Bei einem positiven Coronafall müsse das ganze Team in Quarantäne. Genau dieser Automatismus ist aber in den DFL-Plänen nicht vorgesehen und somit dürfte Seehofer eigentlich auch der DFL-Zeitplan nicht gefallen.
Obendrein veranschaulichte das schlechte Timing des Interviews die Unwissenheit Seehofers recht plastisch. Denn mittlerweile hat der 1. FC Köln drei positive Coronafälle vermeldet – und ebenso darüber informiert, dass der Rest der Mannschaft das Training am Montag wieder aufnehmen wird. Ebenso wird die Forderung von Seehofer, es könne nicht sein, dass Profispieler öfter getestet werden als Pfleger oder Polizisten, durch das DFL-Konzept, das mindestens zwei Tests pro Woche vorsieht, konterkariert.
Die DFL versucht mit einer risikoratifizierten Methode den Spielplan bis Ende Juni durchzupeitschen, weil dann viele Profiverträge auslaufen. Seehofers kenntnislose Gefolgschaft macht deutlich: er ist mehr an einem positiven Signal für den Fußball und seine Fans als an Risikoabwägungen interessiert.
Abenteuerlich ist indes, dass sowohl die DFL als auch Seehofer sagen, es dürfe keine Privilegien für den Profifußball geben. Laut DFL beanspruchen die etwa 720 Profifußballer „nur“ 0,4 Prozent der Testkapazitäten in Deutschland. Privilegienfrei hochgerechnet hätte dann Deutschland nur 180.000 Einwohner. Die Differenz zur tatsächlichen Zahl bildet gut ab, wie privilegiert der durch die Politik gestützte Profifußball ist.
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