Neuköllner Kneipe Syndikat vor Räumung: Die Kneipen denen, die drin saufen
Das Syndikat will seiner Räumung am 7. August mit einer Protestnacht trotzen. Schon eine Woche zuvor soll demonstriert werden.
Es soll eine lange Nacht werden für die Verteidiger*innen des Syndikats. Nachdem die Kiezkneipe in der Neuköllner Weisestraße mehr als anderthalb Jahre ohne Mietvertrag durchgehalten hat, droht ihr am 7. August die Räumung; an diesem Tag hat sich für morgens 9 Uhr der Gerichtsvollzieher angekündigt, um die Räume in Beschlag zu nehmen. Der Protestmarathon, den das Kneipenkollektiv zusammen mit seinen Unterstützer*innen hingelegt hat, wird an diesem Tag womöglich sein Ende, bestimmt aber seinen Höhepunkt erreichen.
Um der Räumung etwas entgegenzusetzen, rufen Kollektiv und Nachbar*innen zu einer „Langen Nacht der Weisestraße“ auf, die bereits am Vorabend um 20 Uhr beginnen soll. Auf einer angemeldeten Kundgebung soll es ein „Programm aus Videoclips, Redebeiträgen, Bildern und Musik“ geben. Der Protest ist bis zum nächsten Vormittag 10 Uhr angemeldet – und könnte dazu dienen, viele Menschen bereits in der Nacht für eine mögliche Blockade vor der Kneipe zu sammeln. Bei vergleichbaren Räumungen mit angekündigten Blockadeaktionen in der Vergangenheit sperrte die Polizei meist in den frühen Morgenstunden die Straßen, um Menschen daran zu hindern, zum Ort des Geschehens zu kommen.
Dem Syndikat droht als erstem mehrerer linksalternativer Orte in diesem Jahr die Räumung – das Jugendzentrum Potse, das queerfeministische Hausprojekt Liebig 34 und die Kreuzberger Kneipe Meuterei könnten folgen. Die Szene ist alarmiert. Wie groß die Unterstützung für das Syndikat auch in der direkten Nachbarschaft ist, präsentiert das Kollektiv täglich auf Twitter. Anwohner*innen und Gewerbetreibende drücken auf Bildern ihre Solidarität aus und rufen dazu auf, die Räumung zu verhindern.
Zur Einstimmung auf den Räumungstermin wird es bereits am Samstag zuvor, dem 1. August, eine Demonstration der als Interkiezionale zusammengeschlossenen bedrohten Projekte geben. „Raus aus der Defensive. Ohnmacht wird zur Wut“ lautet das Motto der Demo, die am Abend durch Neukölln ziehen soll. Die Projekte seien „ein Bild aus der Zukunft“ sowie „Orte eines solidarischen, unkommerziellen, widerständigen und selbstverwalteten Miteinanders“, heißt es in dem Aufruf. Vorbereitet wird sich auf eine „wütende“ Demo, die sich nicht ausschließlich in einem Polizeikessel von A nach B bewegen soll. In linksradikalen Kreisen wird bundesweit mobilisiert.
Die Protestaufrufe sparen nicht an Kritik am rot-rot-grünen Senat. Der Wunsch der Hauseigentümer – der erst durch Syndikats-Recherchen aufgedeckten britischen Immobilienfirma Pears Global –, das Syndikat zu räumen, „wäre witzlos, wenn nicht der Berliner Senat diese durch eine irrsinnige Materialschlacht und unzählige Einsatzkräfte durchsetzen würde“, so der Betreiber Lukas Selchow. Statt sich für den Erhalt zu engagieren, werde sich „auffällig weggeduckt“, so der Vorwurf.
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