Neues Kabinett in Chile: 14 Frauen in der Regierung

Der gewählte chilenische Präsident Gabriel Boric stellt sein künftiges Kabinett vor: Die Enkelin Salvador Allendes wird Verteidigungsministerin.

Eine Frau und ein Mann stoßen ihre Fäuste zusammen

Bald Ministerin und Präsident in Chile: Maya Fernandez de Allende und Gabriel Boric Foto: ap

BUENOS AIRES taz | Maya Fernández Allende wird Chiles Verteidigungsministerin werden. Die Enkelin des ehemaligen sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, den die Militärs 1973 aus dem Amt geputscht hatten, ist eine von 14 Frauen im 24-köpfigen Kabinett des designierten Präsidenten Gabriel Boric. „Jetzt liegt es an uns allen, daran zu arbeiten, das Leben in unserem Land immer gerechter zu machen“, twitterte die 50-jährige Sozialistin nach ihrer Berufung.

Boric hatte die Stichwahl um das Präsidentenamt vergangenen Dezember mit einer deutlichen Mehrheit gewonnen. Auch wenn der linke Wahlsieger das Amt erst am 11. März antreten wird, stellte er am Freitag seine Mi­nis­te­r*in­nen­rie­ge vor. Darin ist Fernández Allende eine von vier So­zia­lis­t*in­nen in Schlüsselpositionen.

Damit versucht Boric, seinen Rückhalt im Parlament zu stärken, in dem sein Parteienbündnis Apruebo Dignidad lediglich über 37 der 155 Sitze verfügt. Der mit der Sozialistischen Partei verbundene, aber ihr nicht angehörende ehemalige Zentralbankchef Mario Marcel soll als Finanzminister die neoliberalen Eliten zumindest etwas beruhigen. Allerdings dürften die mit Schrecken zur Kenntnis genommen haben, dass mit Nicolás Grau ein ausgewiesener Kritiker des neoliberalen Modells das Wirtschaftsministerium leiten wird.

Boric und Grau vereint ein langjähriges, führendes Engagement in der Studierendenbewegung. Dort liegt einer der Grundsteine, auf den Boric’ Wahlsieg und der Einzug in den Präsidentenpalast La Moneda aufgebaut sind. So wurden mit Giorgio Jackson als zukünftigem Präsidentschaftssekretär – vergleichbar einem Kanzleramtsminister – und Camila Vallejo als Regierungssprecherin zwei weitere ehemals führende Personen der Studierendenbewegung von Boric berufen.

Bachelet und Allende verbindet mehr als die Partei

Nicht unerwartet ist die Berufung von Izkia Siches zur Innen- und Sicherheitsministerin, dem mit Abstand wichtigsten Posten im Kabinett. Da Chiles Verfassung keine Vizepräsidentschaft vorsieht, fällt diese Rolle dem Innenministerium zu. Als Leiterin der Wahlkampagne hat Siches enormen Anteil an Boric’ Wahlsieg. So setzt sich die beeindruckende Karriere der ehemaligen Vorsitzenden der chilenischen Ärztevereinigung Colegio Médico fort.

Während also dem Innenministerium erstmals eine Frau vorstehen wird, wird es im Fall des Verteidigungsministeriums bereits die zweite sein. Von 2002 bis 2004 hatte die ehemalige Präsidentin Michelle Bachelet das Amt inne.

Bachelet und Fernández Allende verbindet mehr als die Mitgliedschaft in der Sozialistischen Partei. Die beiden Familien haben unter der Militärdiktatur von Augusto Pinochet gelitten. Die damals 22-jährige Bachelet musste 1975 mit ihrer Mutter aus Chile fliehen. Die damals zweijährige Fernandez Allende lebte von 1973 bis zum Ende der Diktatur 1990 auf Kuba, nachdem ihr Großvater Salvador Allende beim Putsch am 11. September 1973 ums Leben gekommen war. Dass er dem späteren Diktator Augusto Pinochet einst vertraut und ihn zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt hatte, wird sie in Erinnerung haben.

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