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Neuer Wirtschaftsstaatssekretär Keine Qualifikation? Egal!

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Kanzler Merz beruft Steiniger als Wirtschaftsstaatssekretär nur, um die Parteifreunde in Rheinland-Pfalz zu befrieden. Nötig wäre mehr Expertise.

F riedrich Merz hat bei der jüngsten Regierungsumbildung seine Parteifreundin Wirtschaftsministerin Katherina Reiche verschont. Leider. Denn ihre vermurkste Energiepolitik allein ist Grund genug, sie auszutauschen. Doch statt korrigierend einzugreifen, schickt Merz mit dem rheinland-pfälzischen CDU-Generalsekretär Johannes Steiniger einen Mann in Reiches Ministerium, der wirtschaftspolitisch bislang nicht in Erscheinung getreten ist.

Die Berufung des neuen parlamentarischen Staatssekretärs Steiniger hat einen Zweck: Sie soll die aufgeregten Gemüter der Christ­de­mo­kra­t:in­nen in Mainz befrieden, die sich öffentlich über den Rauswurf von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder echauffieren. Qualifikation? Egal. Merz versucht nicht einmal, den Eindruck zu erwecken, dass fachliche Aspekte ausschlaggebend dafür waren, den agrarpolitischen Sprecher der Unionsfraktion ins Wirtschaftsministerium zu berufen.

Dabei braucht es in Reiches Haus dringend mehr Expertise. Es ist ja nicht so, als gebe es keinen wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf – die deutsche Wirtschaft stagniert. Sie leidet unter einer ganzen Reihe von Problemen, von den hohen Energiepreisen über die Zollpolitik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump bis hin zu der aggressiven Exportpolitik Chinas.

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Die deutsche Industrie baut Arbeitsplätze ab, die – einmal verschwunden – nicht wiederkommen werden. Der einzige Lösungsansatz von Wirtschaftsministerin Reiches: die reine Lehre der freien Marktwirtschaft zu predigen. Offensichtlich reicht das nicht.

Merz scheint das Problem nicht einmal zu sehen. Dabei braucht die deutsche Wirtschaft dringend frischen Wind. Mit seiner Personalentscheidung zeigt er nicht zum ersten Mal, dass er sich weder für Sorgen der Bür­ge­r:in­nen noch für ihre Angst vor Jobverlust und Krisen interessiert. Seine neuerdings aufmüpfigen Par­tei­freun­d:in­nen sollten versuchen, dem Kanzler etwas mehr Realitätssinn beizubringen.

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Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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13 Kommentare

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  • Da haben wir nun eine Energieministerin, eine Frau, mit Expertise in der Energiewirtschaft.



    Aber irgendwie ist das anscheinend auch wieder nicht richtig.



    Möglicherweise war es ihr Fehler, dass sie ihre Expertise in der Praxis erworben hat, und nicht durch Studienschreiben.

    • @sollndas:

      Expertise schadet nie, trotzdem nutzt sie nichts, wenn man auf der Hand liegende Notwendigkeiten trotzdem ignoriert.



      Nicht alle Leute aus der Praxis sind die großen Durchblicker, nicht alle aus der Theorie weltfremde Taugenichtse. Immer noch mal einen zweiten Blick riskieren, sonst läuft man Gefahr, unterkomplex sehr komplexe Probleme anzugehen.

      • @FtznFrtz:

        "...sonst läuft man Gefahr, unterkomplex sehr komplexe Probleme anzugehen."



        Stimmt. Z.B. Zubau auf Teufel komm raus, ohne auf Netzverträglichkeit zu achten. Oder Ökostrom für die Tonne zu produzieren, und noch Entsorgungskosten dafür zu bezahlen.

        • @sollndas:

          Kann ich nicht widersprechen. Frau Reiche hat auf diese Themen vermutlich keinen Einfluss.

          • @FtznFrtz:

            Das ist naiv! Sie WILL keinen Einfluß nehmen, das mag die sie steuernde Lobby nicht...

    • @sollndas:

      Gegen Lernen aus der Praxis hat niemnd etwas einzuwenden. Doch diese "Energie"-Ministerin hat nichts gelernt, was ALLEN in Deutschland zugute kommt. Ihr Lernergebnis ist allein die völlige Unterwerfung unter die Ziele der fossilen Wirtschaft.

  • Hm. Habeck wurde als Wirtschaftsminister in der taz gefeiert. Wo war da die Expertise?

    Insolventer Bäcker ist nicht pleite, er backt nur nicht mehr.

    Pendlerpauschale? Bekommt die auch der Zugpendler, oder bekommt der das Ticket erstattet? Ich weiß es grad nicht.

    Er war wohl einfach in der richtigen Partei?

    • @Querbeet:

      Der Mann hat Charater, ist nicht korruptionsanfällig und/oder lobbyhörig wie die derzeitige Amtsinhaberin. Aber es macht ja unglaublich viel Spaß, Habeck und die GRÜNEN zu beschimpfen, verunglimpfen - auch wenn's mit falschen Aussagen ist....

  • Nicht vorhandene eigene Expertise öffnet Tür und Tor für Lobby und Berater. Mal schauen wie lange das geht bis wir das beobachten können bei Herrn Steiniger … und natürlich auch bei Carsten Linnemann.

    • @PfoteMila:

      Das wird sehr schnell gehen. Schließlich ist das die Grundlage dieser Regierung, insbesondere der csdU.

  • Wir alle können froh sein, wenn diese Regierung abtritt - hoffentlich nicht den Faschos weichen muss. Das freilich wird durch solch stümperhaftes Gebaren der derzeitigen Akteure immer wahrscheinlicher - einschlägige Medien wie etwa Springer arbeiten mit Volldampf genau darauf hin -sehr gefährlich- und versuchen alle anderen Optionen schon jetzt zu torpedieren.

  • Um mehr Experise in Sachen Wirtschaft zu haben als die cdU/csU-Spitze, braucht es aber auch wirklich nicht viel.

    Wird gerne vergessen: anders als andere Berufe ist PolitikerIn kein Lehrberuf. Die Einstellungsvoraussetzungen sind nur, dass man es schafft, genug Leute zu bequatschen, einen zu wählen. Punkt. Ein Grundkurs in VWL und Soziologie/Politologie wäre super, gibt's aber nicht. Also dreht unsere Regierung z.B. den Menschen die Kaufkraft ab, wodurch die Wirtschaft (Nachfrage!) gebremst wird. Das ist nicht mal innerhalb des kranken kapitalistischen Systems sinnvoll. Und (Soziologie/Politologie) es ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen.

    Darum habe ich schon lange aufgehört mich zu fragen "sind die böse oder blöd?". Also machen die das absichtlich und wollen uns in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ruin führen, oder sind sie einfach zu doof zu merken, dass es so ist? Denn der Effekt von Doofheit oder Bosheit ist derselbe. Meistens übrigens wenn man sich das im Alltag mal fragt von Situation zu Situation.

    • @Jalella:

      Die Idee der Union ist ja, möglichst viel Fesseln der Wirtschaft abzulegen, damit besser verdient werden kann, dann wird privat investiert, der Laden brummt wieder und so weiter.



      Das nicht per se alles falsch, der andere Weg, die Nachfrage durch Sozial- und Staatsausgaben anzukurbeln hat auch Vor- und Nachteile.



      Man legt aber diese schon lange bestehenden Konzepte kaum angepasst immer gleich auf eine sich ändernde Realität auf.



      Krankt die deutsche Wirtschaft an zu hohen Kosten? Oder produziert sie derzeit einfach nicht genug innovative Produkte und Dienstleistungen?