Neuer Prozess gegen IS-Rückkehrerin: Damals im Kalifat

Der zweite Prozess gegen Omaima A.ist gestartet. Die Witwe von Denis Cuspert soll Beihilfe zur Versklavung von Je­si­d:in­nen geleistet haben.

Omaima A. hält sich im gericht eine Zeitung vors Gesicht

Steht erneut in Hamburg vor Gericht: Omaima A Foto: Daniel Reinhardt/dpa

HAMBURG taz | Als Omaima A. vor fünf Jahren aus den vom sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) beherrschten Gebieten zurückgekehrt war, passte sie sich äußerlich schnell wieder den neuen – und alten – Lebensumständen an. Erfolgreich fiel sie dadurch lange Zeit nicht als ehemaliges IS-Mitglied auf. Als Übersetzerin und Eventmanagerin sei sie tätig gewesen, so präsentierte sie sich zumindest in digitalen Jobnetzwerken. Den Niqab legte sie wieder ab, wohnte mit ihren drei Kindern unauffällig in einer Hamburger Vorortsiedlung, Stadtteil: Neugraben-Fischbek. War was?

Erst die hartnäckige Recherche einer libanesischen Journalistin brachte knapp drei Jahre nach ihrer Rückkehr Ermittlungen der deutschen Behörden in Gang. Denn Fotos zeigten, wie die in Hamburg geborene Deutsch-Tunesierin ein munteres Leben in den Gebieten der Terrorgruppe führte – und damit aktives und unterstützendes Mitglied des IS war.

Auch ihre Kinder fotografierte A. in der Zeit in Syrien – mal in Kampfmontur mit IS-Logo, mal mit einer Waffe in der Hand oder auf dem Schoß verschiedener IS-Anführer.

Die Folge: Wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung war sie im vergangenen Jahr zu einer dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt worden. Seit Donnerstag muss sich A. erneut vor dem Oberlandesgericht verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihr Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Dabei geht es um zwei Jesidinnen, die vom IS versklavt wurden. A. habe das nicht nur gebilligt, sondern unterstützt: Sie ließ die Jesidinnen für sich im Haushalt schuften.

Nur den Haushalt geführt

Im Laufe des ersten Prozesses präsentierte sie sich als naive, bedauernswerte Ehefrau und Mutter, der es nicht darum ging, den IS und seine islamistische Ideologie zu unterstützen. Sie sei mit den Kindern doch schlicht ihrem Ehemann hinterhergereist, der aus Frankfurt/Main in den Krieg gezogen war.

Als er starb, heiratete sie den nächsten IS-Schergen: Den aus Berlin stammenden Ex-Rapper Denis Cuspert alias Deso Dogg. Für beide habe sie lediglich den Haushalt geführt. Auch Cuspert ist laut Bundeskriminalamt tot.

Eine der vielen vom IS versklavten Jesidinnen schilderte bereits im ersten Prozess ihre Leidenszeit in den Händen des IS – und wie sie Omaima A. begegnete. Die Frau des IS-Kämpfers, bei dem sie leben musste, habe sie eines Tages zu einem Besuch bei der Angeklagten mitgenommen.

Dort, im syrischen Rakka, musste sie die Wohnung von A. putzen, während sich die befreundeten IS-Frauen nett unterhielten. Die heute 36-jährige Omaima A. hörte ihren Schilderungen seinerzeit gelassen im weißen Blazer mit goldenen Knöpfen und rotem Lippenstift zu. Ganz nach der Devise: War was?

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