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Neue Regeln auf Pariser AutobahnParis reserviert Spur für Fahr­gemeinschaften

Die Maßnahme zielt darauf ab, dass auf dem Autobahnring der Stadt weniger PKWs fahren. Auch die Luftqualität soll sich dadurch verbessern.

Paris reserviert ab März 2025 eine Fahrspur der Stadtautobahn im Berufsverkehr für Fahrgemeinschaften Foto: Sabine Brose/Sorge/imago

Berlin taz | Paris reserviert von März an eine Spur der Stadtautobahn im Berufsverkehr für Fahrgemeinschaften, Taxis und Busse. Die französische Hauptstadt verspricht sich davon, dass durch den Anreiz zum gemeinsamen Fahren weniger Autos auf dem sogenannten Boulevard périphérique unterwegs sind – und es dadurch zu weniger Stau sowie einer gesünderen Umgebung für die An­woh­ne­r:in­nen kommt.

Die Regel tritt am 3. März in Kraft. Auf dem 35 Kilometer langen Autobahnring um Paris gibt es dann zu den Hauptverkehrszeiten – morgens zwischen 7 und 10.20 Uhr sowie abends zwischen 16 und 20 Uhr – eine Spur für Fahrgemeinschaften, Busse und Taxis sowie Menschen mit Behindertenausweis.

Bislang sitzen 80 Prozent der Nut­ze­r:in­nen der Autobahn alleine im Auto. Durch die Maßnahme sollen diese Au­to­fah­re­r:in­nen dazu bewegt werden, Fahrgemeinschaften zu bilden, wodurch eine geringere Auslastung der Straße erwartet wird. Im vergangenen Oktober hatte Paris die Höchstgeschwindigkeit auf dem Boulevard périphérique von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert. Der Hintergrund: ebenfalls weniger Lärm und Umweltverschmutzung für die Anwohner:innen, außerdem ein geringeres Unfallrisiko.

Durchgesetzt wird die neue Regelung mithilfe von künstlicher Intelligenz. Eine Kamera scannt den Innenraum der Autos. Erkennt sie nur eine Person, macht sie ein Foto, ähnlich wie bei einem Blitzer. Das zuständige Unternehmen Pryntec gibt an, die Fehlerrate würde hier bei unter einem Prozent liegen. Um gegen Täuschungen durch Puppen vorzugehen, werden Wärmebildkameras genutzt, die auch solche Tricks identifizieren können.

Hohe Strafen für Vergehen

Bei einem Vergehen werden Autofahrer übergangsweise vorerst durch Warnschilder auf einen Spurwechsel hingewiesen. Ab Mai droht aber auch eine Geldstrafe von 135 Euro. Kommt es zu Staus oder Unfällen, kann die Fahrspur kurzzeitig freigegeben werden, um die Verkehrssituation zu entlasten. Auch an anderen Orten in Frankreich wie Grenoble, Rennes, Lyon, ­Lille und Nantes gibt es Testphasen von ähnlichen Konzepten.

In den USA werden solche Gemeinschaftsspuren bereits seit den 1960er Jahren genutzt, um vor allem den Berufsverkehr in Großstädten und um sie herum zu verringern. In Europa gibt es sie hingegen kaum.

Bei einem erfolgreichen Abschneiden des französischen Modells kann sich Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland die Fahrspuren für Fahrgemeinschaften auch in Deutschland vorstellen. Er wünscht sich aber weitere Anreize für ökologischen Verkehr, damit Menschen weniger ans Auto gebunden sind. „Gemeinschaftsspuren müssen Hand in Hand gehen mit einem attraktiven ÖPNV“, so der Verkehrsexperte. „Dieser ist zu stärken.“

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2 Kommentare

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  • Ich frage mich sowieso schon länger warum das Google-Navisystem keine "Pick me up" oder "Hitchhiker" Funktion hat.



    Es wäre alles in der Software vorhanden ...

  • Innenstädte müssen generell Autofrei bzw. Autoreduziert werden. Es gibt in Europa viele gute Beispiele.