Neue Musik aus Berlin: Effektpedale durchgetreten

Häufig mit Pop-Einschlag: Was alles mit einer Duo-Besetzung möglich ist, das loten Krälfe auch auf ihrem inzwischen dritten Album aus.​

Eine Frau und ein Mann vor einer bunten Graffiti-Wand: Krälfe, das sind Cläre Caspar (Schlagzeug, Gesang) und Ralf Küster (Gitarre und Bass)

Krälfe, das sind Cläre Caspar (Schlagzeug, Gesang) und Ralf Küster (Gitarre und Bass) Foto: szim

Es braucht nur ein paar bratzig-verzerrte Gitarren, einen knarrenden Bass, ein treibendes Schlagzeug und eine schräge Gesangslinie; es braucht nur diese wenigen Klänge, die ertönen, und man weiß, wo das Berliner Duo mit dem seltsamen Namen Krälfe musikalisch zuhause ist.

Es ist der Kosmos des Noiserock und die große Zeit des Underground Rock in den achtziger und neunziger Jahren. Bandnamen wie Sonic Youth, zum Teil auch frühe R.E.M. oder The Jesus Lizard kommen einem in den Sinn, wenn man die zehn Songs des neuen Krälfe-Albums „Gravity Sucks“ hört.

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Krälfe, das sind Cläre Caspar (Schlagzeug, Gesang) und Ralf Küster (Gitarre und Bass). Die Band hat sich bereits 2012 in Hamburg gegründet, ist aber seit einigen Jahren in Berlin zuhause. Was alles mit einer Duo-Besetzung möglich ist, das loten Krälfe auch auf ihrem inzwischen dritten Album aus.

Besonders deutlich wird das in Noiserock/Noisepop-Tracks wie „7 Times Over“, in denen Distortion- und Fuzz-Gitarren mit variablen Drums mit einer eingängigen Gesangsmelodie zusammenkommen. Sowieso sorgt der melodische, manchmal hymnische Gesang Cläre Caspars oft für einen Pop-Einschlag.

Krälfe: „Gravity Sucks“ (Motor Music)

Die Gitarrenläufe Küsters, etwa in „Inner Syzygy“ oder dem tollen Gitarren-Instrumental „Evaporated Existence“, klingen dagegen tatsächlich des Öfteren wie eine Verneigung vor dem großen alten Sonic-Youth-Schrammler Thurston Moore – aber ohne dabei je epigonal zu erscheinen.

Textlich wie musikalisch ist „Digital Dismay“ ein Highlight des Albums, beschreibt es doch mit wenigen Worten und minimalen Mitteln unseren digital getakteten Alltag – und wie wir allzu bereitwillig unsere Privatsphäre aufgeben und Konzerne mit Daten füttern.

Auch „Portal“ mit seinen übereinander gelegten, choralen Gesangslinien ist toll, das Stück hat mich ein bisschen an die Pixies erinnert. Auch wenn nicht alle Songs dieses hohe Level halten, ist „Gravity Sucks“ ohne echte Schwachstellen. Und wer sich für den Spirit und Sound des guten alten Independent Rock begeistert, der ist hier ohnehin richtig.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

ist freier Journalist und Autor. Er schreibt vor allem über Musik, Literatur, Sport, Gesellschaftsthemen. Arbeitet seit 2011 für die taz, derzeit auch als Redakteur im Wochenend-Ressort.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de