Neue Impfstrategie: Der beste Schutz fürs Lehrpersonal

LehrerInnen und ErzieherInnen sollen nun schneller gegen Covid-19 geimpft werden. Noch besser wären Schnelltests in den Schulen.

An den Kleiderhaken im Flur einer Grundschule hängen Turnbeutel

Schulstart im Lockdown: Lehrkräfte verlangen eine frühere Impfung Foto: Imago

Wer hat noch nicht? Lehrkräfte und Kita-MitarbeiterInnen verlangen eine frühere Impfung, weil sie viel mit anderen Menschen zusammentreffen. Polizeibeamte kommen mit dem gleichen Argument. Ärzte, Praxispersonal und Beschäftigte beim Krankentransport verweisen auf ihre Gefährdung. Profi-Fußballer erwarten einen Piks, denn sie könnten ja als Vorbilder dienen. Nur vereinzelt gemeldet haben sich bisher Hausmeister, Handwerker im Außendienst, die Frauen und Männer von Zoll und Grenzschutz, die Müllabfuhr, Fahrkartenkontrolleure und Beschäftigte in Fahrradwerkstätten. Haben wir noch eine Gruppe vergessen? Ganz gewiss.

All diese Forderungen – die Fußballer einmal ausgenommen – sind mehr oder weniger berechtigt. Das Grundgesetz stellt das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit unter seinen Schutz. Aber tatsächlich entspringt die Priorisierung bestimmter Berufsgruppen beim Impfen einer gewissen Willkür, denn es fehlt an validen Daten, welche Gruppe wegen ihrer besonderen Gefährdung auch einen ganz besonderen Schutz benötigt. Bisher waren vor allem Beschäftigte in Pflegeheimen, auf Intensivstationen, in der Notaufnahme und bei Rettungsdiensten begünstigt, weil es auch ohne Statistik klar ist, dass sie ganz besondere Risiken tragen. Oberbürgermeister gehören übrigens nicht dazu.

Das Vorgehen in der Pandemie bleibt ein vorsichtiges Herantasten an die richtige Maßnahme, ein Versuch, Fehler zu vermeiden. Wenn jetzt bundesweit viele Kinder wieder zur Schule gehen dürfen, die Zahl der Infektionen aber gleichzeitig Anlass zur Sorge gibt, dann ist das ein Experiment mit ungewissem Ausgang – dem notwendigen Schutz und der Hilfe für die Kinder zugewandt, aber zugleich nicht ohne Risiko. Deshalb ist es richtig, die Betreuer dieser Kinder besonders zu schützen. Und wenn genug Impfstoff von AstraZeneca vorhanden ist, dann sollte man diesen nutzen. In wenigen Wochen werden wir ohnehin mehr als genug Impfstoff zur Verfügung haben.

Noch intelligenter, als Erzieher nur zu impfen, wäre es gewesen, man hätte mit den Schulöffnungen gewartet, bis in wenigen Tagen auch die entsprechenden Schnelltests zur Verfügung stehen. Sie wären für Lehrer wie Schüler ein weiterer Schutz, sie werden in anderen Ländern wie Österreich längst erfolgreich verwendet.

Unglücklicherweise hat der Staat bei diesen Schnelltests viel zu lange dem Tiefschlaf gehuldigt, anstatt sich so darum zu kümmern, wie es der Name sagt: schnell nämlich. So wie jetzt geht die Gesellschaft ein zusätzliches, aber vermeidbares Risiko ein.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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