Nachtzug Brüssel-Amsterdam-Berlin-Prag: Ruhiger Schlaf, super Toilette
Der European Sleeper bietet klimafreundliches Reisen von Berlin in die EU-Hauptstadt und zurück. Er hält auch etwa in Amsterdam, Dresden und Prag.
![rosa Bettdecke und Kopfkissen im Schlafwagenabteil rosa Bettdecke und Kopfkissen im Schlafwagenabteil](https://taz.de/picture/7048488/14/35648867-1.jpeg)
Mein Liegewagen war früher mal im Dienst der Deutschen Bahn, die Schilder sind auf Deutsch, die blauen Polster kennt man von alten DB-Zügen, alles etwas in die Jahre gekommen, aber funktionstüchtig. Das Abteil mit 5 Liegen ist im Gegensatz zu den 6-er-Abteilen klimatisiert. Auf dem Tischchen am Fenster steht gratis Mineralwasser.
Ohrstöpsel und Schlafbrillen sollte man mitbringen, weil sich die Gardinen am Kopfende nicht genug schließen lassen, sodass vom Gang etwas zu viel Licht durchkommt. WLAN gibt es nicht, aber Steckdosen.
Was im Vergleich zu den französischen SNCF-Nachtzügen viel besser ist: Der European Sleeper hat keine Toiletten mit Fallrohren, durch die die Fäkalien aufs Gleisbett fallen – sondern ein geschlossenes Toilettensystem.
Schon nach den ersten, ziemlich langen Halten wird klar: „Das geht hier nicht um Geschwindigkeit“, wie ein erfahrener Mitreisender sagt. Wir müssen ja auch genug Zeit zum Schlafen haben. Das können wir aber erst nach 22.34 Uhr, als der Zug in Amsterdam abfährt. Denn dort steigen die restlichen 3 Passagiere in unserem Abteil zu. Erst dann kontrolliert der Schaffner unsere Tickets.
Nachtzüge sind eine umweltfreundliche Alternative zu vielen Flügen. Die taz stellt deshalb in loser Folge Verbindungen mit Schlaf- oder Liegewagen vor. Wir schreiben aber auch, was besser werden muss, damit sie für mehr Menschen attraktiver werden. Alle Folgen gibt es auf www.taz.de/nachtzugkritik.
Danach bleibt es aber ziemlich ruhig – so ruhig, dass man gut schlafen kann. Der Schaffner weckt uns eine halbe Stunde, bevor wir pünktlich um 6.18 Uhr am Berliner Hauptbahnhof ankommen – früh genug, um vor der Arbeit zu Hause zu duschen.
In der Gegenrichtung fährt der European Sleeper sonntags, dienstags und donnerstags gegen 23 Uhr in Berlin los und kommt ungefähr um 9.30 Uhr in Brüssel an, was vielleicht etwas spät für Geschäftstermine ist. 159 Euro hat das Ticket im 5-er Abteil gut einen Monat vor Abfahrt gekostet. Wer früh bucht, kann die Liege je nach Reisetag auch zum Beispiel für 99 oder 129 Euro bekommen.
Zum Vergleich: Die Hinfahrt tagsüber im ICE kostete knapp 60 Euro mit BahnCard25. Man kann auch schon für 25 Euro fliegen, aber oft nur zu ungünstigen Uhrzeiten und lediglich mit Mini-Handgepäck. Akzeptable Flugverbindungen kosten eher beispielsweise 160 Euro bei Buchung 1 Monat im Voraus.
40.000 mal Danke!
40.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Was uns besonders macht? Sie, unsere Leser*innen. Sie wissen: Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Wir suchen auch weiterhin Unterstützung: suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus – schon mit 5 Euro im Monat! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Tabubruch der CDU
Einst eine Partei mit Werten
Trump und die Ukraine
Europa hat die Ukraine verraten
Social-Media-Star im Bundestagswahlkampf
Wie ein Phoenix aus der roten Asche
Krieg und Rüstung
Klingelnde Kassen
Gerhart Baum ist tot
Die FDP verliert ihr sozialliberales Gewissen
Münchner Sicherheitskonferenz
Selenskyjs letzter Strohhalm