Nachrichten in der Coronakrise: Expertenrat für Kontaktbeschränkung

Die Coronaexperten der Bundesregierung drängen auf bundesweit abgestimmte Maßnahmen. Die meisten Ansteckung in England stammen von der Omikron.

Eilige Menschen mit Einkaufstüten

Schnell noch mal shoppen: Pas­san­t:in­nen am Samstag in London Foto: Frank Augstein/ap

Expertenrat plädiert für Kontaktbeschränkung

Der neue Corona-Expertenrat der Bundesregierung sieht wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante „Handlungsbedarf“ bereits für die kommenden Tage. „Wirksame bundesweit abgestimmte Gegenmaßnahmen zur Kontrolle des Infektionsgeschehens sind vorzubereiten, insbesondere gut geplante und gut kommunizierte Kontaktbeschränkungen“, heißt es in einer am Sonntag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme.

Insbesondere für Ältere und andere Personen mit bekanntem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf sei „höchste Dringlichkeit“ geboten, heißt es in der Stellungnahme. Modelle zeigten, dass Boosterimpfungen alleine keine ausreichende Eindämmung der Omikronwelle bewirkten, sondern „zusätzlich Kontaktbeschränkungen“ notwendig seien.

„Neben den notwendigen politischen Entscheidungen muss die Bevölkerung intensiv zur aktiven Infektionskontrolle aufgefordert werden“, so die Experten. „Dazu gehören die Vermeidung größerer Zusammenkünfte, das konsequente, bevorzugte Tragen von FFP2 Masken, insbesondere in Innenbereichen, sowie der verstärkte Einsatz von Schnelltests bei Zusammenkünften vor und während der Festtage.“

Nationale und internationale Modellierungen der Infektionsdynamik und möglicher Spitzen-Inzidenzen zeigten eine „neue Qualität der Pandemie“ auf, heißt es. „Die in Deutschland angenommene Verdopplungszeit der Omikron-Inzidenz liegt aktuell im Bereich von etwa 2-4 Tagen.“ Durch die derzeitig gültigen Maßnahmen sei diese Verdoppelungszeit im Vergleich zu England zwar etwas langsamer, aber deutlich schneller als bei allen bisherigen Varianten.

„Sollte sich die Ausbreitung der Omikron-Variante in Deutschland so fortsetzen, wäre ein relevanter Teil der Bevölkerung zeitgleich erkrankt und/oder in Quarantäne“, heißt es. „Dadurch wäre das Gesundheitssystem und die gesamte kritische Infrastruktur unseres Landes extrem belastet.“

Die Omikron-Variante bringe eine „neue Dimension“ in das Pandemiegeschehen. Omikron zeichne sich durch eine stark gesteigerte Übertragbarkeit und ein Unterlaufen eines bestehenden Immunschutzes aus.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuvor im „Bericht aus Berlin“ die Empfehlungen des Expertenrates als „sehr relevant“ bezeichnet. Winen Lockdown wie in den Niederlanden noch vor Weihnachten, schloss Lauterbach aber aus: „Den werden wir hier nicht haben“, sagte er in der ARD-Sendung. (dpa/taz)

Omikron dominiert in England und Schottland

Die hoch ansteckende Omikron-Mutante ist in England zur dominierenden Variante des Coronavirus geworden. Omikron mache nun 60 Prozent aller Fälle im Land aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid am Sonntag im Sky News-Interview.

Die Variante hatte sich in den vergangenen Wochen rasant ausgebreitet: Allein am Samstag wurden im Vereinigten Königreich 10.059 neue Omikron-Fälle gemeldet – dreimal so viele wie am Tag zuvor. Auch in Schottland ist Omikron bereits dominant.

Gleichzeitig spitzt sich in Großbritannien, wo bislang noch recht weitreichende Freiheiten gelten, die Debatte um schärfere Corona-Maßnahmen zu. Medienberichten zufolge laufen Diskussionen über eine Art Wellenbrecher-Lockdown nach den Weihnachtstagen. Wissenschaftliche Berater fordern eine möglichst schnelle Verschärfung der Maßnahmen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Man sei „fast sicher, dass es aktuell Hunderttausende neue Omikron-Infektionen pro Tag“ in England gebe – also eine hohe Dunkelziffer. Einige Modellierer warnten dem Guardian zufolge, ohne schärfere Maßnahmen drohten bis zum Jahreswechsel bis zu zwei Millionen Neuinfektionen täglich. (dpa)

Lockdown in den Niederlanden

Die Niederlande gehen über Weihnachten und Neujahr in einen harten Lockdown. „Das ist wegen der bevorstehenden fünften Corona-Welle unumgänglich“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Samstagabend. Nicht-lebensnotwendige Geschäfte, Bars, Restaurants, Friseure und andere öffentliche Plätze müssen ab diesem Sonntag dichtmachen. Die Maßnahmen gelten bis mindestens 14. Januar. Die Schulen sollen vom 20. Dezember bis mindestens 9. Januar schließen. Es wurden zudem Kontaktbeschränkungen verhängt. Zu Hause dürfen in der Regel nur noch zwei Gäste empfangen werden. In den Niederlanden sind zwar 85 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft. Eine Auffrischungsimpfung haben bislang aber nur neun Prozent erhalten – eine der niedrigsten Quote in Europa. (rtr)

Inzidenzen in Norddeutschland steigen wieder

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Sonntagmorgen 29.348 weitere Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das sind 3.298 Fälle weniger als am Sonntag vor einer Woche, als 32.646 Positiv-Tests gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 315,4 von 321,8 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Der 7-Tage-Mittelwert der Neuinfektionen sinkt nur leicht auf 40.225. Er liegt damit nur um 471 niedriger als am Samstag. In der ganzen letzten Woche war er im Schnitt um rund 1.500 pro Tag gefallen.

Vor allem in den norddeutschen Bundesländern Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein steigen die Inzidenzen seit einigen Tagen wieder. Es wird vermutet, dass sich hier bereits die Omikron-Welle bermerkbar macht. Die hoch ansteckende Omikron-Variante ist in den nördlichen Nachbarstaaten Dänemark und Niederlande bereits sehr präsent.

180 weitere Menschen starben laut RKI in Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen eines Tages auf 108.233. Im 7-Tage-Schnitt hat sich die Zahl der Todesfälle seit einer Woche bei 370 bis 380 eingependelt. Offenbar ist hier ähnlich wie bei den Neuinfektionen Anfang Dezember nun auch ein Hochplateau erreicht worden. (rtr/taz)

Großbritannien ab Montag Hochrisikogebiet

Wegen der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante in Großbritannien führt die Bundesregierung kurz vor Weihnachten drastische Reisebeschränkungen für Rückkehrer von der Insel ein. Von diesem Montag an (0.00 Uhr) gilt das Vereinigte Königreich als Virusvariantengebiet, wie das Robert Koch-Institut am Samstagabend in Berlin mitteilte. Dies bedeutet, dass Einreisende 14 Tage in Corona-Quarantäne müssen – auch, wer geimpft ist oder eine Erkrankung überstanden hat. Diese Frist kann auch nicht durch einen Test verkürzt werden. Zudem dürfen nur noch Bundesbürger und Menschen mit deutschem Wohnsitz ins Land.

Zudem gelten die Nachbarländer Dänemark und Frankreich wegen steigender Fallzahlen und Omikron in Deutschland seit Mitternacht nun als Hochrisikogebiete. Dies hatte das RKI bereits am Freitag bekanntgegeben. Mit Ausnahme von Luxemburg sind nun alle deutschen Nachbarländer Hochrisikogebiete. Wer aus einem solchen Gebiet einreist und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss zehn Tage in Quarantäne. Frühestens fünf Tage nach der Einreise kann man sich mit einem Test davon befreien. (dpa)

Wieder Proteste gegen Coronamaßnahmen

Deutschlandweit haben am Samstag erneut tausende Menschen gegen Corona-Maßnahmen und -Impfungen demonstriert. Die größte Demonstration gab es in Hamburg, dort gingen rund 11.500 Menschen auf die Straße, wie die Polizei auf Twitter mitteilte. Demonstrationen gab es unter anderem auch in Frankfurt am Main, Freiburg, Karlsruhe und Düsseldorf. Die Proteste verliefen überwiegend friedlich – vereinzelt kam es jedoch zu Übergriffen auf Beamte, Journalisten und Demonstranten. (dpa)

Hemdenfirma macht Gewinne mit Masken

Zusatzgeschäfte mit Corona-Schutztextilien haben dem Hemdenhersteller van Laack einen satten Gewinn beschert. Lag das Ergebnis vor Steuern im Geschäftsjahr 2019/20 noch bei 7,4 Millionen Euro, so waren es ein Jahr später 55,2 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht der Firma hervorgeht. Das ist fast eine Verachtfachung. Der Umsatz schnellte von 56,1 Millionen auf 203,2 Millionen Euro in die Höhe. Tochterfirmen in Vietnam und in Tunesien brachten einen zusätzlichen Vorsteuergewinn von insgesamt sechs Millionen Euro ein. Van Laacks Geschäftsjahr endet am 30. April. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie steuerte die Firma schnell um und bot unter anderem Mund-Nase-Stoffmasken an, von denen rund 130 Millionen verkauft werden konnten. Firmenchef und Inhaber Christian von Daniels spricht gegenüber der dpa von einem „Ausnahmejahr“: „Das können wir wirtschaftlich nicht wiederholen.“ (dpa)

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