+++Nachrichten im Ukraine-Krieg+++: Massive russische Luftangriffe auf die Ukraine
Mehrere ukrainische Städte wurden in der Nacht zu Donnerstag mit hunderten Drohnen und Raketen angegriffen. Ex-Präsidialamtschef Andrij Jermak ist in Untersuchungshaft.
Russland beschießt Ukraine massiv mit Raketen und Drohnen
Wenige Tage nach einer kurzzeitigen Waffenruhe hat Russland die Ukraine mit einem der längsten Luftangriffe in mehr als vier Jahren Krieg überzogen. In der Nacht wurde erneut Luftalarm im ganzen Land ausgelöst; am Morgen teilte die ukrainische Flugabwehr mit, dass Russland 56 Raketen und Marschflugkörper sowie 675 Drohnen eingesetzt habe. Die meisten Flugobjekte seien abgeschossen worden. Aus der Hauptstadt Kyjiw wurden Explosionen und viele Verletzte sowie mindestens ein Todesopfer gemeldet.
In Kyjiw wurden mehrere Gebäude beschädigt, aus den Trümmern eines teils eingestürzten Wohnhauses zogen Rettungskräfte mehrere verschüttete Menschen. Ein Mensch sei getötet worden, hieß es. Der Zivilschutz gab die Zahl der Verletzten am Morgen mit 31 an. Demnach wurden in dem Haus 18 Wohnungen zerstört. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass 20 Verletzte, darunter ein Kind, stationär im Krankenhaus behandelt würden. Nach Darstellung der Rettungskräfte gab es auch Verletzte im Umland.
Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Schäden an 20 Stellen in Kyjiw, betroffen seien Wohnhäuser, eine Schule und weitere Infrastruktur. Auch im Umland und weiteren Orten in der Ukraine gebe es Schäden. Insgesamt habe es seit Mittwoch 1.560 Drohnenangriffe gegeben.
Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.
Auch in anderen ukrainischen Städten gab es massive russische Angriffe.
In Cherson in der Südukraine wurde ein Kleinbus im Stadtzentrum von einer Drohne attackiert, es gab einen Toten und 27 Verletzte.
Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden 8 Tote und 11 Verletzte, darunter auch gemeldet. 23 Verletzte, zwei davon Kinder, gab es in der ostukrainischen Großstadt Charkiw.
Auch die Stadt Uschhorod im Gebiet Transkarpatien, die im äußersten Westen der Ukraine nahe der Grenze zur Slowakei und zu Ungarn liegt, wurde von Russland angegriffen; Anwohner berichteten von Explosionen. Es war das erste Mal seit Beginn des umfassenden Krieges, dass die Stadt Ziel russischer Angriffe wurde, und es handelte sich um den massivsten Drohnenangriff auf Transkarpatien seit Beginn der Invasion.
Schon den ganzen Mittwoch über hatte die russische Armee Drohnenangriffe auf die Ukraine geflogen, wobei solche Attacken über Tag ungewöhnlich sind. Selenskyj sprach an dem Tag von mehr als 800 Drohnen. Selenskyj bezeichnete die Angriffe als „Terror“. (dpa/taz)
Ex-Präsidialamtschef Jermak in Untersuchungshaft
In der Ukraine hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht Untersuchungshaft gegen den früheren ukrainischen Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet. Die Haft gelte für zunächst 60 Tage, Jermak habe die Möglichkeit, gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen, teilte der Richter am Morgen mit.
Jermak war die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er muss sich wegen Geldwäsche-Vorwürfen verantworten. Ihm und fünf anderen Verdächtigen werden illegale Millionengeschäfte bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen.
Der 54 Jahre alte Jermak hatte die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Er sagte auch, dass er keine Mittel habe, um die Kaution von umgerechnet 2,72 Millionen Euro zu bezahlen.
Am Vortag wurden auch Details über Jermaks Kontakt mit einer Esoterik-Beraterin zutage gefördert. Die Anklage ließ bei der Verhandlung in Kiew Chats zwischen Jermak und der Frau verlesen, die in seinen Telefonkontakten als „Veronika Feng-Shui Büro“ verzeichnet war.
Demnach habe Jermak, der bis November die rechte Hand von Selenskyj war, mit der Frau über die Besetzung von Spitzenposten in der Ukraine gesprochen. Er habe ihr Geburtsdaten von Kandidaten geschickt und um Rat gebeten. Ukrainischen Presseberichten zufolge bezeichnet sich die 51-jährige Frau aus Kiyjiw selbst als astrologische Beraterin.
Bis zu seinem Rücktritt galt Jermak als der zweitmächtigste Mann in der Ukraine und führte für sein Land Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs. Das Präsidentenbüro teilte angesichts der Nachrichten aus dem Gerichtssaal mit, man beschäftige sich nicht mit Esoterik, Numerologie, Feng-Shui oder ähnlichem. Er habe nie derartige Vertreter in der Kanzlei gesehen, sagte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn. (dpa)
Streit über Drohnenvorfälle: Lettlands Regierungschefin tritt zurück
Lettlands Regierungschefin Evika Siliņa hat nach dem Bruch ihrer Regierungskoalition ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die 50 Jahre alte Liberalkonservative zog damit die Konsequenzen aus der Ankündigung eines ihrer beiden Bündnispartner, den Fortbestand der Koalition nicht mehr zu unterstützen. Dies sei keine leichte, aber die richtige Entscheidung in dieser Situation, sagte sie auf einer Pressekonferenz in Riga. Die linksgerichteten Progressiven hatten zuvor Siliņa wegen eines politischen Streits über Drohnenvorfällen an der Grenze zu Russland das Vertrauen entzogen und Staatspräsident Edgars Rinkevics aufgefordert, Konsultationen zur Bildung einer neuen Regierung aufzunehmen.
Auslöser der politischen Krise in dem baltischen EU- und Nato-Land war der Rücktritt von Verteidigungsminister Andris Spruds. Der Progressiven-Politiker hatte sein Amt am Sonntag nach den jüngsten Drohnenvorfällen im Luftraum des an Russland und Belarus grenzende Landes auf Druck von Silina hin niedergelegt. Die Regierungschefin wollte den Posten des Verteidigungsministers nun mit dem Militäroberst Raivis Melnis besetzen – und nicht mehr mit einem Vertreter ihres Koalitionspartners. In Lettland führt der Rücktritt des Regierungschefs gemäß Verfassung automatisch auch zu dem des gesamten Ministerkabinetts. Bis zur Bestätigung einer neuen Regierung bleibt die alte aber weiter geschäftsführend im Amt. Silina hatte im September 2023 die Regierungsspitze übernommen – als zweite Regierungschefin in der Geschichte Lettlands. (dpa)
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